Die Vize-Weltmeisterschaft von Stabhochspringer Raphael Holzdeppe, der siebte Platz der Handballer des SV 64 Zweibrücken in der Dritten Liga West, der verzweifelte Kampf des Regionalligisten SVN Zweibrücken gegen den Abstieg, die Doppelmeisterschaft des SV Großsteinhausen: All das wäre ohne Trainer nicht möglich gewesen. Sie leiten an, sie leiden mit – und gehen mitunter andere Wege.

Zweibrücken. Per Definition ist ein Trainer (englisch für ausbilden oder dressieren) im Sport eine Person, die Einzelsportler oder eine Mannschaft strategisch, technisch und konditionell anleitet. Der Übungsleiter bestimmt dazu den Trainingsablauf, die Mannschaftsaufstellung und die Taktik im Spiel oder Wettkampf. Bezogen auf die Trainer war im Jahr 2015 in Zweibrücken mächtig was los.

Trainer haben Geduld. Wie Stabhochsprung-Coach Andrei Tivontchik: Nach dem schlechten Jahr 2014 von Raphael Holzdeppe und dessen mühsamen Versuchen, wieder zu alter Stärke zu finden, bremste Tivontchik immer die hohen Erwartungen, war aber zugleich voller Zuversicht: Holzdeppe komme schon wieder in die Gänge. Den behutsamen Aufbau zahlte ihm sein 26-jähriger Schützling zurück. Mit Rantasten an alte Höhen um 5,70/5,80 Meter, mit seinem ersten DM-Gold, zwei neuen Bestmarken (erst 5,92, dann 5,94 Meter) und schließlich der Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft in China.

Trainer leiten an, leiden mit und sind gestresst. Sanel Nuhic, Spielertrainer des Fußball-Bezirksligisten TSC Zweibrücken, hielt es im Rückspiel um den Landesliga-Aufstieg gegen Karadeniz Bad Kreuznach im prall gefüllten Westpfalzstadion kurz vor Ende der Partie trotz 2:0-Führung nicht mehr auf der Bank. Der Coach sprintete raus aus dem Stadion – und kam erst wieder zurück, als der Aufstieg in trockenen Tüchern war.

Trainer finden die richtigen taktischen Kniffe. Wie Björn Hüther vom Verbandsligisten SG Rieschweiler, der mit seiner Mannschaft nach einer schwierigen Saison, in der im Mai erst auf den letzten Drücker der Klassenerhalt gesichert wurde, in der neuen Spielzeit bis Weihnachten eine klasse Hinrunde (Platz zwei) spielte.

Trainer genießen den Erfolg. Wie Andreas Langer vom Doppel-Meister SV Großsteinhausen, der Titelgewinne in der Fußball-A-Klasse und der CKlasse West feierte. Und wie Spielertrainer David Schwartz vom DoppelStadtmeister VB Zweibrücken, dessen Team ab Sommer in der Hinrunde die Bezirksliga vor allem auswärts aufmischte.

Trainer sind manchmal aber auch einfach hilflos. Wie die Übungsleiter, die nach dem Regionalliga-Abstieg des SVN Zweibrücken im Sommer bei dem Klub ganz, kurz oder gar nicht anheuerten. Auf Regionalliga-Coach Guido Hoffmann folgte im Mai Sven Blauth – der noch vor dem Trainingsauftakt wieder absprang, als klar war, dass nicht genug Geld für eine gute Oberliga-Mannschaft da war. Mitte Juli wurde das vorläufige Insolvenzverfahren gegen den Verein eröffnet, Schulden in Höhe von rund 160 000 Euro drücken den Klub. Die verzweifelte Trainersuche danach glich fast einer Posse: Raphaél Laghnej wollte zunächst nicht, Florian di Lella sagte zu und am gleichen Tag noch mal ab. Schließlich setzte sich Sorin Radu auf die SVN-Bank.

