Zweibrücken. Raphael Holzdeppe kommt als Vize-Weltmeister im Stabhochsprung nach Zweibrücken zurück. Rund 50 Vereinskollegen schauten sich das Springen gemeinsam in der LAZ-Halle an.

Als Raphael Holzdeppe sich für den dritten Versuch über 5,90 Meter bereitmachte, der entscheiden würde, ob er sich mit Platz fünf zufrieden geben muss oder weiter um die Medaille mitspringt, war die Anspannung in der LAZ-Halle zum Greifen. Alexander Vieweg, der stellvertretende Vorsitzende des LAZ Zweibrücken, hüpfte auf einem Sprungbrett auf und ab. Holzdeppes Eltern Rita und Dieter liefen nervös in der Halle auf und ab. Und der ein odere andere blickte angespannt Richtung der Leinwand, auf der das Springen übertragen wurde.

Als Holzdeppe dann die Latte überquerte, löste sich die Anspannung in großen Jubel. „Ich hab’s doch gesagt, er schafft’s im dritten Versuch“, rief Vieweg, während sich Raphaels Eltern in den Armen lagen. „Er hat unsere Erwartungen übertroffen, wir sind stolz auf ihn“, sagte Rita Holzdeppe.

Während des gesamten Wettkampfes fieberten die Fans mit. Bei 5,80 Metern brandete erster Jubel auf, bei 5,90 Metern hielt es die Menschen nicht mehr auf den Plätzen. Vor allem, nachdem Holzdeppes schärfster Konkurrent Renaud Lavillenie ausschied. Dass Holzdeppe Gold verpasste, tat der Stimmung keinen Abbruch.

Die Stimmung war natürlich auch in Peking gut, wo Holzdeppe zugab, verdammt nervös gewesen zu sein. Sogar noch nach seinem ersten Anlauf: „Normalerweise bin ich nur vor dem Wettkampf nervös, was dann weggeht nach dem ersten gültigen Versuch“, sagte er, „aber gestern war alles anders. Ich denke, meine Eltern waren daheim vor dem Fernseher genau so nervös“, tröstete er sich in seiner extremen Freude. Recht hatte er. Die Einstiegshöhe von 5,65 Metern nahm er im ersten Versuch, die 5,80 aber erst im zweiten Versuch „mit einem extrem guten Sprung“. Über 5,90 Meter wollte er im ersten Versuch mit Gewalt drüber, weil er merkte, dass die Konkurrenz schwächelte. „Aber mit Gewalt geht im Sport nichts, mein Trainer musste mich ganz schön runter holen.“

Coach Andrei Tivontchik (45) lebte auf der Tribüne intensiv mit. Man traute sich gar nicht, ihn während des Wettkampfs zu „stören“. Trotzdem sagte er zum RHEINPFALZ-Reporter: „Komm ruhig her, wir kennen uns schon so lange“, und er analysierte Stück für Stück die Sprünge. Das war wie Seelenbalsam für ihn. „Er ist müde, das merkt man, er hat zu viele Fehlversuche, die so nicht geplant waren“, sagte Tivontchik nach den 5,90 Metern.

Wieder lagen sechs Meter auf, wie schon in Nürnberg, als Holzdeppe mit 5,94 Metern seinen ersten deutschen Titel gewann. Und wieder waren sie einen Tick zu viel. Aber egal, Silber war gestern wie Gold.

Tivontchik hatte die Fahne in der Hosentasche parat. Schön gefaltet für alle Fälle. Und siehe da, er brauchte sie, überwand alle Hindernisse, umarmte seinen Schützling und ließ ihn auf die Ehrenrunde ziehen. Es war wieder einmal ein ganz großer Tag für das LAZ und für Holzdeppe. Nach Gold bei der U20-WM 2008, nach Gold bei der U23-EM 2009, nach Bronze bei der EM und bei Olympia 2012 und nach WM-Gold 2013. So kann es einem gehen, der bei einem Talentcup vor bald 13 Jahren entdeckt und von Professor Dieter Kruber gefördert wurde.

Mitfiebern in der LAZ-Halle. Im Vordergrund Holzdeppes Eltern Rita (Mitte) und Dieter (rechts).
Mitfiebern in der LAZ-Halle. Im Vordergrund Holzdeppes Eltern Rita (Mitte) und Dieter (rechts). (Foto: Steinmetz)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)