Karlsruhe. Raphael Holzdeppe redete nicht lange drumherum: „Ich habe ein ganz konkretes Nahziel, und das heißt, ich versuche die sechs Meter in der Hallensaison zu springen.“ Wenn er etwas anpacke, gehe er es voll an, sagte der Stabhochspringer bei der Pressekonferenz zum Indoor-Meeting am 6. Februar. Deshalb gilt sein Augenmerk diesem Winter.

Und Rio de Janeiro? Holzdeppe lachte und sagte: „Ich war noch nie dort.“ Im Ernst, die Olympischen Spiele sind natürlich im Hinterkopf, aber vorher passiert noch so viel“,meinte er.

Mit einem 5,70-Meter-Sprung aus 14 Schritten Anlauf zum Abschluss des Trainingslagers und einem guten Gewissen kehrte er nach zweieinhalb Wochen am Montag mit dem deutschen Top-Team aus Südafrika zurück. „Das war perfekt. In der Wärme arbeitet der Körper einfach besser, und ein Tapetenwechsel tut einfach gut“, sagte der 26-jährige, der mit Freundin Sosthene Moguenara in Saarbrücken lebt.

Von 38 Grad Celsius auf 0 Grad – „kein Problem für mich, Hauptsache ich bleibe gesund“, meinte der Springer des LAZ Zweibrücken gestern tiefenentspannt. Denkt er ein Jahr zurück, weiß er seinen guten körperlichen Zustand noch mehr zu schätzen. Er hatte die Saison 2014, in die er nie richtig hineingekommen war, mit einer Verletzung beendet, das sei „alles andere als gut für die Wintersaison“ gewesen. Die Halle 2 der Karlsruher Messe hat er trotz der Weitläufigkeit und der „coolen “ Atmosphäre nicht in bester Erinnerung. Beim Indoor-Meeting war er über Nacht krank geworden, bei den deutschen Hallen-Meisterschaften hatte er die Anfangshöhe dreimal gerissen. Strich drunter.

„Ich musste dann für den Sommer komplett neu aufbauen, aber der Plan von mir und meinem Trainer Andrei Tivontchik ging ja auf“, sagte er. Bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg sprang er Bestleistung (5,94 Meter), dann holte er WM-Silber in Peking (5,90), das war perfekt.

Die Vorzeichen sind jetzt also andere. „Ich bin sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie das Training läuft“, sagte Holzdeppe, der seine Termine festgelegt hatte, ehe die neue World Indoor Tour in trockenen Tüchern war. Beim Neujahrsspringen am 16. Januar (17 Uhr) im Zeltpalast Merzig steigt er in die Saison ein, dann folgen die Springen in Rouen, Düsseldorf und eben am 6. Februar in der Karlsruher Messe. Dieses Meeting ist der Auftakt der vierteiligen „IAAF World Indoor Tour“, die in Stockholm, Boston und Glasgow weitergeht. Der Disziplinsieger bekommt 20.000 US-Dollar und eine Wildcard für den Start bei den Hallen-WM in Portland/USA.

Holzdeppe wird sicher nicht den Gesamtsieg davontragen, denn er wird – Stand jetzt – nur in Karlsruhe starten: „Ich finde die neue Serie richtig gut, aber für mich kam sie zu kurzfristig zustande. Vielleicht im Jahr drauf. Ich hatte meine Saison schon kompakt verplant und mich gegen zu viel Reiserei entschieden.“ Nach dem Karlsruher Meeting startet er in Berlin, Clermont Ferrand, bei der Hallen-DM in Leipzig und den Weltmeisterschaften.

Dass die Karlsruher mit seinem Konkurrenten Renaud Lavillenie auf dem Plakat werben, nimmt Holzdeppe ihnen nicht krumm: „Er ist hier letztes Jahr mit 5,86 Meter Meetingrekord gesprungen“, meinte er grinsend, „das ist okay so.“ Der Stabhochsprung ist eine von zwölf Disziplinen, die in Karlsruhe zu sehen sind. Von den 4300 Tickets sind bereits 2500 verkauft.

Stilist Raphael Holzdeppe beherrscht das Aufrollen am Stab.
Stilist Raphael Holzdeppe beherrscht das Aufrollen am Stab. Foto: Kunz

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
06.02.2016 IAAF Indoor Meeting Karlsruhe 2016 Karlsruhe (Deutschland)