Zweibrücken. Das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken hat am vergangenen Freitag seinen Talent-Cup in der Dieter-Kruber-Halle durchgeführt. Merkur-Redakteur Werner Kipper unterhielt sich mit dem verantwortlichen LAZ-Trainer Matthias Brockelt (Foto: pma) über die Ergebnisse und deren Aussagekraft.

Sie organisieren schon seit Jahren den LAZ-Talent-Cup. Gab es in diesem Jahr etwas Außergewöhnliches aus Ihrer Sicht?

Matthias Brockelt: Ja, außergewöhnlich war die Rekordteilnehmerzahl von 348 Schülern und Schülerinnen von 13 Grundschulen und sechs weiterführenden Schulen. Das gab es in den elf Jahren LAZ-Talent-Cup noch nie. Allein bei den Jungen des Jahrganges 2001 waren 41 Schüler am Start. Das gab es noch nie. Überragend sind auch die Punktzahlen der Einzelsieger. Gesamtsieger Sebastian Legrum vom Hofenfels-Gymnasium (HFG) erreichte mit 7230 Punkten einen neuen Rekord. Lea Faltermann, ebenfalls vom HFG, überzeugte mit sehr guten 6395 Punkten.

Dient der Talent-Cup auch der Außendarstellung des Bundesleistungszentrums in Zweibrücken?

Matthias Brockelt
Matthias Brockelt
Brockelt: Natürlich. Das LAZ ist ein erfolgreicher Sympathieträger der Stadt Zweibrücken. Besonders die Grundschulen im Raum Zweibrücken nehmen, unterstützt durch ihre Sportlehrer und Eltern, regelmäßig mit enormen Schülerzahlen teil. Der LAZ-Talent-Cup ist seit elf Jahren ein fester Bestandteil im Terminkalender nicht nur der Schulen im Raum Zweibrücken.

Verspüren Sie schon Auswirkungen der demografischen Entwicklung?

Brockelt: Nein, im Gegenteil, wie die Rekordteilnehmerzahl eindrucksvoll unterstreicht. Als entscheidende Gründe dafür sehe ich unsere Kontinuität sowohl in unserer Talentsichtung, als auch in unseren sportlichen Erfolgen. Besonders 2010 konnten Kristina Gadschiew, Till Wöschler und Raphael Holzdeppe weltweit für das LAZ glänzen. Diese Erfolge locken natürlich vermehrt Schüler und ihre Eltern zur LAZ-Talentsichtung in unsere Halle.

In diesem Jahr haben Sie die Jahrgänge 1997 bis 2003 getestet? Sind das die Altersgruppen mit den größten Entwicklungsmöglichkeiten?

Brockelt: Ja. Die Schüler mit den größten Entwicklungsmöglichkeiten sind diejenigen, welche sich noch zu Beginn des motorisch besten Lernalters, also zwischen acht und zwölf Jahren, befinden. In diesen Altersklassen fällt es den Kindern leichter, technische Bewegungsabläufe durch gezielte Methodik zu erlernen.

Die besten Sechs eines jeden Jahrgangs werden vom Verein zum Training eingeladen. Wie groß ist der Schwund unter dem Nachwuchs nach rund einem Jahr?

Brockelt: Rund 20 Kinder nutzen jährlich ihren gewonnenen Talentgutschein. Wie viele Athleten dauerhaft dem LAZ erhalten bleiben, ist spekulativ. Allein wenn nur alle fünf Jahre ein hoffnungsvoller Bundeskader-Athlet an die Spitze kommt, hat sich unser Aufwand gelohnt. Wir fahren hier eine andere Philosophie als beispielsweise der USC Mainz oder Vereine aus Saarbrücken und Frankfurt, die eher in sogenannte fertige Athleten investieren. Unser Talent-Cup hilft dem LAZ, Jahr für Jahr hoffnungsvolle junge Talente zu rekrutieren. Nicht zuletzt haben wir, dank unserer auch überregional anerkannten Nachwuchssichtung, unsere Nationalmannschaftsathleten Raphael Holzdeppe, Andrea Müller und Natasha Benner entdeckt. Weitere hierbei bereits gesichtete Schüler, wie Nils Wöschler, Pascal Enders, Johanna Felsmann, Lea Faltermann und Sebastian Legrum, haben das Potenzial, einen erfolgreichen Weg in der Leichtathletik zu beschreiten.

