Jahresrückblick. Zweibrücken hat im vergangenen Jahr seinen Ruf als Sportstadt untermauert. Wesentlichen Anteil hatten dabei das LAZ und die Wassersportfreunde, die mit nationalen und internationalen Erfolgen und Auftritten Werbung betrieben.

Das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken bleibt das Nonplusultra im Zweibrücker Sport. Das hat das Bundesleistungszentrum auch 2010 eindeutig unter Beweis gestellt. Die Athleten sorgten querbeet vom Stabhochsprung, über den Hürdensprint, die Mittelstrecken bis hin zum Speerwurf für Leistungen, die nicht nur national, sondern auch international für Aufsehen gesorgt haben.

Der absolute Shootingstar war Speerwerfer Till Wöschler. Der 19-Jährige überragte mit dem Titel bei der U 20-Weltmeisterschaft in Moncton mit 83,52 Metern am 24. Juli. Der Abiturient am Hofenfels-Gymnasium, nach seinem Grundwehrdienst in der Sportfördergruppe in Mainz zu Hause, ist in dieser Saison über sich hinausgewachsen ist. Was bei 1,96 Meter recht schwierig ist.

Sorgsam vom hauptamtlichen LAZ-Trainer Matthias Brockelt aufgebaut, hat der Zweibrücker von den Winterwurfmeisterschaften bis hin zum WM-Titel alles gewonnen. Till Wöschler hat sich in den vergangenen zwei Jahren von etwas über 67 Meter auf die neue Weltklasseweite gesteigert. Seine erneute Verbesserung um über acht Meter blieb auch international nicht ungehört. Er wurde am 23. November in Monte Carlo als „Rising Star“ vom Internationalen Leichtathletik-Verband als international größtes Nachwuchstalent ausgezeichnet.

Dies ist die Krönung einer einzigartigen Saison, bei der sich der neue B-Kaderathlet des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) von Wettbewerb zu Wettbewerb bis zum „galaktischen Wurf“ (Brockelt) bei der WM in Kanada gesteigert hatte. Er hat 2010 keinen Wettkampf bei den Junioren verloren. Er ragt damit aus den neun DLV-Kaderathleten des LAZ, der gleichen Anzahl wie 2009, heraus, nachdem Franziska Kappes ins Internat zu Bayer Leverkusen gewechselt ist.

Im vergangenen Jahr hatte Stabhochspringerin Kristina Gadschiew mit ihrer WM-Teilnahme in Berlin ein Zeichen gesetzt. Doch die 26-jährige Lehramtsstudentin für Chemie und Sport hat nicht enttäuscht und ihre Bestleistungen auf 4,58 Meter in der Halle und 4,60 im Freien gesteigert. Ihren Saisonhöhepunkt hatte die Sportlerin des Jahres des Deutschen Hochschulverbandes bei der Hallen-WM im März in Katar, dem Fußball-WM-Standort 2022. Mit ihrem siebten Platz im Finale hatte sie die Erwartungen erfüllt. Sie erfüllten sich im Sommer trotz Leistungssteigerung nicht. Mit dem undankbaren vierten Platz bei den Deutschen Meisterschaften mit 4,40 Meter verpasste sie die EM-Teilnahme in Barcelona. Für ihre Leistung spricht, dass der Schützling von Bundes- und Heimtrainer Andrei Tivontchik ebenfalls zum Perspektivkader des DLV für die Olympischen Spiele 2012 in London zählt.

Mit der EM-Zuschauerrolle musste sich auch 110-Meter-Hürdensprinter Marlon Odom als DM-Dritter begnügen, nachdem er im Vorfeld seine Bestleistung auf auf auf 13,50 Sekunden kunden mit Trainer Karl-Heinz Werle gegesteigertgert hatte. Als DM-Zweiter war dagegen Raphael Holzdeppe, der Olympia-Achte 2008 in Peking im Stabhochsprung, noch auf den EM-Zug aufgesprungen und wurde Neunter mit 5,60 Meter. Zuvor hatte der 21-Jährige seine Bestleistung von 5,80 Meter eingestellt. Auch er gehört zum Perspektivkader 2012. In der deutschen Spitze hat sich die Mittelstrecklerin Aline Krebs aus Einöd unter Trainer Thomas Zehfuß als Fünfte der DM über 800 Meter etabliert.

