Die Leichtathletik wird sich in absehbarer Zeit verändern, weil sie sich verändern muss. Nicht nur in der Präsentation. Fast 40 Entscheidungen bei Großereignissen, mit vielen Versuchen und Vorkämpfen, passen nicht mehr ins Format, wie es so schön heißt. Die Königsdisziplin muss sich der Zeit, die verdammt schnelllebig ist, und ihrem Publikum anpassen, das sich immer mehr den Unterhaltungsfaktoren unterwirft und immer weniger Zeit für Fakten mitbringt. Ist so, leider! 2014 wurden die Kugelstoßtitel vor dem Ulmer Münster vergeben, 2015 gehen die Weitspringer in die Nürnberger City. Raus aus dem Stadion, hin zu den Menschen. Und die Leichtathletik ist mehr denn je den Fernsehmachern ausgeliefert. Ohne laufende Bilder gibt’s keine Werbung, damit kein Geld und damit weniger Förderung der Athleten. Ist so, leider!

Der Deutsche Leichtathletik-Verband wird im August beim Kongress des Weltverbandes IAAF in Peking neue Ideen mit seinen Anträgen einbringen. Andere Verbände haben andere Ideen. Innovation ist angesagt – und Mut. Zum Beispiel: Bei den abschließenden Läufen im Mehrkampf sollen künftig nicht mehr alle Athleten zusammen starten (Beispiel nordischer Skisport), sondern zeitversetzt nach dem Punkteabstand, so dass der derjenige, der als Erster ins Ziel läuft, auch Mehrkampfsieger ist. Im Weltverband wird man auf offene Ohren stoßen, weil entweder Sebastian Coe oder Sergej Bubka neuer Präsident werden wird. Ex-Weltklasseathleten, die mit der alten Leichtathletik groß wurden und mit einer neuen Leichtathletik alt werden wollen. Aber der Grat ist schmal. Die Gefahr, mit viel Tamtam und Radau zu überziehen, ist gegeben. Zwischen Meetings und Meisterschaften müssen Unterschiede erkennbar bleiben. Hier die Show, dort der Wettbewerb. Und bitte dran denken: Regeln sind Regeln. Der traditionsbewusste Fan wird nicht jede Verrücktheit akzeptieren.