„Wo etwas geboten wird, da läuft auch etwas“ erklärte noch dieser Tage beim Talent-Cup des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken der sportliche Leiter Karl-Heinz Werle. Diese Aussage machte er angesichts der rund 350 Schülerinnen und Schüler in der Dieter-Kruber-Halle, die sich in einem Fünf-Kampf maßen, in dem ihre motorischen Fähigkeiten getestet wurden. Zum einen zeigte sich Karl-Heinz Werle erfreut über die Resonanz des Talent-Cups, um aber auf der anderen Seite die allzu hohen Erwartungen zu dämpfen. Denn aus rund 1000 Talenten, so belegt es die Statistik, erwächst ein A-Kader-Athlet. Also, wenn man dieses Rechenspiel weiter betreibt, war unter den Schülerinnen und Schülern mindestens schon ein Drittel-A-Kader-Athlet.

Ein Ansporn allemal. Zeigt dies aber auf der anderen Seite wieder, wie schwierig es ist, ganz gleich in welcher Sportart, in diesen extremen Bereich vorzustoßen. Denn die A-Kader-Norm, sprich auch die optimale Förderung, erhalten nur diejenigen Athleten, die bei Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen mit der internationalen Konkurrenz mithalten können. Hohe sportliche Hürden sind im Vorfeld zu nehmen, um in solche Sphären vorzudringen. Zum Kreis der A-Kaderathleten gehört beim LAZ der Olympia-Achte und zweifache Junioren-Weltrekordler und U20-Weltmeister im Stabhochsprung Raphael Holzdeppe.

Er ist quasi die Galionsfigur in der Zweibrücker Leichtathletik schlechthin. Er verkörpert den vorbildlichen Charakter eines Idols, dem es nachzueifern gilt. War es doch gerade der 19-Jährige, der selbst einmal im Jahr 2000 beim Talent-Cup des LAZ entdeckt worden war. Aber genau diese Idole, ganz gleich in welchen Sportarten, brauchen unsere Jugendlichen, denen sie nacheifern können. Wenn sie dann noch leibhaftig und in unmittelbarere Nähe zu bestaunen sind, so ist der Effekt noch ein größerer. Darauf bauen natürlich nicht nur das LAZ, sondern auch die übrigen Vereine. Schließlich braucht man ein Zugpferd.

Doch damit ist erst die Voraussetzung geschaffen, dass sich überhaupt etwas bewegt. Denn was nun folgt, ist Kärrnerarbeit, deren Ende nicht absehbar, nicht vorprogrammierbar, geschweige denn erfolgsorientiert betrieben werden kann. Die Vereine können lediglich die Hilfestellungen durch qualifizierte Trainer geben. Doch der natürliche Ausleseprozess zieht manche Enttäuschung nach sich, wenn die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht werden. Doch wichtig ist es zunächst einmal, dass sich Ziele überhaupt gesteckt werden. Dass man ein Ziel vor Augen hat.

Doch diese Talent-Cups oder Sichtungsturniere, wie sie von den leistungssportorientierten Vereinen betrieben werden, sind ein erster Schritt. Erst dann beginnen die Mühlen langsam zu mahlen. Was nun folgt, ist ein schweißtreibender Prozess, in dem sich peu à peu die Spreu vom Weizen trennt. Denn letztlich setzen sich nur Diejenigen durch, die auch über das entsprechende Talent, die Ausdauer, das Stehvermögen aber auch den Ehrgeiz haben, sich durchzubeißen. Nach Niederlagen nicht gleich das Handtuch werfen, immer wieder aufstehen, neu angreifen, nach entsprechenden Chancen suchen.

In dieser Hinsicht ist der Sport ein sehr guter Lehrmeister. Zeigt er oftmals schon in einem sehr frühen Stadium natürliche Grenzen auf. Nimmt unbarmherzig eine Selektierung vor, teilt in Sieger und Verlierer. Dies prägt den Einzelnen. Tagträumer werden blitzschnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Und nicht umsonst bestätigen Analysten, dass gerade Sportler und insbesondere Leistungssportler im beruflichen Leben mit Nackenschlägen weitaus besser umgehen können.

Gleichzeitig bietet der Sport aber auch die Gelegenheit, etwas für seine Gesundheit, für sein körperliches Wohlbefinden zu tun. Nicht alle können A-Kaderathleten werden. Aber zumindest der Versuch ist es wert. Deshalb drücke ich allen Talenten die Daumen.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
08.–24.08.2008 Olympische Sommerspiele 2008 Peking (China)