Es war ein tolles Finale der Finals 2019 in Berlin. Zwei Kurpfälzer reißen die Zuschauer im Olympiastadion innerhalb von zwei Minuten zweimal von den Sitzen: Malaika Mihambo springt mit 7,16 Meter Weltjahresbestleistung und Speerwerfer Andreas Hofmann siegt mit 87,06 Meter. Der Zweibrücker Stabhochspringer Raphael Holzdeppe überzeugt mit 5,76 Meter.

Berlin. Malaika heißt übersetzt „Engel“ oder „Guter Geist“. Beides passt genau auf jenen magischen Moment in der Berliner Abendsonne, als Malaika Mihambo erneut ihre Bestweite um neun Zentimeter steigert, zum vierten Mal in Folge über die Sieben-Meter-Marke fliegt und sich mit 7,16 Metern auf Rang drei der ewigen deutschen Bestenliste im Weitsprung hinter Heike Drechsler (7,48 m) und Helga Radtke (7,21 m) schob.

Wie bei ihrem EM-Titelgewinn vor einem Jahr brauchten die Zuschauer – gestern waren es 34.350 – viel Geduld und gute Nerven. Zwei übergetretene Absprünge forderten von Mihambo einen Sicherheitssprung, um ins Finale der besten Acht zu kommen. Den setzte sie bei 6,76 Meter in den Sand, was auch schon für den Sieg gereicht hätte. Aber der „Engel“ erinnerte sich seiner Flügel ... „Ich bin nicht sehr gut in den Wettkampf gekommen, wollte aber im letzten Versuch meine Chance nutzen“, sagte die 25-Jährige aus Oftersheim. Vielleicht kann sie schon bei der Team-EM in Bydgoszcz nächstes Wochenende ihren Weitenrausch fortsetzen, vielleicht auch erst in Doha. „Wir haben die WM langfristig geplant, zum Beispiel ist mein Krafttraining noch nicht ausgereizt“, sagte die WM-Favoritin auf Gold.

Damit liebäugelt auch der andere Kurpfälzer. Eine „schwere Geburt“ nannte auch Andreas Hofmann seine Titelverteidigung. „Ich bin nicht in den Wettkampf reingekommen, hab’ dann alles in den letzten Versuch gelegt. Da sieht man, was passiert, wenn man sich sammelt“, sagte der 27-jährige Kirrlacher, der momentan die Weltjahresbestenliste anführt, und mit 87,07 Metern Julian Weber (25) den Sieg vor der Nase wegschnappte. Der Mainzer führte lange, wollte auch noch mal kontern, sein Speer flog aber im letzten Wurf des Tags „nur“ auf 86,60. „Ich gönne es dem Andi“, sagte Weber, „ich bin mit mir mega zufrieden“. Olympiasieger Thomas Röhler kam mit 82,70 Meter auf Rang drei.

Raphael Holzdeppe pokerte auf seinem Höhenflug hoch und wurde zum zweiten Mal nach 2015 mit 5,76 Meter deutscher Meister. Mit seiner ganzen Erfahrung wendete der Weltmeister von 2013 die Dramatik des Wettbewerbs ins Gute. Die 5,51 Meter sprang er im ersten Versuch, die beiden ersten über 5,71 Meter riss er. Also musste er, um den Meister der beiden letzten Jahre, Bo Kanda Lita Baehre, mit dessen überflogenen 5,71 Meter zu schlagen, tief in die Trickkiste greifen.

Seinen dritten Versuch hob er sich für die 5,76 Meter auf und flog tatsächlich drüber. „Pokern gehört zum Stabhochsprung dazu. Hat Spaß gemacht. Solche Wettkämpfe, in denen man gefordert wird und alles geben muss, mag ich am liebsten“, sagte Holzdeppe, der am Tag der Qualifikation in Doha, am 28. September, 30 wird. „Man hat heute alle Facetten gesehen. Geholfen hat mir, dass ich schon zweimal in solchen Situationen gestanden habe. Aber die Nervosität ist trotzdem immer noch da. Ganz gelassen gehe ich an die Sache nicht ran. Das wäre ja auch fatal“, sagte der gut aufgelegte LAZ’ler, der nach Lisa Ryzih den anderen Stabhochsprung-Titel in die Pfalz und nach Christin Hussong das zweite Gold nach Zweibrücken holte. Die Landauer vom ASV, Oleg Zernikel (5,41 m) und Lamin Krubally (5,21 m) belegten die Plätze vier und neun. Eine vierte Medaille bringt die Hammerwerferin Samantha Borutta (TSG Mutterstadt), die am Mittwoch 19 wird, als Dritte mit 62,40 Meter in die Pfalz.

Ein Jahr nach der Heim-EM in Berlin mit 19 Medaillen warfen bei dieser Standortbestimmung für die WM in Katar manche Topathleten auch Schatten. Christina Schwanitz stieß bei ihrem siebten Titelgewinn die Kugel nur 18,84 Meter weit, Hindernisläuferin Gesa Krause war bei ihrem fünften DM-Sieg mit ihrer Zeit von 9:28,45 Minuten nicht zufrieden, und Mateusz Przybylko, der Hochsprung-Europameister, haderte mit 2,22 Meter bei seinem Sieg.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
03.–04.08.2019 Deutsche Meisterschaften 2019 Berlin (Deutschland)