Trainer werden gefeuert. Weil es sportlich mit einer schwachen Mannschaft in der Oberliga-Hinrunde nicht lief, entließ SVN-Vorsitzender Richard Denger Radu im Oktober. Für ihn kam dann doch Raphaél Laghnej, der immerhin einen Sieg einfuhr.

Trainer verzweifeln mitunter an ihren Schützlingen oder am Umfeld. Wie Raphaél Laghnej beim SVN, der zur Winterpause Spieler freistellt, die charakterlich nicht mehr ins Team passen. Oder wie Richard Drewniak, Eishockey-Trainer des Regionalligisten EHC Zweibrücken. Der Trainer der „Hornets“ warf nach zweieinhalb erfolgreichen Spielzeiten (2015: Playoff-Halbfinale und Pokalfinale) das Handtuch, weil er keine Lust mehr auf Kompetenzstreitigkeiten mit Verantwortlichen des Vereins hatte.

Trainer bilden erfolgreiche Talente aus. Wie Stefan Bullacher, Tony Hennersdorf und Martin Schwarzwald vom Handballverein SV 64 Zweibrücken. Schwarzwald wird mit den SV 64-Damen Oberliga-Zweiter, die starken B-Jugend-Spielerinnen stoßen zur ersten Mannschaft, Amelie Berger folgt Elisa Burkholder zum Top-Klub Bayer 04 Leverkusen. Hennersdorf spielt mit den B-Jugend-Jungs des SV 64 um die deutsche Meisterschaft mit, schafft mit der A-Jugend den Klassenerhalt in der Bundesliga. Und Stefan Bullacher wird mit den SVHerren Siebter in der Dritten Liga West, seine Ex-Spieler Jerome Müller und Björn Zintel laufen zwischenzeitlich für Zweitligisten auf.

Trainer gehen neue Wege. Martin Schwarzwald verabschiedete sich im Sommer zum Zweitligisten HSG Bensheim/Auerbach, wurde dort CoTrainer und trainiert die Auerbacher A-Jugend-Mädchen in der Bundesliga. Stefan Bullacher macht im kommenden Sommer nach 21 Jahren beim SV 64 Schluss, wird Trainer beim ambitionierten Drittligisten TV Hochdorf. Und Hennersdorf? Der übernimmt Bullachers Platz am Spielfeldrand bei den SV 64-Herren, in Kombination mit der A-Jugend.

Keinen Trainer mehr braucht künftig die Behinderten-Sportgemeinschaft (BSG) Zweibrücken, die sich im 51. Jahr ihres Bestehens auflöste, weil nicht mehr viele Mitglieder da waren und keiner in die Vorstandsverantwortung wollte – schade! Dafür gründete sich mit „Skate’n Fun Saarpfalz“ ein neuer Verein (bisher 30 Mitglieder), der Eislaufinteressierte auf dem Weg zu Pirouetten und Puck ausbilden will. 50 Kinder tummeln sich da in der Laufschule.

Auch zahlreiche auswärtige Trainer waren 2015 zu Gast in der Rosenstadt. Bei vielen, vielen tollen Veranstaltungen im abgelaufenen Jahr wie den zahlreichen Läufen, bei der Pfalzmeisterschaft der U16und U20Leichtathleten im Westpfalzstadion oder bei den süddeutschen Meisterschaften der Voltigierer im Landgestüt, denen das Gestüt wohl auch seinen neuen Status als zusätzlicher Trainingsstützpunkt des Voltigiernachwuchses im Land verdankt. Auf ein Neues 2016!

