Aus nationaler Sicht war das Sportjahr 1988 bedeutsam, weil eine gewisse Steffi Graf nach ihrem Grand-Slam-Gewinn auch das olympische Tennisturnier in Seoul/Südkorea gewann. In Summe nannte sich diese Leistung „Golden Slam.“ In der Region wurde im gleichen Jahr der Grundstein zu späteren Erfolgen bei internationalen Großveranstaltungen gelegt: Das Leichtathletikzentrum Zweibrücken (LAZ) wurde begründet. Am Freitag feierte die Medaillenschmiede im Bauwerk auf dem Flugplatz seinen Geburtstag.

Unter den etwa 60 Gästen waren aktuelle und ehemalige Größen des Vereins, über die Anfänge und die darauffolgende Entwicklung, informierte mit Karl-Heinz Werle einer der Gründerväter. Über der Szene schwebte natürlich der Geist Dieter Krubers. Die Entschlossenheit und der Wagemut des Leichtathletik-Professors (1940 2005) hatten damals die Vereinsgründung erst möglich gemacht, wie Werle betonte.

Der Trainer-Routinier eröffnete seinen Vortrag mit einem abgewandelten Helmut-Kohl-Zitat: „Wer seine Geschichte nicht kennt, kann die Zukunft nicht planen.“ In der Geschichte der deutschen Sportvereine seien 30 Jahre eigentlich nichts, so Werle. Der Mutterverein VT Zweibrücken beispielsweise habe die Jahreszahl 1861 mit im Namen stehen, bekannte Fußballklubs seien als 04er und 05er unterwegs. „Im Spätsommer 1988 hätte man an so ein Jubiläum nicht gedacht“, kam Werle im Rückblick auf die Zweifel und Skepsis nach dem Weggang von der VTZ-Leichtathletikabteilung aber doch zu dem Schluss, dass drei Jahrzehnte Vereinsgeschichte aller Ehren wert seien.

Er und Dieter Kruber seien bei der Vereinigten Turnerschaft als Trainer recht erfolgreich gewesen, ihr ehrgeiziges Konzept sei aber nur in einer eigenständigen Struktur umsetzbar gewesen. Zunächst habe man regelrecht hilflos da gestanden, Ideen und starke Partner habe es zur Umsetzung gebraucht. Werle berichtete von einer rührenden Aktion: Ein Verein aus der Vorderpfalz habe ein Kuvert mit 50 Mark geschickt, mit der Notiz: „Ihr werdet’s brauchen. Viel Glück.“ Was nicht in ein Briefkuvert passte, waren geeignete Sportstätten. „Nach der Abtrennung von der VTZ konnten wir den Festhallensportplatz ja nicht mehr nutzen.“ Eine Kunststoffbahn in Homburg und das Westpfalzstadion hätten Sprintern und Läufern zunächst mal genügt, mit Blick auf die technischen Disziplinen – allen voran Stabhochsprung – habe Dieter Kruber auf eine eigene Halle gedrängt. „Mir war nicht sehr wohl dabei“, erinnerte sich Werle an den Moment, als Dieter Kruber mit einem Hallen-Modell unterm Arm auftauchte. Der Schritt sei aber notwendig gewesen, um Spitzensport zu treiben. Jetzt, 30 Jahre später, könne man sehr stolz sein auf das Erreichte.

Unter den Gästen am Freitag war auch Andrea Müller, die 1995 im Frauen-Stabhochsprung einen Weltrekord aufstellte. Wehmütig war der zweifachen Deutschen Meisterin am Freitag zwar nicht zumute, wie sie sagte. „Aber es kommen schöne Erinnerungen an die Zeit damals hoch.“ Die Anstrengung und die gemachten Erfahrungen hätten sie für ihr ganzes Leben geprägt. Dieter Kruber sei sicher speziell gewesen. „Ich hätte ihn nicht gegen mich haben wollen“, meinte Müller, aber es sei ja auch das Gegenteil der Fall gewesen. Margot Kruber, die im Speerwerfen und im Rasenkraftsport mehrfach Deutsche Meisterin wurde, strahlte im Kreis der alten Kämpen. „Es war eine tolle Zeit“, meinte sie, trotz und wegen gewisser Strapazen. „Wir haben’s nicht anders gekannt.“

Vom einzigartigen Talentfindungsund -fördersystem des LAZ profitierte auch Top-Hochspringerin Dagmar Knaus, ehemals Kulma. Sie wohnt mittlerweile in Baden-Württemberg. „Da ist man etwas weg vom Schuss“, meinte sie, Kontakt zur LAZ-Familie bestehe aber über die sozialen Medien.