Ulm. Dann kam er doch noch, der große Regen und trübte das tolle Meisterschaftswochenende von Ulm. Für 30 Minuten. Als der Held in den Ring schritt, war aber alles wieder gut: Diskuswerfer Robert Harting mit 66,67 Meter setzte einen prima Schlusspunkt unter die deutschen Titelkämpfe.

Angesichts des nassen Rings und der klaren Führung verzichtete er auf seinen beiden letzten Versuche: „Warum sollte ich das Risiko noch eingehen?“, fragte er. Die Leute klatschten. Die 15.000 Zuschauer waren auch so mehr als zufrieden. Sie sahen in der letzten, wieder trockenen Stunde ein furioses, fürs Fernsehen gemachtes Finale. Etwa mit dem rasanten 400-Meter-Spurt nach verbummelten 1100 Metern, den der Jahresbeste Timo Benitz (3:57,5) im 1500-Meter-Prestigeduell gegen Homiyu Tesfaye gewann. Oder: Die Sprint-Schlappe des siebenfachen Meisters Arne Gabius über 5000 Meer gegen Richard Ringer. Oder der Zweikampf im Weitsprung, der bei 6,66 Meter unentschieden ausging, Melanie Bauschke aber aufgrund des besseren zweiten Versuchs (6,59 zu 6,50) Sosthene Moguenara Gold wegschnappte.

Einen Start-Ziel-Sieg brachte Dennis Krüger (1:48,91 min) in einem taktisch geprägten 800-Meter-Rennen auf die Bahn. Patrick Zwicker aus Offenbach (LC Rehlingen, 1:49,60) und Patrick Schoenball (ABC Ludwigshafen, 1:51,52) belegten die Plätze vier und neun. „Es war sehr schwer. Ich war nur eingekesselt, es gab viele Ellenbogen, ich habe auch ausgeteilt. Das ganze Wochenende und die Positionskämpfe kosteten zu viel Kraft“, erklärte Zwicker seine Probleme.

Es gab weitere Enttäuschungen. Zwar holte Hammerwerfer Markus Esser seinen achten DM-Titel, aber seine 75,18 Meter reichen kaum für ein Ticket für Zürich. Das hat zwar Malte Mohr in der Tasche, aber der Stabhochspringer lieferte einen Salto Nullo bei 5,30 Meter ab. Und Björn Otto und Raphael Holzdeppe fehlten ohnehin. So kann es gehen, so gibt es auch mal ein schwächeres Jahr in einer deutschen Top-Disziplin. Es siegte der deutsche Jahresbeste Tobias Scherbarth (5,60 Meter) vor Marvin Caspari (5,40). Daniel Clemens (LAZ Zweibrücken) griff in einem verrückten Wettkampf Bronze ab. Der 22-Jährige

„Es waren Scheißbedingungen, die Medaille ist ein Trostpflaster“ Daniel Clemens

sprang die 5,30 Meter als einziger im ersten Versuch, riss dreimal die 5,40 Meter (fast alle anderen Konkurrenten aber auch) und fand sich plötzlich, als der große Regen einsetzte und nur noch zwei Springer dabei waren, auf dem Bronzeplatz wieder.

Bronze holte auch seine LAZ-Teamkollegin Christin Hussong – ihre erste Medaille bei den Frauen, bei der zweiten DM-Teilnahme nach 2011 in Kassel (6.). Die 20-Jährige aus Herschberg steigerte sich beim Speerwurf im letzten Versuch auf ihre zweitbeste Karriereweite von 60,45 Meter und kam hinter Linda Stahl (63,55 m) und Katharina Molitor (63,40 m) auf den dritten Platz. Dieses Trio wird auch an der EM in Zürich teilnehmen. „Ich hatte mir 60 Meter vorgenommen, habe mich durchgekämpft, weil ich mit den Windverhältnissen nicht zurechtgekommen bin“, sagte die Zweibrücker Athletin. „Ich bin aber super zufrieden, meine Bestleistung hebe ich mir für Zürich auf.“ Und grinste. „Ich denke, wenn die ersten beiden über 63 werfen, war es ein echt guter Wettkampf“, sagte Linda Stahl.

Spannend war er jedenfalls. Wie auch die 400-Meter-Hürden der Männer, wo Varg Königsmark (22) in 49,40 Sekunden vom ein Jahr jüngeren Felix Franz (49,34) noch auf der Ziellinie abgefangen wurde. Oder das Finale über 3000-Meter-Hindernis, wo sich Antje Möldner-Schmidt und Gesa-Felicitas Krause nicht schenkten. Sieben Hundertstel lag Möldner-Krause vorn bei einer Siegerzeit von 3:39,09.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
25.–27.07.2014 Deutsche Meisterschaften 2014 Ulm (Deutschland)