Wörtlich

Von Bullacher bis Sadig

Prophetisch

„Wenn nicht ein Atomunfall passiert, sind wir durch.“

Stefan Bullacher, Trainer des SV 64 Zweibrücken, nach dem 30:19 in Duisburg am 26. Januar zum Thema Klassenerhalt in der Dritten Liga West

Kalorienbewusst

„Ich bin ein Beispiel dafür, dass Schokolade glücklich macht, und nicht dick.“

Andreas Nickenig, Läufer der VT Zweibrücken und (inzwischen (Ex-)Geschäftsführer des Schokolade-Herstellers Wawi, als Gast bei der RHEINPFALZ-Sportlerwahl

Hellseherisch

„Sehr sicher klappt das mit Olympia 2020.“

Fahad Sadig, Nachwuchs-Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken, bei der Feier zur 25. RHEINPFALZ-Sportlerwahl im Februar

Unausgelastet

„Ich wäre am liebsten noch bei den Jungs mitgesprungen.“

Anna Felzmann, Stabhochspringerin des LAZ, nach ihren 4,32 m beim HimmelsstürmerCup und der noch nicht erreichten Universiade-Norm (4,40 m)

Unwissend

„Schon mit zwölf Jahren kam er in Zweibrücken zum Stabhochsprung. Nun gut, was soll man in Zweibrücken auch sonst machen? Handball spielen?“

ZDF-Reporter Wolf-Dieter Poschmann, während des WM-Finales im August in Peking.

Köpfe des Zweibrücker Sports

Stefan Bullacher sagt nach 21 Jahren „Servus“ als SV 64-Trainer

Stefan Bullacher kündigt im Dezember an, dass er zum Saisonende nach 21 Jahren als Herrentrainer den derzeitigen Drittligisten SV 64 Zweibrücken verlässt. Der 47-Jährige hat in zwei Dekaden maßgeblichdieNachwuchsarbeitdesSV64 geprägt, mehrere Jugend- und Junioren-Nationalspieler entwickelt. Ab Sommer 2016 sitzt er beim vorderpfälzischen Klub TV Hochdorf auf der Trainerbank. (sai)

Insolvenzverwalter Jürgen Roth hat seit Juli beim SVN das Sagen

Seit der Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens gegen Oberligist SVN Zweibrücken am 16. Juli überwacht Jürgen Roth die Geschicke des Vereins. Zunächst lief der Spielbetrieb mit Roths Segennormal weiter, dann kam der Trainerwechsel von Sorin Radu zu Raphaél Laghnej. Gegen Ende des Jahres deutete Roth an, dass das Oberliga-Team im Februar abgemeldet werden könnte. (sai)

Luca Dobrani spielt Handball unterm US-amerikanischen Sternenbanner

Das kam fast wie angeflogen: Luca Dobrani vom SV 64 spielte im Sommer fürs US-Junioren-Team. Der Stambacher hat über seine Oma amerikanische Wurzeln. Sein Vater hatte nach Olympia 2012 mal beiden Amis angefragt,jetzt luden die Luca zu einem Turnier nach Schweden ein. Fazit: sieben Tore in zwölf Spielen, Nationaltrikot in der Tasche – und mit „Beast“ ein ungewöhnlicher Spitzname. (sai)

Christin Hussong ist 2015 in der Weltspitze angekommen

Speerwerferin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken hat ein tolles Jahr hinter sich: Nach DM-Gold in der U23-Klasse gewinnt die Herschbergerin mit dem Top-Wurf auf 65,60 Meter in Estland auch dieU23-Europameisterschaft. Und setzt bei der WM in Peking als Küken mit dem besten Qualifikationswurf auf die neue Bestweite von 65,92 Meter gleich noch einen drauf: WM-Platz sechs, Hut ab! (sai)

Stabhochspringerin Silke Spiegelburg ist Teilzeit-Zweibrückerin

Zuerst fuhr die ehemalige Leverkusenerin vom neuen Wohnort Stuttgart nur sporadisch, dann je eine Woche im Monat in die Westpfalz, um mit Bundestrainer Andrei Tivontchik zu trainieren und zu alter Formzufinden. Seit diesem Herbst pendelt die 29-Jährige zweimal wöchentlich mit der Bahn nach Zweibrücken – und ist abends wieder zuhause in Stuttgart. (sai/Archivfotos: mml (2), jo, dpa, Sayer)

Monate

Januar

VB Zweibrücken ist Stadtmeister im Hallenfußball – Unbekannte sprühen Graffiti an die LAZ-Halle – Marlene Hüther, Erik Durm und der SV 64 Zweibrücken verteidigen Titel bei 25. RHEINPFALZ-Sportlerwahl.

