Sportler sind auch nur Menschen. Sie stehen morgens auf, frühstücken, putzen Zähne. Sie haben Familie, Freunde und Hobbys. Doch dann ist da noch der Sport. Wer nicht gerade Bundesliga-Fußballer ist oder ein Schwimmstar mit jeder Menge Werbeverträgen, kann es sich im Normalfall nicht leisten, ein Leben als Profi-Sportler zu führen. Halbprofi oder Amateur nennt sich das dann. Sportler führen quasi zwei Leben: ein privates und ein sportliches.

Die Stabhochspringer Natasha Benner und Raphael Holzdeppe haben neben Wettkämpfen auch ihre Abiturprüfungen (bis auf die mündliche) hinter sich gebracht. Der Olympia-Achte von Peking hat in diesem Winter seinem Schulabschluss den Vorrang gegeben vor dem Training, damit auch auf eine Reihe von sicherlich nicht schlecht dotierten Startgeldern verzichtet. Aber die sind Holzdeppe sowieso nicht so wichtig. Ein Leben als Profi-Sportler könne er sich nicht so recht vorstellen, sagt er. Er hat ein anderes Ziel: „Ich will studieren“, hat er immer wieder bekräftigt. Was, das weiß er nicht so genau. Eine Kombination aus Sport und BWL vielleicht, aber das muss nicht sein. Egal, für welches Fach er sich entscheidet, ein gutes Abitur kann dabei nur helfen. Und das weiß Raphael Holzdeppe sehr genau.

Trotz Prüfungsstress hat sich Natasha Benner auch hohe sportliche Ziele gesetzt. Sie holte sich den Titel der Deutschen Jugendmeisterin und versuchte sich mehrfach am Jugendhallenrekord. So auch bei der DM der Erwachsenen am vergangenen Wochenende, wo sie Rang fünf belegte. Mit übersprungenen 4,15 Metern kam sie dem Rekord von 4,31 Meter aber nicht sehr nahe. „Meine Beine waren schwer“, verriet sie nach dem Wettkampf. Da hatte ihr das Abitur einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn in der Woche vor dem Wettkampf hatte sie die Prüfung im Schwimmen für den Sportleistungskurs ablegen müssen. „Ich kann einfach nicht gut schwimmen.“

Der tägliche Spagat zwischen Sport, Beruf oder Schule und Privatleben, für die jungen Sportler ist er selbstverständlich. Aber nicht nur für sie. Egal ob Kreisliga-Fußballer, der ein oder zwei Mal pro Woche trainiert und an den Wochenenden ein Spiel bestreitet. Oder Mutter und Tochter, die für ihren Tischtennisverein gemeinsam an der Platte um Punkte kämpfen. Ob Schichtarbeiter wie Ultraläufer Helmut Dehaut, der zwischen 100 und 200 Kilometer pro Woche abspult. Sie nehmen den Spagat gern in Kauf. Denn das eine funktioniert nicht ohne das andere. Der Sport ist nicht ausreichend, um davon einen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Und ohne den Sport – nein, diesen Gedanken will ich nicht zu Ende führen. Ich kann es mir auch irgendwie nicht vorstellen.

Problematisch wird es nur dann, wenn der Spagat nicht mehr gelingt. Wenn Arbeit oder Sport zu viel Zeit beanspruchen. Dann muss man sich entscheiden. In der Regel muss dann der Sport kürzertreten, so wie bei den LAZ-Stabhochspringern. Ein Problem, das in der immer mehr auf Flexibilität fixierten Arbeitswelt immer häufiger auftritt. Dann müssen Fußball-, Handball- oder Eishockeyteams wohl noch häufiger auf Spieler verzichten müssen.

Es ist ein Problem, dass nicht nur auf den Sport beschränkt ist und für das es nicht wirklich eine Lösung gibt. Doch zum Glück gibt es noch genug Sportler, die diesen schwierigen Spagat weiter auf sich nehmen wollen. Weil sie ihren Sport lieben. Und weil er im Grunde kein anderes Leben, sondern ein wichtiger Bestandteil des eigenen ist.