An Tagen wie diesen geht einem der Blick auf die Welt verloren und auch das Gespür für eine Stadt, in der man gerade lebt und arbeitet. Tunnelblick nennt man so etwas. Und wenn man so weit draußen wohnt, ist London eben auch ganz weit weg. Gerade mal über die Tower Bridge bin ich gegangen und war in Greenwich. Aber es sind ja noch ein paar Tage ...

Nach einem wirklich harten Wochenende gestern früh endlich etwas Körperpflege. Joggen entlang der Royal Albert Docks und der Royal Victoria Docks, die O2-Arena im Blick, die Seilbahn und Canary Wharf. Hier ist das neue London, das in den Docklands weiter wächst. Große Baugruben sind schon tief ausgehoben.

Links der Laufstrecke die Flugzeuge auf dem City-Airport und die Ruderboote auf dem Wasser, über mir die DLR, diese fahrerlose überirdische saubere und ziemlich neue Bahn, und rechts neben mir ein roter Doppeldecker, moderne Ausführung. Also doch: London! Und von vorne der stramme englische Wind, oder wie Lisa Ryzih sagt: „Der ein bisschen ins Gesicht flackert.“ Und weil ich meine „Body Box“ in Oggersheim vermisse, noch eine Runde Krafttraining. Da schreibt mir mein Chef Horst Konzok: „Im Bruch war’s heute früh herrlich!“ Vorbildliche Sportredakteure, oder?

Zweimal fünf Stationen mit Umstieg in Poplar, und schon bin ich in 20 Minuten am Stadion, in dem ich mich nun zur Genüge auskenne. Erste Handlung: Laptop und Rucksack anschließen, zweite Handlung: ein Tee und noch ein Tee und noch ein Tee. Kaffee ist tabu, gibt ja nur Instant.

Ich habe mir von Bernhard Kunz ein Bild von 2012 schicken lassen, um zu sehen, wie das Stadion umgebaut wurde, wo die 20.000 Sitzplätze geblieben sind, seit West Ham hier kickt. Ich blieb ratlos, jedoch: Diese Dreiecke, die nun ins Stadion reinragen und an denen das Licht klebt, standen damals noch in die Höhe. Aha!

Mein Arbeitsplatz ist dreigeteilt: Sitzplatz unterm Dach, Sitzplatz im Pressezentrum, Stehplatz in der echt zugigen Mixed Zone mit Bildschirmen. Es ist schon wichtig, was die Athleten zu sagen haben, wie sie reagieren und so. Interessante Erfahrungen sind das, auch wenn man die internationalen Athleten hautnah erlebt, was doch ein wenig den Blick auf die Welt öffnet.

Christin Hussong fiel nach kurzer Zeit die Analyse schwer, Lisa Ryzih ist mir vor lauter Begeisterung um den Hals gefallen (was mir die Frotzeleien der Kollegen einbrachte). Von beiden aber wollte keiner der schreibenden Zunft etwas wissen, außer mir nur Jan-Henner Reitze von Leichtathletik.de. Aber um David Storl drängte sich die Meute. Der schlug sich auch echt tapfer nach seinem Vorrundenaus. Dennoch fragte ich mich: Ist denn der fünfte WM-Platz von Lisa für die anderen deutschen Zeitungen so wenig wert?

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
04.–13.08.2017 Weltmeisterschaften 2017 London (England)