Erfurt. Es war definitiv nicht das Wochenende für die LAZ-Athleten aus Zweibrücken. Nach Silber für Christin Hussong und der Disqualifikation von Sina Mayer bei den deutschen Meisterschaften der Leichtathleten in Erfurt musste gestern der Stabhochspringer Raphael Holzdeppe einem 18 Jahre alten Jüngling namens Bo Kanda Lita Baehre den Vortritt lassen.

Der Weltmeister von 2013 griff sich ungläubig an den Kopf, sein Trainer Andrei Tivontchik war verständlicherweise wortkarg und suchte auf seinem Tabletimmer und immer wieder nach Gründen. „Der Abstand hat leider nicht gestimmt. Raphael war jedes Mal hoch drüber, aber offenbar hat ihm der wechselnde Wind einen Strich durch die Rechnung gemacht“, lautete Tivontchiks erste Analyse. „Aber sonst alles gut“, hängte er noch hintendran. Holzdeppe war die 5,60 Meter erst im dritten Versuch gesprungen, Lita Baehre aber im ersten. Und die 5,70 Meter riss der Zweibrücker dreimal unglücklich.

Was für ein Drama um Sina Mayer! Fehlstart im 100-m-Vorlauf einer deutschen Meisterschaft – das ist der Alptraum eines jeden Athleten. Für die 22 Jahre alte LAZ-Athletin wiegt es doppelt schwer, denn nach ihren 11,25 Sekunden wollte sie sich nicht nur mit einem tollen Finallauf für das Staffelteam für die Weltmeisterschaften in London anbieten, sie wollte noch einmal einen perfekten Test für die U23-Europameisterschaften in Bydgoszcz abliefern. Und dann dies: Der Starter wartete lange, Sina Mayer wollte den perfekten Start und fiel in den Schuss. Zu früh. Aus und vorbei.

Die so stark gewordene Sprinterin aus Schönenberg-Kübelberg war so untröstlich. „Ich bin einfach nur traurig“, sagte sie rund eine Stunde nach dem Drama. Davor war sie einfach nicht zu sprechen. Verständlicherweise. Auch ihrem Trainer und Freund Christian Stütze war der Schock ins Gesicht geschrieben. „Ich wollte ihr noch zurufen, dass der Starter lange wartet. Aber es war zu laut im Stadion.“ Sina Mayer machte nicht viel Federlesens um ihren „Fehler“: „Das mit dem Starter lasse ich nicht gelten. Man muss sich immer auf einen Starter einstellen können, die sind immer anders. Es ist passiert, aber ich weiß nicht weshalb.“

Es sind jene Momente, von denen man glaubt, sie müssten nie eintreten und sie könnten einem das Leben schwermachen. Aber es ist eher so: Solche Momente, so bitter sie sind, machen einen Leistungssportler auch stark. Mit etwas Abstand wird auch die noch so junge Sina Mayer so denken können. Und mit London muss sie jetzt mal abwarten. Vielleicht klappt es über die Zwischenstation Bydgoszcz ja doch noch ...

Kurz davor hatte ihre Team- und Studienkollegin Christin Hussong ein paar schwierige Momente zu überstehen. Mit Silber im Speerwerfen war die Titelverteidigerin natürlich zufrieden, aber mit der Weite überhaupt nicht: 59,54 Meter – das war ganz sicher unter ihrem Leistungsniveau, wie auch ihr Vater und Trainer Udo Hussong bestätigte. „Komm, jetzt. Auf. Auf jetz, komm.“ So feuerte er seine 23 Jahre alte Tochter kurz vor ihrem letzten Versuch an. Aufgabe war, den Speer etwas flacher in den Wind zu legen. Aber auch im sechsten Versuch wollte das Wurfgerät seinen eingeschlagenen Weg durch die Luft nicht richtig zu Ende fliegen. Er stürzte einmal mehr ab. „Es waren brutale Winde. Das schon. Aber auf die äußeren Bedingungen will ich es nicht schieben. Es liegt an mir, was ich hier werfe. Es nervt langsam, dass ich im Wettkampf nicht zeigen kann, was ich im Training werfe“, klagte sie. Die Enttäuschung war ihr im Gesicht abzulesen, auch schon während des Wettkampfes.

Die glücklichste LAZ-Athletin, so schien es, war in diesen beiden Erfurter Tagen Kristina Gadschiew, die auf Einladung des DLV nach Thüringen kam. Gestern Mittag wurde sie, zusammen mit Stab-Kollege Björn Otto und Hammerwerferin Betty Heidler, die allesamt ihre Karriere beendeten, aus der Nationalmannschaft verabschiedet. Mit einem Blumenstrauß. Kristina Gadschiew ist auf einem neuen Weg: Sie sieht Mutterfreuden entgegen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
08.–09.07.2017 Deutsche Meisterschaften 2017 Erfurt (Deutschland)