Februar

114 Polizisten bei Crosslauf-Landesmeisterschaft auf der Rennwiese – Nach 15 Jahren wieder Hallen-Kreismeisterschaft der A-Jugend-Fußballer – 500 Fans beim Debüt des Stabhochsprung-Hallenstürmer-Cups in der LAZ-eigenen Dieter-Kruber-Halle.

März

Landesmeisterschaft Eiskunstlaufen mit 100 Startern in der Eishalle – Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken scheidet im Play-off-Halbfinale gegen SC Bietigheim-Bissingen 1b aus – Handball-B-Jugend des SV 64 Zweibrücken ist Oberliga-Meister.

April

SV 64-Herren gewinnen Saarpokal – DM-Gold mit 4x200-Meter-Staffel und zweimal Einzel-Bronze für Marlene Hüther – SVN beendet beim 1:2 gegen Koblenz 1003-minütige Torflaute – Frühjahrsrenntag mit über 4000 Zuschauern (84 000 Euro Wettumsatz).

Mai

Sven Blauth wird neuer SVN-Trainer, später kommen die Coaches fast im Schnelldurchlauf – SVN kassiert 17. Rückrunden-Niederlage in Regionalliga und steigt in Oberliga ab.

Juni

Kegler der SG Dellfeld/Zweibrücken schaffen Klassenerhalt in der Zweiten Liga Mitte, künftig in der Südstaffel – Himmelsstürmer-Cup im Westpfalzstadion mit 800 Zuschauern – Sommerrenntag auf der Rennwiese mit 4000 Zuschauern und 44 500 Wettumsatz – Sven Blauth wirft als SVNTrainer das Handtuch.

Juli

4000 Zuschauer sehen bei Gluthitze 56. Grasbahnrennen auf der Rennwiese – Felix Drumm 23. der U23-Straßen-DM – SVN in vorläufiger Insolvenz mit rund 160 000 Euro Schulden.

August

Jerome Müller und Björn Zintel mit deutschem U19-Team nur 17. der WM in Russland, Amelie Berger Neunte bei U17-EM – Landesmeisterschaft der Kutschenfahrer auf der Rennwiese – SV 64-Herren verliert im DHB-Pokal bei Zweitligist EHV Aue mit 22:35.

September

Zweibrücker Kletter-Sportlerin Luna Friedrich wird bei der B-Jugend Zehnte der Jugend-Weltmeisterschaft Neuer Rekord: 762 Teilnehmer beim 6. RHEINPFALZ-Firmenlauf.

Oktober

SVN setzt Trainer Sorin Radu vor die Tür, Insolvenzverwalter Jürgen Roth segnet neuen Coach Raphaél Laghnej ab – Rosenlauf der VT Zweibrücken mit 170 Teilnehmern – Stadtverband für Sport feiert 60. Geburtstag – Erster SVN-Saisonsieg mit 1:0 bei Arminia Ludwigshafen nach 364 Tagen Anlauf.

November

Dritter Hügelstürmer-Cross des LAZ mit 250 Läufern und Pfalzmeisterschaft – Radfahrer Felix Drumm 19. der U23-Cross-EM – Jasmin Külbs mit Bundesligist JC Speyer Deutscher Mannschaftsmeister – Stadt ehrt 200 Sportler und verleiht Holzdeppe die neue Ehrensportlerwürde – SchwimmerMarleneHüther,TillPallmannbei Kurzbahn-DM mit Staffel-Gold, Pallmann dazu noch Staffel-Bronze.

Dezember

Wsf-Schwimmerin Marlene Hüther ist bei der Kurzbahn-EM in Israel fürs deutsche Nationalteam im Einsatz – Richard Drewniak tritt als EishockeyTrainer des EHC Zweibrücken zurück.