Auch der Nachwuchs drängt nach vorne und setzte bei den nationalen Titelkämpfen, wie etwa Stabhochspringer Daniel Clemens, Maßstäbe. Er musste sich nach der Jugend-Hallenmeisterschaft nur knapp im Freien geschlagen geben und verpasste die Quali für die erstmals ausgetragene Jugend-Olympiade in Singapur. Das LAZ wurde durch Stabhochspringerin Michaela Donie vertreten. Allerdings scheiterte die Mauschbacherin im Finale an ihren Nerven. Das LAZ ist in den kommenden Jahren mit C- und C/D-Kader-Athleten im Nachwuchsbereich, wie etwa Speerwerferin Sarah-Cathrin Krieg, die ihre Bestweite auf 49,37 Meter steigerte, gut aufgestellt.

Doch Erfolge haben bekanntlich ihren Preis. Das musste auch der LAZ-Vorsitzende Josef Scheer im November erkennen, als er mit dem 110-Meter-Hürdensprinter Jens Werrmann keinen gemeinsamen finanziellen Nenner fand. Der 25-jährige Bundespolizist, der mit Bestzeiten von 13,51 Sekunden gestartet war, musste bereits vor der DM im Juni die Saison wegen eines doppelten Bänderrisses am Knöchel beenden. Er startet nunmehr für das LAZ Leipzig.

Dass das LAZ ein Zugpferd in Zweibrücken ist, bewies der 11. Talent-Cup im Dezember, als über 320 Jugendliche der Jahrgänge 1997 bis 2003 für eine Rekordzahl beim leichtathletischen Fünfkampf-Test sorgten.

Auch die Homburger Leichtathleten, allen voran Zehnkämpfer Simon Hechler als Deutscher Mehrkampfmeister, überzeugten mit vorderen Platzierungen in diesem Jahr.

Von Sportverdrossenheit ist in Zweibrücken nichts zu spüren, wie dies auch der neue Sportamtsleiter Thomas Deller beim Merkur-Sportstammtisch mit Zahlen belegte. Denn über 42 Prozent der Zweibrücker Bürger treibt Sport. Dies zeigt sich auch in den Hallenbelegungen, wo nicht allen Wünschen Rechnung getragen werden kann, wie die jüngsten Querelen zwischen den Handball-Oberligisten VTZSaarpfalz und dem SV 64 Zweibrücken bewiesen haben. Der Stachel zwischen diesen beiden Vereinen sitzt tief nach den gescheiterten Fusionsverhandlungen zu Beginn des Jahres. Allerdings hat diese Konkurrenzsituation dazu geführt, dass annähernd 1000 Zuschauer beim Oberliga-Stadtderby im November in der Westpfalzhalle für eine Rekordkulisse gesorgt haben. Die VTZ gewann mit 35:28.

Doch während VTZ und SV 64 noch auf Hallenzeiten verweisen können, mussten die Skaterhocker der VTZ-Snipers im Januar den Spielbetrieb in der Zweiten Bundesliga Süd einstellen. Die Sporthalle auf dem Kreuzberg musste wegen ihrer maroden Bausubstanz gesperrt werden. Bis heute wurde, trotz intensiver Bemühungen, kein Ersatz gefunden, da die notwendige Bande in keiner Halle dauerhaft installiert werden konnte.

Wie erfolgsorientiert der Sport ist, musste auch der Trainer der VTZ-Saarpfalz, Christoph Luck, erfahren. Im Mai aus der Regionalliga nach einer Ligen-Reform des Deutschen Handball-Bundes in die Oberliga abgestiegen, erfüllten die Spieler um die Mannschaftskapitäne Philip Wiese und Johannes Leffer nicht die sportlichen Erwartungen. Nach einer klaren Niederlage beim TV Moselweiß trat der 34-jährige gebürtige Hasseler zurück, und der Trainer der Saarlandliga-Mannschaft, Andreas Grub, sprang erneut in die Bresche. Doch die sportliche Talfahrt der ambitionierten Handball-Individualisten konnte auch der 42-jährige Gymnasiallehrer vorerst nicht stoppen. Die VTZ-Saarpfalz ist aus der Spitzengruppe gerutscht.

