Beinahe hätte es für Titelverteidiger Raphael Holzdeppe ein böses Erwachen gegeben. Erst im dritten und letzten Versuch meisterte der amtierende Weltmeister die geforderte Qualifikationshöhe von 5,70 Metern.

Peking. Spannender als von vielen gedacht machte es Stabhochspringer Raphael Holzdeppe bei seiner ersten Teilprüfung beim Unternehmen Titelverteidigung im „Vogelnest“ von Peking. Der Weltmeister von 2013 erreichte am Samstag nur mit viel Mühe das Finale der besten 16, das heute um 13.05 Uhr (19.05 Uhr Ortszeit) ausgetragen wird. In der Qualifikation stieg Holzdeppe erst bei 5,70 Metern ein – und scheiterte dann mit seinen ersten beiden Sprüngen. Erst im dritten Durchgang meisterte der 25Jährige vom LAZ Zweibrücken die für die Final-Teilnahme erforderliche Höhe. Erleichtert packte sich der Titelverteidiger nach dem gelungenen Versuch an den Kopf. „Es geht doch“ schien er sagen zu wollen, und ballte dann beide Fäuste. Die Erleichterung ist Holzdeppe anzumerken. „Vor dem dritten Versuch haben die Nerven schon ein bisschen verrückt gespielt. Aber Ende gut, alles gut. Ich habe das Finale erreicht – und nur das zählt“, sagte er anschließend.

Den Verlauf des Wettkampfs nannte er zwar „extrem nervenaufreibend“. Trotzdem verteidigte er seine riskante Entscheidung, erst bei 5,70 Metern einzusteigen. „Es war abzusehen, dass bei 5,65 Metern sehr viele Leute sehr viele Sprünge machen werden. Ich wollte keine lange Pause haben“, erklärte der Weltmeister. „Die Bedingungen waren eigentlich gut. Wir Stabhochspringer lieben ja einen leichten Rückenwind, aber im ersten Versuch habe ich zu viel gehabt und meine Marke nicht getroffen.“

Auch Holzdeppes Trainer Andrei Tivontchik hat die Qualifikation viele Nerven gekostet. „Ich hab schon gezittert. So war das eigentlich nicht geplant“, erklärte der Olympiadritte von 1996. Bis zum Finale werde man sich „noch ein bisschen einspringen und voll konzentriert in den Wettkampf gehen“.

Neben Holzdeppe erreichten auch der WM-Favorit Renaud Lavillenie aus Frankreich sowie der Deutsche Tobias Scherbarth das Finale. Beide übersprangen die 5,70 Meter bereits im ersten Versuch. „Spaß haben und genießen sind reine Floskeln. Eine Qualifikation ist harte Arbeit“, sagte Scherbarth. „Jetzt freue ich mich auf das Finale. Vorher konnte ich hier nichts genießen.“ Der Leverkusener war durch leichte Rückenprobleme gehandicapt. „Ich wusste: Wenn ich bei 5,70 Metern in den zweiten Versuch muss, wird es körperlich eng“, meinte er. Der dritte deutsche Springer Carlo Paech schied mit 5,65 Metern aus.

Es geht doch: Titelverteidiger Raphael Holzdeppe musste lange um den Einzug in das Finale bangen.
Es geht doch: Titelverteidiger Raphael Holzdeppe musste lange um den Einzug in das Finale bangen. (Foto: Christian Charisius/dpa)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)