Merkur-Interview mit Josef Scheer, Vorsitzender des LAZ: Westpfalzstadion müsse für Spitzensport taugen

Zweibrücken. Josef Scheer steht seit nunmehr vier Jahren an der Spitze des Leichathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken. Der ehemalige Lehrer des Hofenfels-Gymnasiums sorgt sich um die Zukunft des Sports in Zweibrücken. Merkur-Redakteur Werner Kipper unterhielt sich mit dem 68-Jährigen.

Zweibrücken bezeichnet sich gern als Sportstadt. Unterstreichen Sie das?

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    <dd><strong>Josef Scheer</strong></dd>
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<blockquote><strong>Josef Scheer:</strong> Der Begriff „Sportstadt“ ist nicht definierbar. Er hört sich zwar gut an, verfügt aber über wenig Verbindlichkeiten. Fasst man aber die Sportangebote und die Leistungen beziehungsweise Ergebnisse zusammen, ist das Sportangebot für Jung und Alt in Zweibrücken sehr gut. Bemerkenswert ist auch die zentrale Lage der Sportstätten in Zweibrücken: Gestüt, Allee, Kleiner Exe, Rennwiese, Stadion, Schwimmbäder, Dieter-Kruber-Halle, Tennisplätze, Rosenweg und so weiter. Dazu die Angebote eines Kongresszentrums, verschiedene Hotels und Freizeitanlagen. Diese gewachsene Lage muss aber von Politik und Sport erkannt werden und entsprechend vermarktet werden. Ohne Konzeption und Strategie ist dies ein Flickenteppich.</blockquote>

Zweibrücken hat eine Vielzahl von Sportstätten. Sind Sie ausreichend?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Die Anzahl der Sportstätten reicht mit Sicherheit aus, mit Ausnahme der Sporthalle auf dem FH-Gelände, die vielfach genutzt wurde, nun marode ist. Doch nicht allein die Quantität der Sportstätten gibt den Ausschlag, sondern die Qualität, die in Zweibrücken Wünsche offen lässt. Ein Bundesstützpunkt, ein Landesstützpunkt, ein Teil des Olympiastützpunktes sollte bereits am Ambiente erkennbar sein – daran arbeiten wir. Im Westpfalzstadion trainieren junge Leute mit Perspektive.</blockquote>

Welchen Stellenwert hat der Sport in der Zweibrücker Verwaltung?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Die zahllosen Kontakte mit der Verwaltung in Zweibrücken verlaufen aus meiner Sicht, für meinen Verein sehr gut. Man findet immer Gehör und spontane Hilfe im „Sportamt“, leider vermisse ich in der Stadtspitze den Funken, der zur „Sportstadt“ Zweibrücken gehörte. Hier verzichtet man leichtsinnig auf die unendlichen und kostenlosen Werbungen für die Stadt. Ich betone aber, dass ich in alle meine Antworten all die „kleinen Vereine“ einbeziehe, die unersetzliche Angebote an viele Kinder, junge Menschen und Erwachsene machen – Hut ab vor diesen Leistungen.</blockquote>

Wann waren Sie zum letzten Mal im Rathaus, um sich mit der Verwaltung über Ihre Probleme auszutauschen?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Im „Sportamt“ bin ich oft, zuletzt besprachen wir die Organisation des Stadtjungend-Sportfestes. Der Spitze der Verwaltung in Zweibrücken werfe ich vor, dass sie über keinen Zugang zum Sport in Zweibrücken verfügt – siehe auch die dürren und dürftigen Ehrungen für Leistungen des Spitzensports, der Zweibrücken überall bekannt macht. So nennt der DLV das LAZ Zweibrücken im gleichen Atemzug mit Leverkusen, Leipzig und anderen Städten. Ähnlich unsensibel hat sich das Zusammenleben der Bürger und Studenten in Zweibrücken entwickelt.</blockquote>