Ernst der Lage erkannt

Nicht ernst genommen haben zunächst die Spieler des Liga-Konkurrenten SV 64 die Warnungen ihres Trainers Stefan Bullacher. Angesichts der vier Regionalliga-Absteiger sagte er „eine schwere Saison“ für seine Mannschaft voraus. Sie dürfe sich nicht auf dem hervorragenden Platz drei aus der vergangenen Runde ausruhen. Nach einem Kreuzbandriss von Marian Müller bei der HF Illtal schweben die Zweibrücker, die Bullacher schon im 16. Jahr (!) trainiert, in Abstiegsgefahr. Nach 9:1 Punkten, darunter ein spektakulärer 34:31-Heimsieg gegen den Titelanwärter SG Saulheim, ist der Anschluss ans Mittelfeld geglückt.

Doch kann sich der SV 64 auf eine fundierte Jugendarbeit stützen. Das wird dadurch belegt, dass die B-Jugend in die Regionalliga aufgestiegen ist und die übrigen Jugendmannschaften in der Oberliga eine herausragende Rolle spielen.

Einen neuen Anlauf nehmen der TV Homburg nach seinem Oberliga-Abstieg und die Aufsteiger TV Kirkel (Saarlandliga) und der ehemalige Bundesligist TV Niederwürzbach (Verbandsliga).

Vereine legen die Basis

Wie sehr die Zweibrücker Schulen von der Kärrnerarbeit der Vereine in Zweibrücken und Umgebung mit ihren vielen ehrenamtlichen Helfern profitieren, soll an zwei Beispielen beim Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ verdeutlicht werden. Die Mädchen des Helmholtz-Gymnasiums sicherten sich in der Wettkampfklasse (WK) IV beim Frühjahrsfinale in Berlin mit Jill Grunder, Kim Grunder, Anatoli Kasanski, Anne Meister und Emma Meister den Bundessieg, der mit einer Einladung des Bundesbildungsministeriums zum „Tag der Talente“ honoriert wurde. Die von Birgit Geib-Becker und Sonja Rayer (beide VTZ) trainierten Nachwuchsturner hatten sich im Landesfinale hauchdünn gegen das Hofenfels-Gymnasium durchgesetzt. Die Basis zu diesen Leistungen wird bei der VTZ und VT Contwig gelegt. Aber auch die VT Niederauerbach stellt Riegen bei Gau- und Pfalzmeisterschaften.

Eine Bank in Berlin sind schon seit Jahren die Tischtennismannschaften des Hofenfels-Gymnasiums, auch Partnerschule des Sports in Kooperation mit dem LAZ, unter Betreuer Karl Otto Stengel. In der WK III belegten sie überraschend den zweiten Platz mit Denise Hussong, Natasha Drackert, Lena Quach, Kerstin Wrobel, Laura Molter, Vanessa Colling und Louisa Witzgall. Die HFGler verloren erst das Finale mit 2:5 gegen das Lessing-Gymnasium Düsseldorf.

Zu den Tischtennis-Aufsteigern in diesem Jahr zählen die erste Damenmannschaft des TTC Mittelbach (Erste Pfalzliga) und die VT Zweibrücken (Zweite Pfalzliga West), wobei beide unter den ersten Vier eine ausgezeichnete Vorrunde gespielt haben. In beiden Mannschaften haben sich die Nachwuchskräfte Denise Hussong (Mittelbach) und „der Sportler des Jahres der VTZ“, Markus Schließmeyer, mit zwölf und 13 Jahren schon einen Stammplatz erkämpft. Beide belegen in den Ranglisten des Pfälzischen Tischtennisverbandes in ihren Altersklassen Spitzenplätze. Nicht zu vergessen die Damen der BTTF Zweibrücken, die schon seit Jahren in der Zweiten Pfalzliga West spielen.

Nicht rund läuft es beim Regionalliga-Aufsteiger, TV Limbach. Trotz der spektakulären Neuverpflichtung von Doppel-Weltmeister Steffen Fetzner liegt die Mannschaft nach der Vorrunde am Tabellenende und muss vermutlich in die Oberliga absteigen. Einen neuen Rekord mit 2700 Zuschauern stellten die Zweitliga-Basketballer der Saar-Pfalz Braves gegen Bayern München im Dezember in Erbach auf.

LAZ-Speerwerfer und Junioren-Weltmeister 2010 Till Wöschler
Der 19-jährige Speerwerfer Till Wöschler war mit seinem Titel bei der U 20-Weltmeisterschaft in Kanada der herausragende Athlet des LAZ Zweibrücken in diesem Jahr. Foto: pma/Hensel