Zweibrücken. Das Stehaufmännchen der letzten Jahre will nicht mehr: Wegen einer jahrelang anhaltenden Verletzungsmisere macht der Zweibrücker Till Wöschler, Speerwerfer des TSV Bayer 04 Leverkusen, Schluss mit dem Leistungssport in der Leichtathletik. Wöschler hat aber schon ein neues sportliches Tätigkeitsfeld als Ausgleich gefunden: Er spielt, wie schon in der Jugend, wieder Handball beim SV 64 Zweibrücken.

Dabei dachte der 25-Jährige durchaus, er könnte nach etlichen verletzungsträchtigen Jahren noch mal ein Comeback im Speerwurf schaffen. Noch im Juli 2015 hatte er sich extra am Ellenbogen operieren und die Achillessehne eines Toten einsetzen zu lassen – alles im Hinblick darauf, im Jahr 2016 vielleicht die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro zu schaffen. „Über den Winter lief auch alles super“, sagte der Zweibrücker, der seit Januar 2015 für den TSV Bayer 04 Leverkusen seine Speere warf, über den Wiederaufbau. „Dass ich fünfeinhalb Monate nach der OP erst mal nicht werfen konnte, war durchaus einkalkuliert.“

Auch die vorbereitenden Trainingslager im Frühjahr seien überraschend gut gelaufen, doch Anfang Mai habe er sich eine Muskelverhärtung im rechten Adduktor zugezogen. Beim Training im türkischen Belek habe er dann einen Stich im unteren Schambeinansatz verspürt, „danach ging in den ersten Wettkämpfen gar nichts mehr“, trotz Betäubungsspritzen. Bei der frühen deutschen Meisterschaft, wo er es „noch zu einem guten Ende bringen wollte“ (Wöschler), hätten die Spritzen dann nicht mehr gewirkt, „ich konnte gar nicht mehr anlaufen“. Und nach zwei Wochen Pause brach er sich beim Training in Leverkusen bei einem Stemmschritt dann die linke, unterste Rippe. „Da wusste ich: Das war’s jetzt!“ Rio ade, Saison-Aus inklusive. Danach ging’s erst mal in die Heimat nach Zweibrücken.

Während die übrigen Speerwerfer sich also, auch mit seinem Heimtrainer Helge Zöllkau, auf den Weg in neue Trainingslager und schließlich nach Rio machten, reifte in Till Wöschler der Entschluss, die Speere endgültig in die Ecke zu stellen. Sein Vertrag bei Bayer lief ohnehin im Herbst aus. „Ich habe mir das reiflich überlegt, ich wollte nur ungern so weitermachen“, sagt Wöschler mit Blick darauf, dass es ihn unheimlich viel Kraft kosten würde, wieder den Anschluss an die derzeit starke, deutsche Spitze zu finden. „Wir wollten uns im Herbst unterhalten, Helge Zöllkau hat super reagiert und hatte Verständnis“, erzählt er. „Ich gebe sicher eine große Sache in meinem Leben auf, die mir in den vergangenen zehn Jahren viel Spaß gemacht und neue Horizonte eröffnet hat. Aber in den letzten Jahren war es auch eine Tortur“, merkt der U20-Weltmeister von 2010 und U23-Europameistermeister von 2011 (Bestweite 84,38 Meter) an. „Ich werde die Leichtathletik nicht ganz aus den Augen verlieren, aber jetzt ist sie erst mal Geschichte.“ So wie ab Februar 2017 auch der Job als Stabsunteroffizier in der Sportfördergruppe in Mainz.

Eine neue sportliche Geschichte hat sich indes schon angebahnt: Seit etwa zwölf Wochen spielt Wöschler wieder Handball bei seinem Heimatverein SV 64 Zweibrücken, in der Hauptsache in der zweiten Mannschaft. Allerdings stehen mit den Auswärtsspielen in Hochdorf und in Haßloch auch bereits zwei Drittliga-Einsätze zu Buche. „Beim Handball habe ich keine körperlichen Probleme, ich fühle mich topfit. Am liebsten möchte ich mal mit meinen Brüdern Aris und Nils zusammen in der ersten Mannschaft spielen“, hat Wöschler, der es zwischenzeitlich schon wieder auf vier Handball-Trainingseinheiten wöchentlich bringt, wieder Spaß an der Sportart, die er als Jugendlicher lange betrieben hatte.

In seinem Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln steht zudem jetzt die Bachelor-Arbeit an, Thema mentales Training. Für die berufliche Zeit danach hat Till Wöschler noch keine konkreten Ziele. „Ich schaue mich derzeit um, was ich machen kann und will.“

Sein Hauptsportgerät, den Speer, stellt Till Wöschler wegen andauernder Verletzungsprobleme künftig in die Ecke. Ein erneutes Comeback konnte sich der 25-Jährige nicht mehr vorstellen.
Sein Hauptsportgerät, den Speer, stellt Till Wöschler wegen andauernder Verletzungsprobleme künftig in die Ecke. Ein erneutes Comeback konnte sich der 25-Jährige nicht mehr vorstellen. (Archivfoto: Imago)
Zurück zu den sportlichen Handball-Wurzeln: Schon im Jahr 2014 spielte Till Wöschler (mit Ball) zum 50. Geburtstag des SV 64 Zweibrücken mit den All Stars (vorne rechts Christian Schwarzer) gegen das SV-Team.
Zurück zu den sportlichen Handball-Wurzeln: Schon im Jahr 2014 spielte Till Wöschler (mit Ball) zum 50. Geburtstag des SV 64 Zweibrücken mit den All Stars (vorne rechts Christian Schwarzer) gegen das SV-Team. (Foto: Steinmetz)