On your marks, get set, go! So lautet das internationale Startsignal in der Leichtathletik: Auf die Plätze, fertig, los! Kennen wir alle, oder? Im Rucksack, den wir Journalisten traditionell vor einer WM bekommen, steckte ein Kissen, dessen Status für mich urplötzlich von bedeutungslos zu wichtig wechselte. Manchmal sind es die ganz kleinen Dinge, die zufrieden machen. Weil die Stühle im Stadion viel zu niedrig sind, sitze ich jetzt auf diesem giftgrünen Ding. Auf dem ich die nächsten Tagen ganz sicher nicht süß träumen (sweet dreams) werde.

Diesen Traum habe ich aber gerade hinter mir, nachdem ich in der Nacht um viertel nach Drei endlich eingeschlafen war. War schon eine harte Nummer, dieser Geister-Marathon an der menschenleeren Strandpromenade von Doha.

Mein Platz im Stadion: sehr gut. Weil die Kollegin aus Dresden nicht nach Doha kam, ist ein Platz neben mir frei geworden, was die Armfreiheit komfortabel werden lässt. Das Internet flutscht, TV-Bildschirm und Ergebnis-Bildschirm stehen direkt vor der Nase. Die Wege zur Toilette, zum Café-Shop (Cappucchino sechs Euro, aber garantiert mit Liebe zubereitet) und zur Mixed-Zone sind kurz.

Fast schon unglaublich, dass auch der zweite Stabhochspringer aus der Pfalz, Raphael Holzdeppe, bei seiner Qualifikation Geburtstag feierte: 30 Jahre wurde er am Samstag. Herzlichen Glückwunsch! Klar, dass ich auch ihm eine Karte in der Interviewzone überreichte. Die halbe Mannschaft hatte ihm „Happy Birthday“ gesungen, als Raffi zum Frühstück kam, erzählte mir DLV-Pressesprecher Pit Schmitt. Holzdeppes Trainer Andrei Tivontchik arbeitete übrigens von 2001 bis 2004 für das Nationale Olymische Komitee in Katar. „Es war eine spannende Zeit, ich trainierte Stabhochspringer von 15 aufwärts. Aber als mir Professor Kruber ein Angebot machte, wieder zum LAZ zurückzukommen, bin ich lieber wieder nach Zweibrücken“, sagte mir Tivontchik beim Meeting im Juli in Jockgrim. Ohne ihn wäre Raphael Holzdeppe 2013 nie Weltmeister geworden.

Ach ja, meine Athleten aus der Pfalz. Bescher(t)en mir eine ganz schön emotionale Woche. Erst der Rücktritt von Miriam Welte, dann mit Lisa Ryzih, Raphael Holzdeppe, Lisa Klein und Christin Hussong in Doha unterwegs, und am Sonntag startet ja Pascal Ackermann in Yorkshire. Ich trau dem „Ackes“ verdammt viel zu. Der hat als Sprinter einen mords Punch, wenn der mit der richtigen Gruppe auf der 300 Kilometer langen Distanz unterwegs ist. Aber: Straßenradrennen ist kein Kindergeburtstag. Da kannst du alles werden. Ich wär’ gerne dabei, ich käme auch mit dem britischen Klima zurecht.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
27.09.–06.10.2019 Weltmeisterschaften 2019 Doha (Katar)