Würden Sie es begrüßen, wenn sich die Vorsitzenden der maßgeblichen Sportvereine sich in regelmäßigen Abständen zu einem Erfahrungsaustausch träfen?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Wer Verantwortung in Verein und Ehrenamt hat und damit unzählige Stunden für Jugend und Sport in einer Stadt ableistet, sollte sich – ich meine alle Sportvereine und Vereine – an einen runden Tisch setzen, die Verantwortlichen der Stadt aber auch die Verbände dazu einladen. Die Westpfalz ist hier ausgesprochene Diaspora und hat viel nachzuholen. Den Geschäftsführer des Sportbundes Pfalz, Martin Schwarzweller, habe ich zu einem solchen Vorhaben bereits eingeladen und seine spontane Zusage bekommen.</blockquote>

Herrscht noch zu viel Kirchturmpolitik in den Zweibrücker Vereinen?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Leider wirken Konflikte und Erfahrungen der Vergangenheit immer noch nach – obwohl solche für die Zukunft ohne Bedeutung sein werden. In vielen Zweibrücker Vereinen setzen sich junge Menschen durch, gut qualifiziert und weltoffen. Dennoch bewundere ich auch die Traditionsvereine, wie die Vereinigten Bewegungsspieler Zweibrücken, die im nächsten Jahr 110 Jahre alt werden, bei denen ich als Schüler unvergessliche Jahre verbracht habe. Kirchturmpolitik wird angesichts der herrschenden Probleme – demografischer Wandel, Finanzschwäche, Gewalt in der Gesellschaft, Gewalt unter Jugendlichen, Rechtsradikalismus, Integrationsprobleme – das schlechteste aller Mittel sein, um die Zukunft in Zweibrücken zu gestalten.</blockquote>

Welchen Stellenwert messen Sie der Sanierung des Westpfalzstadions bei?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Eine Stadt verfügt über einen besonderen Ausweis. Dazu gehören Ambiente, Grünanlagen, Sporteinrichtungen. Das Westpfalzstadion ist kein solcher Ausweis, es lockt nicht zum Sport treiben. Dürfen Kinder auf einem Hartplatz aus dem letzten Jahrhundert Fußball spielen? Die Zufahrt zur Sporthalle gleicht im Winter und Frühjahr einer Panzerstraße. Wir reden von einer Sportanlage, die für den Spitzensport verschiedener Sportarten taugen soll.</blockquote>

Fürchten Sie um die Zukunft des Sports, insbesondere des Leistungssports, angesichts der demografischen Entwicklung?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Die demografische Entwicklung verläuft nicht linear. Die Westpfalz ist stärker bedroht als das Ruhrgebiet. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass sportlich gesehen die Westpfalz ein weißer Fleck auf der Landkarte werden wird. Ich mache dies am LAZ Zweibrücken fest: Eine Stadt mit stark rückläufiger Bevölkerung ist in der Lage, etwa zehn Kaderathleten zu finden und zu entwickeln, die fast alle „auf dem eigenen Mist“ gewachsen sind. Die Perspektive ist zunehmend. Damit gehört Zweibrücken zu den 20 wichtigsten Städten der Leichtathletik in Deutschland. Ähnliches gilt auch für andere erfolgreiche Sportarten in Zweibrücken. Dazu zähle ich auch den Höhenflug des SVN Zweibrücken und die „Wiedergeburt“ des 1. FCK.</blockquote>

Welche Perspektiven müssen geboten werden?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Jede Investition in die Jugend, Erziehung, Bildung und den Sport ist eine Sicherung unserer Zukunft. Warum diskutiert man da noch über angeblich fehlende 400 000 Euro für die Aktualisierung des Westpfalzstadions, beziehungsweise: Was kostet das Stadtjubiläum?</blockquote>
Der Nachwuchs muss im Westpfalzstadion ein entsprechendes Angebot finden
Dem Nachwuchs müsse im Westpfalzstadion ein entsprechendes Angebot zum Sporttreiben gemacht werden, so Scheer. Foto: pma/voj
SVN Zweibrücken hat im Fußball die Lufthoheit
Der SVN Zweibrücken hat im Fußball die Lufthoheit. Mit dem Ausbau des Westpfalzstadions soll die Chancengleichheit unter den Oberligisten gewahrt werden. Foto: pma/ado