Die steigende Zahl der Ganztagsschulen beunruhigt die Sportvereine. Sie fürchten um ihr Klientel für die Zukunft, den Nachwuchs. Das wurde auch in der vergangenen Woche in der Diskussionsrunde im Hofenfels-Gymnasium Zweibrücken offensichtlich, zu der der Sportbund Pfalz, der Dachverband der Sportvereine, eingeladen hatte. Doch auch hier verdeutlichte der Vizepräsident des Sportbundes Pfalz für die Bildung und Schulsportreferent bei der ADD in Neustadt, Dieter Krieger, dass zu dieser allgemeinen Verunsicherung keinerlei Veranlassung besteht. Allerdings dienen diese Veranstaltungen, wie auch im Februar der Merkur-Sportstammtisch mit dem Referenten Dieter Krieger dazu, Stimmen der Vereine aber auch der Schulvertreter einzuholen, und gleichzeitig Lösungswege aufzuzeigen, wie beide Parteien am geschicktesten miteinander auskommen können.

Dabei gibt es unterschiedliche Varianten der Zusammenarbeit. Es kann ein Kooperationsvertrag zwischen Verein und Schule geschlossen werden, in dem sich der Verein verpflichtet, den Sportunterricht zwei Mal pro Woche zu übernehmen. Aber auch die Möglichkeit eines Dienstleistungsvertrages besteht. Hier verpflichtet sich der Verein, eine fest angestellte Kraft abzustellen, um den Sportunterricht eigenhändig zu übernehmen. Billiger kommt es für die Schule, wenn sie einen Honorarvertrag mit einer Einzelperson abschließt.

Die von vielen Vereinen angesichts der Ganztagsschulen geäußerten Befürchtungen, dass ihnen ein Teil des Nachwuchses verloren geht, wenn er bis in die Nachmittagsstunden bereits sportlich aktiv war, teile ich nicht. Sofern die Vereine selbst aktiv werden und den Kindern und Jugendlichen ein Angebot machen, das attraktiv ist, das anspricht. Doch schon viele Sportvereine haben in den letzten Jahren erkannt, dass die wöchentlichen Trainingsstunden nicht ausreichen. Vielmehr müssen auch im Umfeld mit Freizeiten und Ferienangeboten weitere Akzente gesetzt werden, um den Nachwuchs an sich zu binden.

Das wird angesichts der demografischen Entwicklung mit den zurückgehenden Geburtenzahlen zunehmend schwieriger, da um eine sich ständig verkleinerte Zahl von Kindern die gleiche Anzahl von Vereinen buhlt. Hier wird letztlich die Qualität der Übungsleiter eine ganz entscheidende Rolle spielen.

Meiner Ansicht nach sollten sich die Sportvereine über die Entwicklung in den Ganztagsschulen freuen. Sicherlich wird es hie und da Grenzfälle geben, in denen die geäußerten Befürchtungen zutreffen. In erster Linie geht es darum, wie es auch der Schulleiter der Hilgardschule, Christian Weppler, beim Sportstammtisch erklärt hatte, die Kinder mit vielfältigen Angeboten dem Sport näher zu bringen. Der Leiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums, Ulrich Becker, nannte dies im Hofenfels-Gymnasium „besporten“. Das deckt sich mit den Bestrebungen von Christian Weppler, gleichzeitig Zweibrückens Sportkreisvorsitzender des Sportbundes Pfalz. Ihm kommt es vordergründig darauf an, seinen Schülern täglich ein sportliches Angebot zu machen. Dabei werden keine gezielten Trainingsinhalte angeboten, sondern den Schülern verschiedene Sportarten offeriert, deren Vertiefung wieder in den einzelnen Vereinen vonstattengehen muss.

Die Vereine würden aber ein falsches Signal aussenden, wenn sie nicht versuchen würden, möglichst viele Schüler für ihren Sport zu begeistern. Diese Botschaft haben schon viele Sportvereine erkannt. Sie haben Arbeitsgemeinschaften mit Schulen gebildet. Hier werden von den Vereinen qualifizierte Übungsleiter abgestellt, die einerseits fachliche Defizite der Schule in bestimmten Sportarten beseitigen und andererseits darin die Chance sehen, für ihr Angebot zu werben. Angesichts der schon seit langen Jahren bestehenden Arbeitsgemeinschaften, ob in den Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen ist davon auszugehen, dass beide Parteien daraus Nutzen ziehen. Als bestes Beispiel lassen sich die Schulwettbewerbe „Jugend trainiert für Olympia“ zurate ziehen. Gerade hier wird deutlich, wie erfolgreich eine Zusammenarbeit aussehen kann. Die betreuenden Lehrer dieser Wettbewerbe, aber auch die Schulleiter, loben jeweils gebetsmühlenartig, dass ihre Schulen selbst gar nicht in der Lage wären, die Schüler derart gezielt, kombiniert mit dem nötigen Fachwissen, vorzubereiten.

Auch die von Ulrich Becker, Präsident des Leichtathletik-Verbandes Pfalz geäußerten Befürchtungen, dass diese Entwicklung für den Leistungssport „desaströs“ sei, entbehrt bisher jeglichen Grundlagen. Doch lässt sich der Vorsitzende des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken, Josef Scheer, von den Rekordzahlen im Dezember beim bewährten „Talent-Cup“ nicht blenden. Er hat erkannt, und das hat er in der LAZ-Mitgliederversammlung im Januar auch erklärt, dass die Talent-Sichtung auf neue Füße gestellt werden muss. Wohl hat das Bundesleistungszentrum bisher in den Grundschulen schon Sichtungen vorgenommen, doch sollen diese noch intensiviert und ausgebaut werden.

Hier behauptet ein bewährtes Sprichwort seine Gültigkeit: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Das soll gleichzeitig aber auch bedeuten, dass die Sportvereine in einem fairen Konkurrenzkampf mit ihren Pfunden wuchern. Um die Schüler auf die Vielfalt ihrer sportlichen Möglichkeiten vorzubereiten, kommen die Ganztagsschulen gerade recht. Sie wollen keineswegs mit den Sportvereinen konkurrieren. Vielmehr besteht ihr Anliegen darin, die Schüler zu besporten. Dies ist ein vielversprechender Ansatz der vielfach angeprangerten Bewegungsarmut entgegenzuwirken. Hier werden keine Preise verliehen, das wiederum bleibt den Sportvereinen überlassen.