Es gibt im Sport Rückschläge und Niederlagen, die Athleten ein ganzes Leben lang begleiten: schwer(st)e Verletzungen und schlimme Erkrankungen. Wie geht man damit um? Wie motiviert man sich da? Wer hilft? Sportler aus der Region haben uns ihre Leidensgeschichten erzählt.

Plötzlich verlor ich den Halt, rutschte aus und fiel eineinhalb bis zwei Meter in die Tiefe. Mit mir plumpste meine sportliche Karriere zu Boden. Autsch. Kaputt. Ich gehörte damals der erweiterten deutschen Spitze im Frauen-Hochsprung an, besuchte als Ausgleich zum Training einen Kletterkurs. An jenem Tag, an dem der Unfall passierte, war es nass, der Felsen, auf dem ich stand ziemlich glatt. Ich sollte einen anderen Kursteilnehmer sichern. Das Seil war jedoch nicht richtig gespannt, daher schlug mein Versuch, mich beim Ausrutschen festzuhalten, fehl – ich stürzte vom Felsen. Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte einen dreifachen Sprunggelenksbruch und sagten mir, ich werde vermutlich nie wieder Sport machen können. Das war ein Nackenschlag. Schließlich gehörte Sport seit jeher zu meinem Leben. Ich hatte dann das Glück, dass der Arzt, der mich operierte, ein Fachmann auf seinem Gebiet war. Trotzdem dauerte es Monate, bis ich wieder richtig gehen konnte, ein Jahr, bis ich wieder joggen konnte. Ich hatte mit dem Sport eigentlich schon abgeschlossen, zu niederschmetternd war die Diagnose, zu langsam die Fortschritte. Zwei Jahre nach dem Unfall versuchte ich dann aber ein bisschen zu springen und merkte, dass es ganz gut ging. Ich machte ein, zwei Wettkämpfe, allerdings nur zum Spaß. Weil es so gut klappte, überredete mich mein Trainer zu einem Comeback. Seitdem springe ich zwar nicht mehr so hoch wie früher, bin aber in Deutschland die Nummer eins in meiner Altersklasse. Im vergangenen Jahr gewann ich den Europameistertitel in der W35. Doch alles, was nach dem Unfall kommt, ist für mich nur noch Zugabe.

Hochspringerin Anja Wich-Heiter, 35, startet seit 2014 für den ABC Ludwigshafen, davor für das LAZ Zweibrücken