Zweibrücker Sportstätten zeichnen eine gewisse Einzigartigkeit aus, um die sie von Städten gleicher Größenordnung beneidet werden. Zu einer dieser Sportstätten zählt zweifellos die Rennwiese. Quasi mit dem Wachsen des Grases im Frühjahr werden die Aktivitäten in der „grünen Lunge“, wie sie anerkennend genannt wird, gesteigert. Die Rennwiese ist schon ein Kleinod Zweibrückens. Das auch eine gewisse Akzeptanz genießt.

Das hat nicht nur der Vorsitzende des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken, Josef Scheer, erkannt, als er das Treiben auf der Rennwiese bei seinem Gang ins Westpfalzstadion zum Hochsprung-Cup im vergangenen Jahr beobachtete. Doch imponierten ihm nicht nur die Aktivitäten der Reiter, sondern auch die Akzeptanz durch die Spaziergänger, die an diesem frühen Morgen aufmerksam die sportlichen Abläufe beobachteten.

Umso enttäuschter war er, als er im Westpfalzstadion die geringe Resonanz der Zuschauer bei dem Springen der deutschen Hochsprungelite verglich. Doch weiß der LAZ-Vorsitzende, dass Birnen nicht mit Äpfeln verglichen werden können. Die Reiterei in Zweibrücken, ob nun im Landgestüt oder auf der Rennwiese, hat in Zweibrücken Tradition. Nicht umsonst ist das Pferd ein Bestandteil des Stadtwappens. Wird Zweibrücken unter anderem als Stadt der Rosse symbolisiert.

Da hat die Leichtathletik im Vergleich mit den Pferden noch einen großen Nachholbedarf. Steckt der Leistungssport in dieser Sportart quasi noch in den Kinderschuhen. Denn erst vor etwas mehr als 20 Jahren hat der verstorbene Professor Dieter Kruber die Leichtathletik in Zweibrücken als Leistungssport aus der Taufe gehoben. Die Erfolge sind nicht ausgeblieben, national wie international. Nicht umsonst ist Zweibrücken Bundesleistungszentrum und ist Stützpunkt des Olympiazentrums Rheinland-Pfalz/Saarland in Saarbrücken.

Doch im Vergleich mit den jährlichen, traditionellen Aktivitäten rund ums Pferd bei den Reitturnieren und den Renntagen wie am kommenden Sonntag, ist die Leichtathletik noch ein zartes Pflänzchen. Das muss noch gehegt und gepflegt werden, hat noch nicht den Status erlangt. Wohl bei Insidern, aber scheinbar noch nicht in der breiten Masse der Öffentlichkeit. Auch was das Sponsoring betrifft.

Da blicken die vom Publikum keineswegs verwöhnten Leichtathleten sicherlich etwas neidisch auf die Rennwiese. Pilgern doch zu den Renntagen oder auch zum Grasbahnrennen immer rund annähernd 3000 Zuschauer. Stilisieren diese Veranstaltungen im Neuhochdeutschen zu einem Event. Die jeweiligen Vereine, ob nun der Pfälzische Rennverein Zweibrücken oder der Motorsportclub Zweibrücken können sich auf etwas im Laufe von Jahrzehnten Gewachsenes stützen. Die beiden Pferderenntage und das Grasbahnrennen auf der Rennwiese haben Tradition. Tradition, die allerdings auch irgendwo ihre Ursprünge hatte.

Da ist die Zuschauerresonanz ein guter Indikator, welche Akzeptanz eine Veranstaltung in der Bevölkerung genießt. Dabei hat Zweibrücken einen festen Platz im Kalender, wird sorgsam darauf geachtet, dass zumindest im näheren Umfeld keine Konkurrenzveranstaltung stattfindet. Hier haben es die Reiter und auch die Motorsportler leichter, mit ihren Trümpfen zu wuchern. Sind doch bei den Renntagen genauso exponierte Reiter in Zweibrücken anzutreffen, wie die internationale Elite an Welt- und Europameistern bei den Motorsportlern.

Nun kommen wir wieder zur Einzigartigkeit des Veranstaltungsortes, der Rennwiese, zurück. Denn die Renntage und auch das Grasbahnrennen können nicht an einem x-beliebigen Ort veranstaltet werden. An die Örtlichkeit werden bestimmte Voraussetzungen durch die Rennkommissare geknüpft. Hier kann Zweibrücken mit seinen Trümpfen wuchern.

Zweifellos ist auch das Westpfalzstadion oder der Kleine Exe ein Zweibrücker Trumpf. Doch ist dieser austauschbar. Hier genießt die Rennwiese ein Alleinstellungsmerkmal, an dessen Grundfesten nur schwer zu rütteln ist. Zweibrücken ist ein Inbegriff für Reiterei, ganz gleich in welcher Form, und für Motorsport. Da muss sich die Leichtathletik, trotz jüngster internationaler Erfolge, in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit und auch der Sponsoren noch etwas hinten anstellen. Allerdings hat sie es geschafft, Zweibrücken noch ein weiteres Standbein zu schaffen.