Welche Aussagekraft messen Sie diesem leichtathletischen Fünfkampf bei?

Brockelt: Es werden für den leichtathletischen Mehrkampf entscheidende Kriterien getestet: Mit diesem mehrkampfrelevanten Testverfahren sind die konditionellen Eigenschaften übergeprüft, welche für einen Mehrkämpfer zum Tragen kommen. Nur wer „Wettkampfhärte“ zeigt, wird auf lange Sicht im „Haifischbecken“ Leistungssport bestehen. Wer in allen fünf Disziplinen hervorragende Leistungen erzielt, hat das Rüstzeug zum Mehrkämpfer, dem sogenannten „König der Athleten“. Wer im Dreier-Hopp, Sprint oder Schocken nicht mindestens sehr gute Ergebnisse erzielt, wird in den Schnelligkeits- und Schnellkraft-Disziplinen der Leichtathletik nicht zur absoluten Spitze stoßen.

Sind die LAZ-Kaderathleten, wie etwa Raphael Holzdeppe, Till Wöschler oder Kristina Gadschiew, die den Test begleiten, ein Ansporn für den Nachwuchs?

Brockelt: Natürlich, wer von einem Weltmeister oder einem erfolgreichen Olympiateilnehmer als Riegenführer betreut wird, strengt sich natürlich besonders an.

Welche Anforderungen werden in den kommenden Monaten an die gesichteten Talente gestellt?

Brockelt: Die jungen Talente bekommen in unseren Schüler-Mehrkampf-Trainingsgruppen eine breitgefächerte leichtathletische Grundausbildung. Das heißt, sie erhalten das Rüstzeug für alle Lauf-, Sprung- und Wurfdisziplinen. Den größten Vorteil in Zweibrücken sehe ich darin, dass wir hier ohne Störfaktoren unsere Periodisierung geduldig durchziehen können. Somit ist es möglich, die sportliche Entwicklung der gewonnenen Talente langfristig zu formen. Es kommen immer häufiger Anfragen von Kindern, die direkt mit dem Speerwurf loslegen wollen, wie ihr Vorbild Till Wöschler, oder die meinen, direkt Stabhochspringen zu können, wie ihre Idole Raffael Holzdeppe und Kristina Gadschiew. Diese Kinder müssen zunächst eine breite leichtathletische Grundausbildung möglichst aller Techniken in unseren Schüler-Trainingsgruppen durchlaufen, bevor sie spezieller auf eine Schwerpunktdisziplin trainieren.

Welche Unterstützung brauchen Sie von den Eltern?

Brockelt: Der Rückhalt und die Unterstützung durch die Familie spielen heutzutage natürlich eine entscheidende Rolle. Fahrdienste und Engagement für den Sport ihres Kindes stellt eine nicht zu unterschätzende zeitliche Belastung dar. Zudem in den modernen Familien der Trend besteht, immer mehr Interessen des Kindes zu unterstützten. Die Eltern sollten außerdem entsprechend unserer Philosophie nicht auf kurzfristige Erfolge ihrer Kinder aus sein. Familiärer Rückhalt, Kontinuität, langfristiger Trainingsaufbau, Talent, sehr gute Trainingsbedingungen und Freunde sind entscheidende Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Sportlerkarriere.
Gesamtsieger des LAZ-Talent-Cups 2010: Sebastian Legrum und Lea Faltermann
Sebastian Legrum mit der der Rekordpunktzahl von 7230 und Lea Faltermann mit 6395 Zählern (beide Hofenfels-Gymnasium) waren die Gesamtsieher des LAZ-Talent-Cups. Foto: Verein
360-Meter-Lauf des Talent-Cups 2010
Im 360-Meter-Lauf werden die Schüler auf ihre Eignung für den Langsprint und die Mittelstrecke überprüft. Foto: Marco Wille

Ergebnisse des LAZ-Talent-Cup 2010:

Mädchen:
Jahrgang 1997:
  • 1. Janina Müller (5725 Punkte)
  • 2. Charlotte Beck (5215)
  • 3. Ellen Depold (5125)
  • 4. Caroline Moser (4785)
  • 5. Simone Moser (4785)
  • 6. Miriam Hergenröder (3390)
Jahrgang 1998:
  • 1. Laura Albrecht (4930)
  • 2. Tina Gabteni (4460)
  • 3. Nicole Wesner (4400)
  • 4. Michelle Moschel (4390)
  • 5. Anna Semar (4285)
  • 6. Jaqueline Emge (2180)
Jahrgang 1999:
  • 1. Lea Faltermann (5895)
  • 2. Cheyenne Willms (4735)
  • 3. Vaishane Jehannchan (4190)
  • 4. Nicol Rogula (4060)
  • 5. Enisa Sciri (4050)
  • 6. Eliana Papa (3915)
Jahrgang 2000:
  • 1. Annalena Frank (4885)
  • 2. Laura Sophie Grim (4770)
  • 3. Sofia Schwenkreis (4450)
  • 4. Lili Theisohn (3880)
  • 5. Nele Schneider 83770)
  • 6. Celina Siegrist (3675)
Jahrgang 2001:
  • 1. Jana Faltermann (4665)
  • 2. Helen Vedder 84455)
  • 3. Amelie Kiehm (4290)
  • 4. Angelina Striegel-Heler (4110)
  • 5. Lisa-Margaux Schmuhl (3890)
  • 6. Paula Preuße (3875)
Jahrgang 2002:
  • 1. Lilian Göritz (3605)
  • 2. Nelly Stricker (3510)
  • 3. Selina Klass (3325)
  • 4. Mara Straube (3165)
  • 5. Charlotta Grünning (3030)
  • 6. Vera Schmitt (3005)
Jahrgänge 2003/04:
  • 1. Linda Ziemerle (2640)
  • 2. Aimee Reichert (2485)
  • 3. Jana Hettrich (2270)
  • 4. Josefine Wunderberg (2035)
  • 5. Michelle Bechtel (1745)
  • 6. Selina Weber 81255)
Jungen:
Jahrgang 1998:
  • 1. Philip Fuhrmann (5860)
  • 2. Julius Ferber (5500)
  • 3. Jonas Klein (5450)
  • 4. Robin Stegner (5275)
  • 5. Adrian Wolf (5200)
  • 6. Alex Reichert (5055)
Jahrgang 1999:
  • 1. Sebastian Gabteni (5195)
  • 2. Nicolas Hasselbach (5175)
  • 3. Dustin Blinn (4845)
  • 4. Tim Kirchner 84575)
  • 5. Daniel Hisinger (4405)
  • 6. Gino Sonndag (4070)
Jahrgang 2000:
  • 1. Joshua Bernhardt (4365)
  • 2. Marvin Marterer (4330)
  • 3. Kevin Reiter (4295)
  • 4. Noak Andreas (4265)
  • 5. Devin Reichert (4205)
  • 6. Nico Frey (4165)
Jahrgang 2001:
  • 1. Marcel Theisohn (4450)
  • 2. Lukas Rentso (4265)
  • 3. Florian Hergert (4175)
  • 4. Robin Crauser (4100)
  • 5. Dominik Schneider (4020)
  • 6. Ilyas Bulut (3840)
Jahrgang 2002:
  • 1. Fynn Fritsche (3630)
  • 2. David Hipskind (3595)
  • 3. Constantin Semar (3420)
  • 4. Jonas Werner (3025)
  • 5. Lars Reinheimer (3000)
  • 5. Philip Kranz (3000)
Jahrgänge 2003/04:
  • 1. Justin Brown (2990)
  • 2. Yanik Krauß (2870)
  • 3. Lars Klein (2860)
  • 4. Tim Wochall (2089)
  • 5. Corvin Hemmer 82030)
  • 6. Marvin Euler (2005)
Gesamtwertung weiblich:
  • 1. Lea Faltermann (6395)
  • 2. Janina Müller (5725)
  • 3. Jana Faltermann (5665)
  • 4. Annalena Frank (5635)
  • 5. Laura Albrecht (5180)
  • 6. Lilian Göritz (4855)
Gesamtwertung männlich:
  • 1. Sebastian Legrum (7230)
  • 2. Philip Fuhrmann (6110)
  • 3. Sebastian Gabteni (5696)
  • 4. Marcel Theisohn (5450)
  • 5. Joshua Bernhardt (5365)
  • 6. Fynn Fritsche (4880)
Gesamtwertung Grundschulen:
  • 1. GS Sechsmorgen (43030)
  • 2. GS Breitwiesenschule (40600)
  • 3. GS Contwig (37040)
  • 4. GS Albert-Schweitzer (36880)
  • 5. GS Pestalozzi (34810)
  • 6. GS Stambach (33105)