Bis jetzt passt’s“, sagte jüngst bei einem Interview Till Pallmann von den Wasserportfreunden (Wsf) Zweibrücken im Gespräch vor den offenen Deutschen Kurzbahnmeisterschaften am Wochenende in Essen. Unter dem „passen“ versteht der 16-Jährige, der die elfte Klasse des Helmholtz-Gymnasiums besucht, die Kombination Schule und Leistungssport. Damit diese beiden Rädchen nahtlos ineinander greifen, müssen viele Details stimmen.

Till Pallmann mag nun als Beispiel der zahlreichen Zweibrücker Leistungssportler, die sich unter anderem auch noch in der Leichtathletik beim LAZ Zweibrücken tummeln, herhalten. Muss er doch wie die übrigen Athletinnen und Athleten, in der Schule genauso seine Leistung abrufen wie in seiner Sportart. Dabei genießt er keinerlei Privilegien, wenn man einmal davon absieht, dass ihm zu den Deutschen Meisterschaften freie Tage gewährt werden. Dass im Laufe des Jahres dies sich zu ein paar Wochen summieren kann, bleibt uns weitestgehend verborgen. Vordergründig sehen wir nur die sportlichen Leistungen, die entsprechend von den Verbänden mit der Zugehörigkeit in die einzelnen Kader bewertet werden.

Doch bis es soweit ist, müssen zuvor allerlei Bedingungen erfüllt werden. Zunächst muss einmal das Talent erkannt und von qualifizierten Trainern gefördert werden. Ist die Trainingsstätte, wie bei den LAZLeichtathleten in Zweibrücken, so ist zumindest die zeitliche Belastung etwas geringer. Problematischer wird es schon bei den Schwimmern. Ist der Sprung in den Landeskader gelungen, beginnt unweigerlich die Fahrerei. Unterschiedliche Fahrgemeinschaften setzen sich von Zweibrücken nach Saarbrücken zum Olympiazentrum in Bewegung. Und das täglich. Bis zu einer halben Stunde Fahrzeit, das Gleiche gilt für die Rückreise, muss eingerechnet werden, ehe die Schwimmer das Training aufnehmen können. Das wird zur Gewohnheit, wie etwa bei Till Pallmann, der seit seinem neunten Lebensjahr diese Tortur auf sich nimmt.

Die Belohnung drückt sich in Zeiten bei den Schwimmern oder bei den Leichtathleten in Zeiten, Weiten und Höhen aus. Diese Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. Sie sind der Maßstab dafür, in welche Sphären der jeweilige Sportler national oder international vordringt. Dieser zunächst schleichende zeitliche Prozess weitet sich nach und nach aus.

Dabei kann der Leistungssportler das Pensum Schule und Leistungssport nur schaffen, wenn er sich ganz spezielle Zeitfenster schafft. Der Leistungssportler managt seine Zeit. Dafür gibt es kein Muster. Vordergründig hat er seine festen Schul- und festen Trainingszeiten. Dazwischen muss er es schaffen, seine Hausaufgaben und seine wenigen privaten Termine zu gruppieren. Wobei das Private den geringsten Raum einnimmt. Deshalb sind Zweibrücker Leistungssportler zu bewundern, die diesen Spagat zwischen Beruf (Schule) und ihrem Hobby schaffen. Als weitere Beispiele gelten die DLV-Kaderathleten im Stabhochsprung, Raphael Holzdeppe und Natasha Benner vom LAZ oder auch Till Pallmanns erfolgreicher Bruder Neil, die im Frühjahr ihr Abitur gebaut haben.

Noch gut kann ich mich an die ehemalige deutsche Meisterin im Paarlaufen, Kerstin Kimminus mit ihrem Partner Stefan Pfrengle, in den 80 Jahren erinnern. Jeweils mittags stand die Mutter quasi schon mit laufendem Motor vor der Schule, um die Eiskunstläuferin zum Training nach Mannheim zu fahren. Die Rückkehr erfolgte auch hier erst in den Abendstunden. Die Hausaufgaben wurden im Auto auf der Autobahn gemacht. Auch die Ixheimerin hat die Doppelbelastung gemeistert und nach ihrem Abitur Medizin studiert. In einem Gespräch hat mir Kerstin Kimminus einmal erzählt, dass ihr der Leistungssport im Studium eine wertvolle Hilfe gewesen war. Sie konnte sich auf den Punkt konzentrieren, wie sie dies zuvor in der Schule und im Training schon jahrelang praktiziert hatte.

Im geschilderten Beispiel hat’s gepasst oder es wurde passend gemacht. Wie etwa bei Dennis Walzer. Der Speedskater konnte in Zweibrücken Schule und Leistungssport nicht verwirklichen. Bis zu 78 Fehltage hatten sich schon einmal in einem Schuljahr für Wettkampf und Trainingslager aufgetürmt. Deshalb wechselte er ins Leistungszentrum nach Dresden, wo auf dem Sportgymnasium seinem Sport Rechnung getragen wurde. Auch er hat im Frühjahr sein Abitur abgelegt und bereitet sich auf Vancouver vor.

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Dann können erfolgreich Schule und Sport unter einen Hut gebracht werden. Den Hut ziehe ich vor all denen, die diese Doppelbelastung erfolgreich meistern.