Jockgrim. Eine Stabhochsprung-Flugshow vom Feinsten vor 3500 Zuschauern: Der 21 Jahre alte Kanadier Shawn Barber nahm gestern Abend mit 5,83 Meter den Siegercup der RHEINPFALZ aus Jockgrim mit nach Hause. Den Frauenwettbewerb gewann die Kubanerin Yarisley Silva mit 4,72 Meter. Eine Riesenfete in einer lauen Sommernacht.

Keiner springt solche Stäbe wie Shawn Barber. 5,38 Meter messen sie an Länge, sie sind eine Sonderanfertigung. Der Kanadier ist der Aufsteiger der Saison. Ein Rotschopf, abgeklärt, cool. Er ist der Herausforderer von Olympiasieger Renaud Lavillenie und Weltmeister Raphael Holzdeppe bei der WM in Peking.

Männer-Stabhochsprung im Stadion an der Ludwigsstadion – das ist wie 19 Tore im Fußball, so viele gültige Versuche lieferten die zehn Springer ab, jeder wurde bejubelt. Links auf der Tribüne und rechts auf dem Rasen die Zuschauer, außen herum ein bisschen Disco und mittendrin der Anlaufkanal. In einer 30er Zone würden die Springer geblitzt werden. Mit der sinkenden Sonne ging auch der Gegenwind irgendwie unter – beste Voraussetzungen also, die Stimmung einzigartig.

Und dann dieser Zweikampf: Barber gegen Weltmeister Raphael Holzdeppe, der bei seiner Generalprobe auf die WM in zweieinhalb Wochen in Peking bei 5,70 Meter einstieg. Mutig, mutig. Oder einfach nur selbstbewusst? Er schaffte die Höhe im dritten Versuch – knapp aber doch gekonnt. Die Fans tobten. Und die 5,77 Meter? Auch die im dritten Versuch, einfach sensationell. Das hielt keinen mehr auf den Sitzen. Und La Ola schwappte durchs Stadion. Und die 5,83 Meter? Auch die im dritten Versuch. Unglaublich. Am Ende war er höhengleich hervorragender Zweiter. An 5,93 Meter scheiterten beide.

Es gibt nur einen, der Martina Strutz das „Sprungluder“ nennen darf, das ist der quirlige Michael Werling, die Stimme des Meetings. Wer der Vizeweltmeisterin von 2011 gestern zugeschaut hat, weiß Werlings „Kosenamen“ richtig einzuordnen. Die „Strutzi“ hat ja so viel Power, gibt nie auf, stemmt sich unerschrocken gegen den Gegenwind, am liebsten, wenn Tina Turners „You’re simply the best“ dazu läuft. Da steht man auch schon mal auf in Jockgrim und klatscht mit. Sie ist für solch ein Meeting, das von den Frauen eröffnet wurde, wie geschaffen. „Naja, der Gegenwind, die ein oder andere Bö waren nicht schön, aber wir können damit schon umgehen“, meinte sie nach ihrem ersten Schluck Volksfestbier.

„Strutzi“ schlug den Gegenwind am zweitbesten. 4,47 im zweiten, 4,57 Meter im dritten Versuch und Platz zwei, da hatte sie nichts zu meckern. „Die Höhe ist völlig okay, die Form muss ja erst in Peking richtig gut sein“, meinte die 33 Jahre alte Schwerinerin, die in zwölf Tage nach China fliegt. Zusammen mit Lisa Ryzih und Silke Spiegelburg, die gestern beide absagen mussten. Die Pfälzerin Ryzih hat bei ihrem Stabbruch am Sonntag eine leichte Kapselverletzung am echten Daumen erlitten, ihr Start in Peking ist aber, so sagte gestern ihr Vater Wladimir, nicht gefährdet.

Natürlich gehörten auch Yarisley Silva Rodriguez die Sympathien des Publikums. Wer zweimal Stadionrekord springt (4,67m und 4,72 m), wer die eigene, drei Tage alte Weltjahresbestleistung von 4,91 Meter um einen Zentimeter steigern will, der hat schon was drauf. Martina Strutz meinte sehr sicher: „Sie ist in Peking nicht zu schlagen“. Und die 28 Jahre alte Kubanerin, amtierende Hallenweltmeisterin und Olympiazweite von London, gab den Zuschauern zurück, was sie von ihnen bekommen hat. Dafür reicht manchmal nur ein Wort. „Danke“, sagte sie übers Mikro. Danke Jockgrim für einen so schönen Abend.

Seine Flugshow endete bei 5,83 – das reichte zum Sieg: Shawn Barber.
Seine Flugshow endete bei 5,83 – das reichte zum Sieg: Shawn Barber. Foto: Iversen
Bedankte sich beim Publikum: Frauen-Siegerin Yarisley Silva Rodriguez aus Kuba.
Bedankte sich beim Publikum: Frauen-Siegerin Yarisley Silva Rodriguez aus Kuba. Foto: Iversen

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
04.–05.08.2015 Stabhochsprung-Meeting Jockgrim 2015 Jockgrim (Deutschland)