Zweibrücken. Das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken veranstaltet heute in der Dieter-Kruber-Halle im Westpfalzstadion seinen traditionellen Talent-Cup. Merkur-Redakteur Werner Kipper sprach mit dem hauptamtlichen LAZ-Trainer Matthias Brockelt (Foto: pma).

Welche Bedeutung messen Sie dem Talent-Cup zu?

Matthias Brockelt
Matthias Brockelt

Brockelt: Unser Talent-Cup hilft dem LAZ Jahr für Jahr, hoffnungsvolle junge Talente zu rekrutieren. Nicht zuletzt haben wir, dank unserer auch überregional anerkannten Nachwuchssichtung, unsere Nationalmannschaftsathleten Raphael Holzdeppe, Andrea Müller und Natascha Benner entdeckt. Weitere hierbei bereits gesichtete Schüler wie Nils Wöschler, Pascal Enders, Johanna Felzmann und Sebastian Legrum haben das Potenzial, einen erfolgreichen Weg in der Leichtathletik zu beschreiten.

Jeweils mehrere Hundert Kinder stellen sich diesem leichtathletischen Mehrkampf. Wie viele schließen sich dem LAZ an?

Brockelt: Zirka 20 Kinder nutzen jährlich ihren gewonnenen Talentgutschein. Wie viele Athleten dauerhaft dem LAZ erhalten bleiben, ist spekulativ. Wenn nur alle fünf Jahre ein hoffnungsvoller Bundeskader-Athlet an die Spitze kommt, hat sich unser Aufwand gelohnt. Wir fahren in Zweibrücken eine etwas andere Philosophie als beispielsweise der USC Mainz oder Vereine in Saarbrücken, die eher in sogenannte fertige Athleten investieren.

Werden die wesentlichen leichtathletischen Grundvoraussetzungen getestet?

Brockelt: Ja, es werden für den Mehrkampf entscheidende Kriterien getestet: Mit diesem mehrkampfrelevanten Testverfahren werden die konditionellen Eigenschaften übergeprüft, welche für einen Mehrkämpfer zum Tragen kommen. Nur wer Wettkampfhärte zeigt, wird auf lange Sicht im Haifischbecken Leistungssport bestehen.

Welche Aussagekraft haben für Sie die Ergebnisse?

Brockelt: Wer in allen fünf Disziplinen hervorragende Leistungen erzielt, hat das Rüstzeug zum Mehrkämpfer, dem sogenannten König der Athleten. Wer im Dreier-Hopp, Sprint oder Schocken nicht mindestens sehr gute Ergebnisse erzielt, wird in den Schnelligkeits- und Schnellkraft-Disziplinen der Leichtathletik nicht zur absoluten Spitze stoßen können.

Wie definieren Sie in Anlehnung an den Wettkampf ein Talent?

Brockelt: Ein Talent für die Schnellkraftdisziplinen der Leichtathletik ist ein Schüler, der in mindestens einer der oben genannten drei Testparameter unseres Talent-Cups sehr gute Ergebnisse erzielt.

Gibt es für Sie und das LAZ noch weitere Kriterien, Talente zu sichten?

Brockelt: Natürlich! Ich gehe direkt in die Schulen, um erneut zu testen, erhalte Ergebnisse der Schulleichtathletik oder gebe Leichtathletik-Projekte. Besonders in meiner aktuellen Projektgruppe am Hofenfels-Gymnasium, den Siebenklässlern, befindet sich eine ungewohnt hohe Anzahl von sehr talentierten Leichtathleten. Mein besonderer Dank gilt den Sportlehrern Renate Felten und Michael Dorda, die meine Kooperation mit dem Hofenfels-Gymnasium toll unterstützen. Der gute Sportunterricht fängt aber bereits an unseren Grundschulen in und um Zweibrücken an.

In welchem Alter sehen Sie die größten Entwicklungschancen?

Brockelt: Im motorisch besten Lernalter zwischen acht und zwölf Jahren.

Können Sie die Aussage Ihres Vorsitzenden Josef Scheer unterstreichen, dass von 1000 Talenten es eines bis in die Spitze schafft?

Brockelt: Wenn wir einmal die Spitze mit EM, WM oder Olympiateilnahme definieren, könnte das passen. Wenn wir von einem zukünftigen Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen reden, dann ist es meiner Meinung nach von 100 000 Talenten höchstens einer, der das packt!

Was muss ein Talent zusätzlich mitbringen?

Brockelt: Die Antwort möchte ich etwas differenzieren: Ein bereits entwickeltes Talent, welches sein leichtathletisches Können im nationalen Spitzenbereich bereits gezeigt hat, muss über mentale Stärke, oder die Bereitschaft, sich mentale Stärke gegebenenfalls vom Sportpsychologen anzueignen, verfügen. Zusätzlich bedarf es einer überdauernden Motivation, nahezu alles den eigenen sportlichen Zielen unterzuordnen. Diese Eigenschaft kann langfristig entwickelt werden. Denn wer zu früh zu schnell hochtrainiert, um kurzfristige Erfolge zu feiern, kann sehr tief fallen. Auch ein intaktes Umfeld aus Familie, Freunden und Leistungsport ist erstrebenswert und hilft diese überdauernde Leistungsbereitschaft zu entwickeln.

Wie sieht die Talentförderung beim LAZ aus?

Brockelt: Das LAZ bietet seinen Athleten ein optimales Trainingsumfeld. Das sich in der Spitze aus Diplomsportlehrern, A-Trainern, ehemaligen Weltklasseathleten, Bundes- und Landestrainern rekrutierende Trainerteam ist im überregionalen Vergleich einzigartig. Das Bundesleistungszentrum Zweibrücken hat es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Kinder und Jugendliche in die nationale Spitze zu führen, um dann einige davon international konkurrenzfähig zu machen. Das ist uns in den vergangenen Jahren besser als anderen Vereinen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland gelungen, wie zum Beispiel der Gewinn dreier Weltmeistertitel, Medaillen bei Olympischen Spielen und bei Europameisterschaften, sowie über 50 Deutsche Meistertitel in den letzten 15 Jahren gezeigt haben.

Werden Sie auch von Sportlehrern in den Schulen auf sogenannte Talente aufmerksam gemacht? Oder müssen Sie sich auf ihre alleinige Sichtung stützen?

Brockelt: Da sich unser Talent-Sichtungs-System seit über 15 Jahren in Zweibrücken etabliert hat, schicken uns Schulen natürlich ihre Talente. Doch besonders unsere großen Erfolge der letzten Jahre machen Eltern und ihren Kindern große Lust auf Leichtathletik beim LAZ. Diese Kinder müssen natürlich zunächst eine breite leichtathletische Grundausbildung möglichst aller Techniken in unseren Schüler-Trainingsgruppen durchlaufen, bevor sie spezieller auf eine Schwerpunkdisziplin trainieren.

Was macht das LAZ bei seiner Talentförderung eigentlich so erfolgreich?

Brockelt: Eine einzigartige Mischung aus sportlichen Erfolgen, hervorragender Talentsichtung und tollen Trainingsbedingungen am Bundesleistungszentrum Zweibrücken.

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