Die Leistungssport-Reform ist da und erntet Zustimmung, aber auch kritische Töne. Die angestrebte Konzentration von Spitzensportlern an weniger Stützpunkten wird unterstützt – auch aus Saarbrücken.

Saarbrücken. Die frühere Weltklasse-Schwimmerin Franziska van Almsick hat die im Entwurf zur Reform der Leistungssportförderung angeregte Stützpunkt-Konzentration begrüßt. „Es ist wichtig, dass die besten Athleten miteinander trainieren und voneinander profitieren können“, sagte die 38-Jährige bei der von der Deutschen Sporthilfe organisierten Veranstaltung „Champion des Jahres“ im spanischen Playa Granada: „Man muss die Konkurrenz im eigenen Land schlagen und sich ihr jeden Tag stellen. Wer den Druck im eigenen Land nicht aushält, der hält den auch bei den Olympischen Spiele nicht aus.“

Die am Mittwoch in Berlin vorgestellte Reform sieht unter anderem vor, dass potenzialorientierter gefördert werden soll. Zudem sollen die Olympiastützpunkte (OSP) von 19 auf 13 reduziert werden, etwa 20 Prozent der Bundesstützpunkte sollen wegfallen. Der Verantwortliche des OSP RheinlandPfalz/Saarland sieht das positiv. „Die bessere Konzentration auf Standorte ist gut. Für die Details müssen wir zunächst abwarten“, sagte Stützpunktleiter Steffen Oberst gestern.

Für seinen eigenen Standort in Saarbrücken werde die Reduzierung keine Auswirkung haben. „Wir sind bereits ein länderübergreifender OSP, der gut funktioniert. Intern werden wir trotzdem weiter prüfen, wie wir uns verändern können“, erklärte Oberst. Zuvor hatte bereits Frankfurts Leiter Werner Schäfer die „sehr gute“ Zusammenarbeit zwischen den Stützpunkten in Hessen sowie Rheinland-Pfalz und Saarland gelobt.

Die Reform sieht zudem vor, dass potenzialorientierter gefördert werden soll. So sollen Sportler und Disziplinen mit hohen Medaillenchancen deutlich stärker unterstützt werden. Fehlt dagegen eine Perspektive, können ganze Disziplinen durch das Raster fallen. „Das ist ein guter Weg, den man mal einschlagen sollte“, sagte Eric Frenzel, Olympiasieger in der Nordischen Kombination: „Somit haben schon Nachwuchssportler die Möglichkeit, eine gute Förderung zu bekommen und in Zukunft schon eher Medaillen sammeln zu können.“ Auch der Olympia-Dritte im Ringen, Denis Kudla, sieht die Idee positiv: „Es ist ein Ansporn für die Sportler, mehr Gas zu geben.“

Zwischen die Zustimmung mischen sich aber auch kritische Äußerungen. „Wenn nur noch Medaillen zählen, ist das natürlich Quatsch – dann können normale Sportler kaum noch überleben. Mehr noch: Viele Disziplinen in der Leichtathletik würden komplett zugrunde gehen“, sagte Michael Schrader, Zehnkampf-Vizeweltmeister von 2013: „In Deutschland herrschen im Sport Vorstellungen, die nicht realisierbar sind, zumal weltweit im Anti-Doping-Kampf extreme Unterschiede herrschen. Medaillen bei Olympia zu gewinnen, ist in vielen Disziplinen gar nicht möglich.“

Für van Almsick ist die Nachwuchsförderung eines der zentralen Themen. „Es ist zu kurz gedacht, nur die zu fördern, die ein bestimmtes Potenzial haben. Es geht gar nicht immer um die Athleten, die schon oben sind. Sondern um die Frage, was kommt unten nach. Und das ist reichlich wenig“, mahnte sie. So gebe es in vielen Sportarten wie im Schwimmen und Eisschnelllauf kaum Nachwuchs. Auch deshalb müsste der Sport von Seiten der Politik eine größere Bedeutung bekommen.