Der Wille, den Journalisten alles so leicht wie möglich zu machen, ist unverkennbar. Wer ein bisschen an seinen eigenen Ansprüchen schraubt, und zwar weg von den 100 Prozent, wer ein „Obregado“, ein Danke, auf den Lippen hat, wer lachen und lächeln kann, dem öffnen sich Tür und Tor.

Wer kennt den Spruch „Dellerle un Werschtl druff“? Den sagte meine Mutter immer zu mir als Kind, wenn ich alles gleich und ohne Wenn und Aber haben wollte. Das funktioniert in Rio, in Südamerika, natürlich nicht.

Die Volunteers sind uns eine große Stütze, auch wenn einige immer noch nicht verstehen, worum es geht. Schieben wir es auf die berühmte Sprachbarriere. Es gibt ganz viele, die entweder Deutsche sind oder Deutsch sprechen und einen gezielt anreden. Die 18-jährige Barbara Hammes Marquez zum Beispiel, die mich in der Mixed Zone beim Tischtennis anhielt. „Ich will in Deutschland studieren. Ich mag Deutschland...“ Ups, dann war das Gespräch auch schon vorbei, ihre Managerin verbot Barbara, mir ein Interview zu geben. Warum? „Weil das unsere Regeln sind“, sagte sie barsch. Okay, ist gut, dachte ich. Ich will ja nicht, dass wegen mir die Spiele abgebrochen werden müssen.

Beim Beachvolleyball kam Zita Zengerling auf mich zu, 21 und aus Diez. Ob ich das kenne? Ja klar, meinte ich. „Ich habe mich freiwillig gemeldet, ich wollte immer schon mal das tun“, sagte sie und blühte in ihrer Aufgabe auf. Ihre Managerin ließ sie gewähren. Beim Beachvolleyball geht’s halt auch hinten den Kulissen am lockersten zu.

Mirko Quast hat Bernhard Kunz sozusagen als Gesprächspartner an Land gezogen. Ich hatte meinen Kumpel gebeten, ein Bild von dem Computer zu machen, der all überall in den Pressezentren einer jeder Wettkampfstätte steht, übrigens mit Drucker! Und auch auf meinem Laptop lässt sich das geniale Programm „myinfo.rio2016.com“ abrufen. Es ist einzigartig gut. Perfekt und übersichtlich aufgebaut, topaktuell. Nach Sportarten oder Tagen geordnet, der Medaillenspiegel zeigt schlagartig, wie Deutschland mit zwei Goldmedaillen im Rudern nach oben „schoss“, Biografien, Rekorde und sogar das Wetter sind abrufbar. Und dieses Bildschirmformat. Irre!

Wir kamen mit Mirko Quast ins Gespräch. Er hörte gleich, dass wir Pfälzer sind. Seine Oma, Wiltrud Schneider, lebt in Winnweiler, er selbst ist Trierer, der gerade in Salzburg seinen Master in BWL macht. „Ich bin seit 2. Juli in Brasilien und habe vor den Spielen das Land erkundet. Meine Reise hat mich entlang der Atlantikküste von Rio bis nach Fortaleza und weiter bis zum Amazonas geführt“, erzählte er. Er habe schon viele Volunteereinsätze gehabt, aber noch nie einen so weit weg von der Heimat.

„Wir bekommen viel hinter den Kulissen mit und lernen jeden Tag aufs Neue interessante Menschen kennen“, sagte er, dann war sein Engagement im Hauptpressezentrum auch schon beendet. Es war ihm zu langweilig dort. Später schrieb er mir, dass er in die Handballarena wechselte, weil er da näher an Fans, Spielern und Stimmung sei. Am interessantesten aber schien mir diese Aussage, die ich, soweit ich das beurteilen kann, unterschreiben möchte: „Das Land und die Leute sind wunderbar und ich kann wenig von den zum Teil negativen Berichten im Vorfeld bestätigen.“

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)