Der Zweibrücker Stabhochspringer Raphael Holzdeppe wurde mit übersprungenen 5,77 Meter beim Hallen-Istaf in Berlin Dritter. Weitspringerin Alexandra Wester überrasche mit der Jahresweltbestweite.

Berlin. Robert Harting konnte seinen Comeback-Sieg selbst kaum fassen. 526 Tage nach seinem letzten Auftritt im Ring gelang dem lange verletzten Diskus-Olympiasieger mit dem Erfolg beim Hallen-Istaf in Berlin eine triumphale Rückkehr. Für Weitsprung-Hoffnung Alexandra Wester könnte der erste Vorstoß an die Weltspitze dagegen der Anfang einer erfolgreichen Karriere werden.

„Das ist ein Tag, den ich nicht vergessen werde. Ein besseres Comeback kann es eigentlich nicht geben. Das hätte ich so nicht erwartet“, sagte Harting, nachdem er mit 64,81 Metern im letzten Versuch den ersten Sieg bei seinem Heim-Meeting erreicht hatte: „Das bleibt für immer in meinem Herzen.“

Dabei hat der deutsche Leichtathletik-Star in seiner Sportlerkarriere schon so einiges erlebt: Olympiasieger 2012, dreimal Weltmeister, zweimal Europameister – doch der lang ersehnte Auftritt in Berlin war bei all seinen Erfolgen ganz besonders.

Mitte September 2014 war beim Joggen sein Kreuzband gerissen, Harting seitdem zum Zuschauen verurteilt. Wochen und Monate verbrachte er in der Reha, auch seine WM-Teilnahme im vergangenen Jahr musste er absagen. Eine Garantie dafür, wieder an sein altes Leistungsniveau anzuknüpfen, hatte er nicht. „Ich hatte ein ähnliches Adrenalinlevel wie bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften“, gab er zu.

Forsche Ansagen in Richtung der EM in Amsterdam oder gar der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro gab es von Harting allerdings nicht. „Nicht zu früh freuen, ich muss konstant weiterarbeiten“, sagte er: „Man hat gesehen, wer alles mittlerweile in der Weltspitze ist. Die sind alle gut, die sind jung, sind dynamisch: Die brauchen keine Physiotherapie, die machen das im Handumdrehen.“ Er selbst dagegen, könne „das nicht mehr so aus dem Arm schnipsen und die Jungs nach Hause schicken.“

Deshalb steht bis zu seinem großen Ziel Olympia noch viel Arbeit auf dem Programm. Auch wenn der 31-Jährige viel Selbstbewusstsein aus seinem ersten Auftritt zog. „Ich gehe natürlich mit einer Riesenportion Freude in die nächsten Trainingstage.“

Genauso wie Wester, die sich zuvor überraschend an die Weltspitze gesetzt hatte. 6,95 Meter bedeuteten nicht nur Weltjahresbestleistung, es war auch der weiteste Sprung einer Deutschen in der Halle seit 20 Jahren. „Es war extrem befreiend. Es war mein Wettkampf“, sagte die erst 21-Jährige aus Köln und strahlte in den Katakomben der Arena am Ostbahnhof über das ganze Gesicht.

Die geforderte Norm für die Hallen-WM in Portland Mitte März (5,75) ließ sie weit hinter sich und darf sich nun auch berechtigte Hoffnungen auf die Olympischen Spielen in Rio machen. Nur zwei deutsche Athletinnen sprangen in der Halle überhaupt weiter als sie: Heike Drechsler (7,37) und Helga Radtke (7,09).

Mit ihrem Coup stellte Wester sogar das Stabhochsprung-Finale in den Schatten. Der Brasilianer Thiago Braz da Silva gewann mit 5,93 Metern vor Olympiasieger Renaud Lavillenie (5,85) und Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken (5,77) – der 26-Jährige versuchte sich dreimal vergebens an der Höhe von 5,85.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
13.02.2016 ISTAF Indoor 2016 Berlin (Deutschland)