Trotz schwieriger äußerer Bedingungen überzeugten die Stabhochspringer am Wochenende beim 5. HimmelsstürmerCup des LAZ Zweibrücken mit guten Leistungen und Olympia-Normen. Lokalmatador Raphael Holzdeppe musste dagegen sein Comeback verschieben. Ein zwickender Oberschenkel verhinderte kurzfristig seinen Start beim Heimspiel und bereitet dem Bundestrainer Sorgen.

Zweibrücken. Ein kurzer, banger Blick nach oben, dann wich die Skepsis in Tobias Scherbarths Gesicht einem erleichterten Grinsen: Der Leverkusener schwang sich gestern Nachmittag beim HimmelsstürmerCup des LAZ Zweibrücken trotz schwieriger Bedingungen im zweiten Versuch über 5,70 Meter und hakte damit als erster deutscher Stabhochspringer die Norm für die Olympischen Spiele in Rio ab. Und ganz nebenbei sicherte er sich mit dieser Höhe auch den Sieg bei der mittlerweile fünften Auflage des Meetings. Höhengleicher Zweiter wurde Valentin Lavillenie aus Frankreich, der damit ebenfalls sein Ticket nach Brasilien buchte. Rang drei teilten sich Làzaro Borges und Melker Svard Jacobssen, die beide 5,35m meisterten, dann aber jeweils an der nächsten Höhe scheiterten. Scherbarth war anschließend voll des Lobes für Organisatoren und Zuschauer.

"Ich liebe diese kleinen Meetings bei Stabhochsprung-Vereinen. Und ein riesiges Dankeschön ans Publikum, das mich über die Norm getragen hat. Mit dem Sieg in Zweibrücken habe er sich zudem einen "Lebenstraum erfüllt“, scherzte er. "Ich wäre gerne noch die 5,81m gesprungen, aber die Luft war einfach raus“, entschuldigte sich Scherbarth hinterher bei den Stabhochsprung-Fans im Westpfalzstadion. Nachdem der Tagessieg feststand, verzichtete der 30-Jährige auf seinen letzten Versuch über 5,81m, blickte stattdessen nach vorne auf das kommende Wochenende. Dann werden in Kassel die Deutschen Meisterschaften (18./19. Juni) ausgetragen. Auch dort möchte Scherbarth um den Titel mitspringen. Das nötige Selbstbewusstsein hat er in Zweibrücken getankt: "Ich weiß, dass ich gewinnen kann, das hat mir der Wettkampf heute gezeigt. Jetzt ist die DM mein nächstes, großes Ziel.“

Auf das Comeback von Lokalmatador Raphael Holzdeppe hofften die Zuschauer leider vergeblich. Nach dem Einspringen verzichtete er wegen Problemen mit dem Oberschenkel-Beuger auf seinen Wettkampf, um den DM-Start nicht zu gefährden. "Das ist natürlich super schade. Es tut mir leid, dass ich hier zu Hause nicht springen kann, so ist es manchmal im Sport. Aber ich will mich nicht ernsthaft verletzen“, bat er bei seinen Fans um Verständnis. Nach seiner Verletzungspause sieht sich der Vize-Weltmeister wieder in Trotz schwieriger äußerer Bedingungen überzeugten die Stabhochspringer am Wochenende beim 5. HimmelsstürmerCup des LAZ Zweibrücken mit guten Leistungen und Olympia-Normen. Lokalmatador Raphael Holzdeppe musste dagegen sein Comeback verschieben. Ein zwickender Oberschenkel verhinderte kurzfristig seinen Start beim Heimspiel und bereitet dem Bundestrainer Sorgen. guter Form und hätte sich zum Saison-Einstieg auch die Olympianorm von 5,70 Metern zugetraut. "Wenn ich nächste Woche bei den Deutschen starten kann, werde ich auch gut springen. Um Olympia mache ich mir keine Sorgen.“ Noch fehlt Holzdeppe allerdings die Norm. Bis zum 11. Juli hat er Zeit, die geforderten 5,70 Meter abzuhaken. Dann werden die deutschen Starter nominiert.

Bundestrainer Jörn Elberding ist zuversichtlich, dass sich drei Kandidaten für Rio finden. Scherbarth habe heute den Bann gebrochen und das "Trauerspiel“ beendet. "Mit Florian Gaul und Torben Laidig sind zwei junge Athleten auf einem guten Weg, dazu kommen Hendrik Gruber und Karsten Dilla“, betont Elberding. Seine große Hoffnung ruht allerdings in Holzdeppe. "Wenn ich die Chance habe, Raphael mit nach Rio zu nehmen, dann nehme ich ihn mit. Aber dafür braucht er die 5,70m.“ In seinen Augen ist Holzdeppe ein "absolutes Vorbild“ für die anderen deutschen Stabhochspringer. "Wie er mit seiner Verletzung umgegangen ist, wie er sofort seinen Rehaplan aufgestellt hat und dabei immer positiv geblieben ist, ist einfach phänomenal. Ich bin sicher, dass wir ihn ins Olympia-Team kriegen.“ Genauso positiv wie von seinem Schützling spricht Elberding vom Himmelsstürmer-Cup in Zweibrücken. "Hier wird Stabhochsprung von Fachleuten organisiert und das Optimum für die Springer rausgeholt.“

Einer, der sich gerne vor heimischem Publikum präsentiert hätte, konnte gestern nur auf Krücken über die Anlage humpeln. Pechvogel Daniel Clemens hatte sich am Donnerstag beim Techniktraining verletzt und war somit zum Zuschauen verdammt. Auch die DM wird der 24-jährige Sportsoldat wohl verpassen. "Bei einem Trainingssprung bin ich nicht auf der Matte gelandet, sondern wieder auf dem Anlauf. Jetzt ist der Knöchel dick und auch das Außenband ist lädiert.“ Die genaue Diagnose steht noch aus, ein MRT soll im Laufe der Woche Klarheit bringen.

