Raphael Holzdeppe vom Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken hat am Freitagabend bei den Olympischen Spielen in London Geschichte geschrieben. Der 22-jährige Stabhochspringer hat sich mit neuer Bestleistung von 5,91 Meter die Bronzemedaille sich in die absolute Weltspitze katapultiert. Der Shootingstar der Olympischen Spiele 2008 von Peking, wo der damals 18-jährige Schüler des Helmholtz-Gymnasiums auf Anhieb Achter mit 5,65 Meter wurde, hat sich in den Annalen der Olympischen Spiele verewigt. Diese Bronzemedaille wird den BWLStudenten an der Fern-Uni von Ansbach zeitlebens auszeichnen. Wie etwa den Olympiasieger von 1992 in Barcelona in der 4000-Meter-Mannschafts-Verfolgung, Andreas Walzer, aus Homburg. „Ein Olympiasieger bleibt ein Olympiasieger“ hat mir kürzlich Vater Bernhard Walzer erklärt.

Holzdeppe, Angehöriger der Bundeswehrfördergruppe in Mainz, war in London für wenige Minuten gar auf Kurs Olympiasieg, als er im ersten Versuch die 5,91 Meter gemeistert hatte. Mit der Bronzemedaille hat der Jüngste im Finale mit seinem Trainer Andrei Tivontchik gleichgezogen, der 1996 in Atlanta mit seinem dritten Platz die letzte Medaille im Stabhochsprung für den Deutschen Leichtathletik-Verband errungen hatte. Der DLV-Trainer der Frauen hat mit dem Zweibrücker in den vergangenen Jahren maßgeblich die Grundlage für diese herausragende Leistung gelegt. Holzdeppe und Tivontchik sind ein kongeniales Gespann, das mit großer Sorgfalt arbeitet. Die beiden zeichnet aus, dass sie eher mit Leistungen als mit Worten auftrumpfen. Sie lassen sich auch nicht durch kleine sportliche Nackenschläge, die der zweifache Junioren-Weltrekordler in der Halle und im Freien mit jeweils 5,80 Meter in den vergangenen vier Jahren erlitten hat, aus dem Konzept bringen. Höhen und Tiefen haben sich bei dem „Rising Star“ (aufgehender Stern) 2008, U 20 Weltmeister und U 23-Europameister 2009 abgewechselt, ohne dass irgendwelche Zweifel an dem talentierten Springer laut geworden sind. Das ist auf diesem hohen Niveau nichts Ungewöhnliches, dass die Leistung einmal stagniert. Schließlich gilt der Stabhochsprung als eine der komplexesten Übungen in der Leichtathletik. Zumal Raphael Holzdeppe immer wieder von kleinen Wehwehchen geplagt worden ist. Sie wurden aber immer sorgfältig und konsequent auskuriert. Schließlich ist der Körper das Kapital eines jeden Leistungssportlers.

Das war auch in dieser Sommersaison der Fall, in welcher der Hallen-WM-Teilnehmer von Istanbul nur schleppend in Gang kam. Eine Oberschenkelverletzung hat ihn im April noch in seiner Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Deshalb war die Olympia-Qualifikation ein Tanz auf der Rasierklinge, nachdem er ohne Norm mit 5,52 Meter zu den Deutschen Meisterschaften Mitte Juni in Bochum angereist war. Ab diesem Zeitpunkt war Raphael Holzdeppe auf die Minute topfit. Als DM-Zweiter mit Saisonbestleistung von 5,77 Meter schaffte er zunächst die Quali für die EM in Helsinki. Hier sicherte er sich mit der Bronzemedaille mit der gleichen Höhe die Fahrkarte zu den Olympischen Spiele in London.

Raphael Holzdeppe, einst Turner bei der VT Zweibrücken, wurde beim LAZ-Talent-Cup vom verstorbenen LAZ-Vorsitzenden Professor Dieter Kruber entdeckt und gefördert. Er gilt bei seinen Vereinskameraden wegen seiner Coolness als Vorbild. Auch am Freitagabend zeigte der 22-jährige „Überflieger“, wie er vom ARD-Kommentator genannt wurde, vor 80 000 Zuschauern im Olympiastadion und vor einem Millionen-Publikum an den Fernsehschirmen keinen ersichtlichen Anflug von Nervosität. Er suchte allerdings nach jedem Sprung den Kontakt zu seinem Heimtrainer Tivontchik. Seine ganze Freude entlud sich, als ihm die Bronzemedaille sicher war, und er von seinem Eltern Rita und Dieter Holzdeppe und seinem Trainer geherzt und beglückwünscht wurde. Dann posierte er mit Björn Otto und der Deutschlandfahne und kostete seinen Triumph aus.

Die Artikel über die sportlichen Erfolge von Raphael Holzdeppe füllen einen Ordner.
Die Artikel über die sportlichen Erfolge von Raphael Holzdeppe füllen einen Ordner. Foto: fabi

Raphael Holzdeppe hat als Sportler in London einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, hat nachhaltig für seine Heimatstadt Zweibrücken und seinen Verein geworben. Raphael Holzdeppe hat gezeigt, dass er nur beim Springen die Bodenhaftung verliert. Dieses Privileg darf er weiter nach Belieben in Anspruch nehmen. Zumindest was die Anlaufgeschwindigkeit betrifft, wird er schon heute mit dem legendären Sergej Bubka verglichen, dessen Weltrekord bei 6,14 Meter steht. Dem 22-jährigen Raphael Holzdeppe gehört die Zukunft. Olympia 2016 in Rio kann kommen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
25.07.–12.08.2012 Olympische Sommerspiele 2012 London (England)
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)