Das Hofenfels-Gymnasium (HFG) in Zweibrücken hat sich am vergangenen Samstag mit seinem neuen Zweig als „Sportbetonte Schule“ vorgestellt. Diese Bewertung wird nicht nach dem Gießkannenprinzip vergeben. Das ist für das Gymnasium in seinen Bestrebungen, Leistungssport und schulische Ausbildung miteinander zu verbinden, eine Auszeichnung. Schließlich gibt es in Rheinland-Pfalz lediglich noch drei weitere Standorte in Kaiserslautern, Trier und Koblenz, die sich mit diesem Titel schmücken können.

Das ist gleichzeitig für die Sportstadt Zweibrücken ein weiteres Indiz, dass nicht nur in den Vereinen alle Bestrebungen unternommen werden, um Talente zu fördern. Dass dies bislang dem Gymnasium schon gelungen ist, belegen die Ergebnisse beim Schulwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“, wo die Schule im Bundesfinale stets im Tischtennis vertreten war. Weitere sportliche Werbung für das Gymnasium hatten bereits der U 23-Europameister im Speerwerfen Till Wöschler und die U-18-Weltmeisterin im Speerwerfen Christin Hussong mit ihren Erfolgen betrieben.

Im Hofenfels-Gymnasium wird nun ab der siebten Klasse versucht, Schulisches und Sportliches unter einen Hut zu bringen. Dabei ist sich die Schule der Unterstützung der Vereine sicher. Neben der Leichtathletik (LAZ) werden schwerpunktmäßig Handball (SV 64), Turnen (VTZ) und Tischtennis angeboten. Bei diesem Angebot fehlt nur der Fußball, der durch den Regionalligisten SVN Zweibrücken vertreten sein müsste. Zumal die Trainingsstätte im Westpfalzstadion nur einen Steinwurf weit entfernt ist.

Diese Qualifizierungsmaßnahme des HFG, wie ich sie nun einmal nennen möchte, ist der richtige Weg. Auch am Helmholtz-Gymnasium wird in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften (AGs) schon seit Jahren versucht, ein breites sportliches Angebot zu bieten. Trainer unterschiedlicher Vereine versuchen, durch gezielte Übungseinheiten, welche die Schule in der Qualität nicht bieten kann, Talente zu sichten und zu fördern. Nicht vergessen werden soll, dass an der Integrierten Gesamtschule in Contwig auch schon seit Jahren Sportklassen mit einem erhöhten Angebot im Einklang mit Vereinen installiert sind. In diesem Schuljahr wurde das Angebot um eine Fußballklasse spezifiziert. Als Kooperationspartner wurde der Regionalligist FC Homburg mit seinem Trainer Christian Titz verpflichtet, der zusammen mit seinen Spielern die Übungseinheiten leitet.

Diese Kombination, Schule und Sport unter einen Hut zu bringen, wird auch beim LAZ Zweibrücken schon seit Jahren unter den jeweiligen Vorsitzenden propagiert. Diese Überzeugungsarbeit wird deshalb geleistet, um den jugendlichen Athleten zu zeigen, dass neben dem Sport noch ein weiteres Standbein zur Absicherung geschaffen werden muss. Denn nicht jede talentierte Athletin oder talentierte Athlet schafft den Durchbruch.

In der Vergangenheit haben viele Eltern, wenn die schulischen Leistungen nicht in Einklang mit den sportlichen zu bringen waren, die Notbremse gezogen. Die Folge war, dass viele sportliche Talente auf der Strecke geblieben sind. Dem will das HFG mit seinem Sportzweig nun entgegentreten, um auch diesen Belangen gerecht zu werden. Die höchste Weihe, die das Zweibrücker Gymnasium erreichen könnte, wäre ein Sportgymnasium, wie es etwa das Rotenbühl-Gymnasium in Saarbrücken ist. An den Olympiastützpunkt sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Kaderschwimmer der Wassersportfreunde Zweibrücken, allen voran Marlene Hüther, gewechselt. Die mehrfache Deutsche Jugendmeisterin und Fünfte der Junioren-WM 2013 in Dubai findet in Saarbrücken ideale Verhältnisse. Schule und Leistungssport sind aufeinander abgestimmt.

Professor Dieter Kruber, der 2005 verstorbene langjährige Vorsitzende des LAZ Zweibrücken, hatte zusammen mit dem Pfälzischen Merkur beim Sportstammtisch im Juni 2001 einen Versuch gestartet, an einer der beiden Schulen in Zweibrücken ein Sport-Gymnasium einzurichten. Aber dieser Versuch war damals an der fehlenden Bereitschaft der handelnden Personen gescheitert.

Nimmermüde hatte er aber stets die Vision verfolgt, am Hofenfels-Gymnasium einen Sportzweig einzurichten, damit hochbegabte Sportler mit einer größeren Toleranz als in einer normalen Klasse gepflegt werden. „Wir haben genug Talente auf hohem Niveau. Sie müssen nur gefördert werden“, lautete das Credo des Sportwissenschaftlers an der Uni Landau.

Damit erfüllt sich nachträglich ein Wunsch Krubers, dessen Verdienste um die Leichtathletik im Allgemeinen und des LAZ im Besonderen mit der Dieter-Kruber-Halle im Westpfalzstadion gewürdigt worden sind.

Eines ist gewiss: Mit der Einrichtung des Sportzweigs am HFG werden die Verbindungen zwischen Schule und Vereinen noch weiter intensiviert. Davon profitieren beide. Die Schule wird mit den Erfolgen ihrer Schüler einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt, und die Vereine können mit ihren Angeboten werben. Damit ist gewährleistet, dass die Förderung der Talente noch intensiviert wird und niemand mehr durch das Raster fällt, wenn die schulischen Leistungen mit den sportlichen nicht Schritt halten können.