Bei den Damen fand die Deutsche Hallenmeisterin Silke Spiegelburg zunächst nur schwer in den Wettkampf. Bereits bei der Anfangshöhe von 4,30 Metern musste sie in den zweiten Versuch. 4,40 Meter überquerte sie im Dritten, und auch bei 4,50 Metern fiel die Latte in den ersten beiden Durchgängen. "Ich war ziemlich nervös heute“, verriet sie anschließend. Umso besser war dann der dritte Sprung über 4,50 Meter, mit dem sie als fünfte DLV-Athletin die Norm für die EM in Amsterdam (6. bis 10. Juli) und die Olympischen Spiele abhaken konnte. "Der war richtig gut und gibt Sicherheit und Zuversicht für nächste Woche“, freute sie sich. Nach ihrem "Umbruch“ mit Trainerwechsel nach einer Wadenverletzung sieht sich Spiegelburg auf einem guten Weg. "Hab wieder Spaß am Springen, der Rest kommt von ganz alleine.“ Rang zwei belegte die höhengleiche Annika Roloff (MTV 49 Holzminden), die die Norm bereits vorher in der Tasche hatte und die 4,50 Meter im zweiten Versuch überquerte, bevor sie knapp an der neuen Bestleistung von 4,55 Metern scheiterte. Bei dieser Höhe stieg auch die Weltmeisterin Yarisley Silva in den Wettbewerb ein. Sie sicherte sich letztlich mit 4,65 Metern den Sieg, bevor sie von einem Regenschauer gestoppt wurde und auf weitere Versuche verzichtete. "Der Wettkampf war trotzdem sehr wichtig vor den Olympischen Spielen. Ich bin sehr gerne hier gesprungen“, sagte die Kubanerin anschließend.

Weniger gut verlief der Wettbewerb aus Sicht der beiden Zweibrückerinnen. Kristina Gadschiew, die nach dem Sommer ihre Karriere beendet, landete mit überquerten 4,15 Metern auf dem achten Platz. Anna Felzmann riss drei Mal ihre Einstiegshöhe (4,15m) und blieb ohne gültigen Versuch. "Es ist einfach beschissen gelaufen. Natürlich wollte ich in Zweibrücken was zeigen, da kommt ein Salto nullo einfach blöd“, haderte die 24-Jährige mit ihrer Leistung. Durch das enttäuschende Abschneiden schwinden auch Felzmanns Chancen auf einen Start bei der DM. "Es gibt zwar noch einen minimalen Hoffnungsschimmer, aber ich habe mir schon einen Plan B zurechtgelegt und für den Termin einen anderen Wettkampf rausgesucht. Man darf sich nicht unterkriegen lassen.“

Und so fällt auch das Fazit von Bernhard Brenner, Vorsitzender des LAZ, nach zwei Wettkampftagen ein fast durchweg positiv aus. "Insgesamt sind wir sehr zufrieden. Wir haben’s durchgezogen, auch wenn es wettermäßig nicht immer ganz einfach war.“ Ganz schlimm hatte es die B-Wettbewerbe am Vortag erwischt, die gleich mehrfach wegen starken Regens unterbrochen werden mussten. Hier siegten Lilli Schnitzerling (TSV Bayer 04 Leverkusen) mit 4,20 Metern und Florian Gaul (VfL Sindelfingen) mit 5,40 Metern.

AUF EINEN BLICK

Ergebnisse 5. Himmelsstürmer-Cup des LAZ Zweibrücken:

Elite Frauen:

  1. Yarisley Silva (Kuba) 4,65 Meter; 2. Annika Roloff (MTV 49 Holzminden) 4,50m; 3. Silke Spiegelburg (TSV Bayer 04 Leverkusen) 4,50m; 4. Minna Nikannen (Finnland) 4,40m; 5. Michaela Meijer (Schweden) 4,40m; 6. Wilma Murto (Finnland) 4,30m; 7. Anjuli Knäsche (SG TSV Kronshagen/Kieler TB) 4,30m; 8. Kristina Gadschiew (LAZ Zweibrücken) 4,15m; 9. Anna Felzmann (LAZ Zweibrücken) o.g.V..

Elite Männer:

  1. Tobias Scherbarth (TSV Bayer 04 Leverkusen) 5,70 Meter; 2. Valentin Lavillenie (Frankreich) 5,70m; 3. Làzaro Borges (Kuba) 5,35m; 3. Melker Svard Jacobsson (Schweden) 5,35m; 5. Karsten Dilla (TSV Bayer 04 Leverkusen) 5,35m; 6. Mitch Greeley (Schweiz) 5,20m; 7. Adam Hague (Großbritannien) o.g.V.; 8. Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken) n.a.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
11.–12.06.2016 Himmelsstürmer-Cup 2016 Zweibrücken (Deutschland)