Vor dem Start in die neue Saison wird in der Regel schon eifrig in den Vereinsetagen und Stammtischen über Platzierungen spekuliert. Nicht anders die Situation beim Fußball-Oberligisten SVN 1929 Zweibrücken. Doch hat das bisherige Abschneiden vieles über den Haufen geworfen. Der SVN darf für sich in Anspruch nehmen, die Überraschungsmannschaft der Oberliga zu sein. Nach dem elften Spieltag ist die Elf von Trainer Peter Rubeck noch ungeschlagen, liegt auf dem zweiten Platz. Diese Erfolgsserie hätten selbst die kühnsten Optimisten dem SVN nicht zugetraut. Außer Heiner Semar, Vorstandsmitglied des SVN. Er hatte vor der Saison 50 Punkte prognostiziert hatte. Damals wurde dieses prophetische Zahlenspiel nach 38 Punkten in der vergangenen Saison noch belächelt.

Was die Skepsis an der Semar- ’Schen Hochrechnung noch verschärft hatte, war die Tatsache, dass der Verein vor der Saison eine personelle Zäsur vorgenommen hatte, sich von einer Reihe gestandener Fußballer getrennt hatte. Stattdessen wurden 15 neue Spieler, teilweise um die 21 Jahre, verpflichtet.

Doch die Verantwortlichen haben ein glückliches Händchen erwiesen. Allerdings hat auch Trainer Peter Rubeck ganze Arbeit geleistet. Es ist ihm gelungen, ein schlagkräftiges Team zu formen.

Die anfänglichen Erfolge des SVN Zweibrücken waren zunächst von der Konkurrenz noch nicht allzu ernst genommen worden. Spätestens nach fast einem Drittel der Saison hat sich die Elf von Peter Rubeck Respekt verschafft. Das hat sie sich auch verdient. Überzeugend wirkt, wie selbstbewusst die junge Mannschaft auftritt.

Sicherlich ist die Mannschaft noch nicht ausgereift. Doch eines hat sie bisher bewiesen, dass sie mit ihrem unbändigen Siegeswillen noch Spiele aus dem Feuer reisen kann. Was sich zudem positiv bemerkbar macht, ist, dass die Mannschaft ausgeglichener denn je besetzt ist und es selbst bei Ein- und Auswechslungen zu keinem Bruch kommt.

Einziges Manko der bisherigen Erfolgsserie sind die Zuschauerzahlen im Westpfalzstadion, die nicht annähernd Schritt halten. Ursache ist sicherlich, dass von den Spitzenmannschaften bisher erst die SV Elversberg II und Mechtersheim in Zweibrücken ihre Visitenkarte abgegeben haben.

Deshalb sind die Klagen der SVNVerantwortlichen zu verstehen, die sich in der augenblicklichen Situation gerne einen zugkräftigen Traditionsverein gewünscht hätten. Doch die SVN-Fans müssen sich noch bis zum 14. November gedulden. Erst dann steht das Heimspiel gegen den derzeitigen Tabellenführer FK Pirmasens auf dem Terminplan. Bei der derzeitigen Tabellenkonstellation, Erster gegen Zweiter, das absolute Spitzenspiel.

Doch soweit will Trainer Peter Rubeck gar nicht denken. Er plant von Spiel zu Spiel, bleibt zumindest nach außen hin mit beiden Beinen auf dem Boden, bremst die Euphorie und spekuliert weiterhin mit den ominösen 40 Punkten, an denen Vereine im Allgemeinen den Klassenverbleib festmachen.

Wohl sind kleine Misstöne im Zusammenhang mit den Platzverhältnissen im Westpfalzstadion angebracht, helfen aber in der Situation niemand weiter. Zumindest bis in die kommende Saison muss der SVN Zweibrücken mit den augenblicklichen Gegebenheiten leben, wenngleich in den Augen der SVNVerantwortlichen die Sanierung des Rasens wegen der Überbelastung nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat.

Erfolgreich war allerdings die Namensänderung, denn selbst in Mainz, wie der SPD-Abgeordnete und sportpolitische Sprecher Fritz Presl erklärte, ist dadurch eine deutliche Identifikation mit Zweibrücken hergestellt. Er ist schon wiederholt auf die Erfolge „der Zweibrücker“ angesprochen worden. Niederauerbach war wohl beim DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Köln in aller Munde, doch auf der fußballerischen Landkarte ist es sportlich weiterhin noch ein weißer Fleck. Doch mit dem Namen Zweibrücken lässt sich angesichts der internationalen und nationalen leichtathletischen Erfolge des LAZ weitaus üppiger wuchern. Hier hat sich die Sportstadt Zweibrücken schon etabliert.

Aber der SVN ist auf einem guten Weg. Wichtig ist deshalb, dass weiterhin die Geduld bewahrt wird und keine künstlichen verbalen Nebenkriegsschauplätze geschaffen werden. Das schadet nur dem Erfolg.