Tallinn. Die Sprintkönigin der U23-Europameisterschaften von Tallinn heißt Rebekka Haase. Nach Gold über 100 und 200 Meter führte sie am gestrigen Schlusstag das deutsche Staffelquartett in 43,37 Sekunden zum EM-Titel. „Für mich wird ein Traum wahr. Ich bin so oft in den vergangenen Jahren auf die Schnauze gefallen. Aber ich bin immer wieder aufgestanden“, sagte die 22-Jährige vom LV Erzgebirge.

Für Sina Mayer blieb in Tallinn nur die Zuschauerrolle. Die Sprinterin vom LAZ Zweibrücken kam über 4x100 Meter nicht zum Einsatz. „Ich wäre sehr gern hier gelaufen, nehme aber auch ohne Einsatz eine Menge Erfahrung von dieser Meisterschaft mit“, sagte Mayer. Zum siegreichen Frauen-„Vierer“ zählte auch die Mannheimerin Alexandra Burghardt, die am Freitag Einzel-Silber gewonnen hatte. Ihr Team-Kamerad Patrick Domogala kam in der Männer-Staffel aufgrund einer Leistenverletzung nicht zum Einsatz. Wahrscheinlich muss der Mannheimer die Saison beenden und sich operieren lassen.

In einem ganz engen Finale hat sich Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) mit dem Weitsprungtitel gekrönt. Die Studentin aus Oftersheim setzte sich mit 6,73 Metern durch. Die Top fünf trennten nur neun Zentimeter.

Die international stärkste Leistung der vier Tage ging aufs Konto einer Herschbergerin: Speerwerferin Christin Hussong mit ihrer fabelhaften Steigerung auf 65,60 Meter. Insgesamt gewann das deutsche Team 16 Medaillen (7-4-5) und lag in der Nationenwertung wie im Medaillenspiegel vorn. „Wir haben viele Athleten gesehen, die zum Kernteam der deutschen Mannschaft bei der Heim-EM 2018 in Berlin gehören werden“, zog der deutsche Cheftrainer Idriss Gonschinska eine positive Bilanz.

So lange wie keine andere deutsche Einzelstarterin musste die in Landau geborene Hanna Klein auf ihren Start in Tallinn warten. Da die Vorläufe über 1500 Meter ausfielen, ging es für die Läuferin der SG Schorndorf erst am Sonntagnachmittag zur Sache – aber dann richtig. An der Spitze entwickelte sich ein schnelles Rennen, das die serbische Titelverteidigerin mit Landesund Meisterschaftsrekord(4:04,77min) für sich entschied. Hanna Klein kämpfte im Feld bis zum Zielstrich, fing die Russin Yekaterina Sokolova noch ab und wurde in 4:16,01 Minuten Achte.

Im Ziel wusste sie nicht, wie sie dieses Ergebnis einordnen sollte: „Vielleicht wäre ein Vorlauf doch gut gewesen. Man scharrt nach fünf Tagen schon ziemlich mit den Hufen.“ Mit dem Rennverlauf war sie nicht hundertprozentig glücklich. „Nach etwas mehr als zwei Runden hat bei mir die Kraft nachgelassen. Da konnte ich nicht mehr mitgehen“, sagte die 22-Jährige. Hinter Siegerin Terzic gingen die Medaillen an Sofia Ennaoui (Polen; 4:04,90 min) und die Ukrainerin Nataliya Pryshchepa (4:06,29 min). Beide liefen Bestzeiten. In solche Leistungsbereiche wird es für Klein noch nicht so schnell gehen. Doch eine Entwicklung „Richtung 4:10 Minuten“ traut sie sich noch in diesem Jahr zu.

Schon seit Jahren zur Weltspitze in den Junioren-Klassen zählt Shanice Craft. Die Diskuswerferin von der MTG Mannheim behielt gestern im „ewigen“ Duell mit ihrer Dauerrivalin Anna Rüh (SC Neubrandenburg) die Oberhand. Gerade als die letzten Töne der Nationalhymne für 200-MeterSiegerin Rebekka Haase verklungen waren, warf die Mannheimerin die Ein-Kilo-Scheibe im vierten Versuch auf 62,89 Meter und legte im sechsten sogar noch 63,83 Meter nach. „Die Hymne habe ich natürlich mitbekommen, sie hat mich noch einmal gepusht“, sagte die neue U23-Europameisterin.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
09.–12.07.2015 U23-Europameisterschaften 2015 Tallinn (Estland)