Zweibrücken. Seinen Saisoneinstieg musste Raphael Holzdeppe verschieben, ausgerechnet beim heimischen Himmelsstürmer-Cup nach dem Aufwärmen passen. Probleme mit dem Oberschenkel-Beuger zwangen den Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken erneut eine kleine Pause einzulegen, nachdem er seine Fußverletzung aus dem Winter gerade auskuriert hatte. Hinsichtlich der anstehenden DM am Wochenende in Kassel – und des Meisterns der Olympianorm – zeigt sich der 26-Jährige aber zuversichtlich, wie er im Gespräch mit Merkur-Redakteurin Svenja Hofer erklärt. Dort blickt er auch auf seine bisherigen Olympia-Starts zurück.

Den geplanten Saisoneinstieg vor heimischem Publikum hatten Sie sich sicher anders vorgestellt. Wie sieht es mit den leichten Verletzungsproblemen mittlerweile aus?

Raphael Holzdeppe: Natürlich hätte ich mir den Auftakt anders erhofft, aber es war einfach eine Vorsichtsmaßnahme, um jetzt nicht irgendeine große Verletzung zu riskieren. Im Moment bin ich auch wieder auf einem guten Weg, bin jetzt noch in physiotherapeutischer Behandlung. Bis allerspätestens Donnerstag sollte alles wieder behoben sein, für Kassel besteht absolut keine Gefahr.

Demnach steigen Sie nun am Wochenende bei den deutschen Meisterschaften in die Saison ein, lässt Stockholm am Donnerstag aus?

Holzdeppe: Richtig, Stockholm lasse ich weg, um den Körper einfach die nötige Ruhe zu geben.

Sind Sie weiter zuversichtlich, mit diesem einen Wettkampf zumindest die Norm für die EM in Amsterdam, wenn nicht sogar schon für Olympia meistern zu können?

Holzdeppe: Auf jeden Fall. Ich habe von Anfang an im Winter bei der Verletzung gesagt, ich steige erst in die Saison ein, wenn ich mein Leistungsvermögen auf mindestens bei 5,70 Meter einstufe. Dem ist so, sonst würde ich auch nicht springen. Wenn jetzt nicht das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht, gehe ich davon aus, dass ich 5,70 Meter (Olympia-Norm, Anm. d. Red.) springen werde.

Geben die Trainingseindrücke Ihnen nach der Verletzung im Winter und dem neuerlichen kleinen Rückschlag ausreichend Selbstvertrauen, daran zu glauben, es zu Ihrer dritten Olympia-Teilnahme zu schaffen?

Holzdeppe: Ja, ich bin wirklich super zufrieden, wie der Heilungsprozess und die Trainingsgestaltung in den letzten Wochen gelaufen sind. Ich bin natürlich noch nicht bei 100 Prozent mit meinem Leistungsvermögen, aber ich bin weit genug, um in die Wettkampfsaison einzusteigen und auf jeden Fall, um die Olympianorm springen zu können.

Was nehmen Sie sich für die anstehende DM in Kassel vor, wo Höhe und Platzierung wahrscheinlich beide ausschlaggebend sein können für die Nominierung zu den anstehenden internationalen Meisterschaften?

Holzdeppe: Klar, um Platzierungen geht es auch. Bei einer Meisterschaft springt man normalerweise in erster Linie, um eine gute Platzierung, weniger eine gute Höhe zu erreichen. In meinem Fall ist beides eher gleichberechtigt. Ich möchte natürlich einmal Olympianorm springen, auf der einen Seite werde ich auch versuchen, meinen Titel zu verteidigen. Ich denke, es wird ein spannender Wettkampf, weil Tobias Scherbarth ja schon Norm gesprungen ist und mein Leistungsvermögen schätze ich jetzt im Moment auch so zwischen 5,70 bis 5,75 ein, dementsprechend wird das ein spannendes Duell werden. Vielleicht steigt noch ein Dritter mit ein, das werden wir sehen. Ich habe eigentlich letzten Endes den Fokus auf beides gelegt. Natürlich will ich erst mal die 5,70 Meter meistern, um die Norm abzuhaken, aber ich gehe auch davon aus, dass ich sowieso in diese Region springen muss, um meinen Titel verteidigen zu können. Also läuft beides in dieselbe Richtung.

Sollten Sie die Normen meistern, würde die Europameisterschaft Anfang Juli in Amsterdam dann in Ihren Sommerfahrplan aufgenommen oder geht die volle Konzentration dann auf die Olympischen Spiele in Rio?

Holzdeppe: Das entscheiden wir am Sonntag gleich nach den deutschen Meisterschaften. Es kommt darauf an, wie die verlaufen wird. Wenn ich jetzt mindestens eine 5,70 springe, dann bedeutet das Olympia- und EM-Norm (5,65m), dann schauen wir, wie die Sprünge waren und ob ich der Überzeugung bin, bei der EM über 5,75 oder 5,80 Meter springen zu können. Sollte das der Fall sein, werde ich auf jeden Fall die Europameisterschaft springen. Im Moment ist Europa ziemlich nah beisammen. Renaud Lavillenie liegt vorne mit 5,83 Metern, die anderen kommen dann schon alle mit 5,71, 5,72 Meter. Man könnte theoretisch schon mit einer 5,70, 5,75 eine Europameisterschafts-Medaille gewinnen. Die deutschen Meisterschaften werden jetzt aber erst einmal ausschlaggebend sein, ob ich mir überlege, wirklich teilzunehmen, oder ob ich lieber zwei, drei andere Wettkämpfe mache, um mich in Ruhe auf Olympia vorzubereiten.

Wenn Sie die Norm nun am Wochenende nicht schaffen sollten, würde das noch nicht automatisch das Olympia-Aus bedeuten? Sie hätten bei weiteren Wettkämpfen noch die Chance auf die Qualifikation?

Holzdeppe: Richtig, am Wochenende wird nur entschieden, wer bei der Europameisterschaft antreten wird und wer nicht. Bis zu den Olympischen Spielen habe ich wirklich Zeit bis zum 10. Juli. Am 11. Juli setzt sich der DOSB zusammen und wird das komplette olympische Team nominieren. Bis dahin muss ich die geforderte Norm von 5,70 Metern gesprungen sein.

Trotz Ihrer erst 26 Jahre haben Sie bereits an zwei Olympischen Spielen teilnehmen dürfen. Hat eine von beiden einen höheren Stellenwert für Sie, die erste 2008 in Peking mit erst 18 Jahren oder die in London 2012 mit der Bronzemedaille?

Holzdeppe: Für mich war eigentlich – auch wenn 2008 für mich war wie ein Traum, der in Erfüllung ging, tatsächlich bei Olympischen Spielen anzutreten – hat doch London den größeren Stellenwert. 2008 hatte ich nicht wirklich darauf hintrainiert. Da war mein Ziel die U20-Weltmeisterschaft und auf einmal stand ich auf der Nominierungsliste für die Olympischen Spiele – das war wirklich wie im Traum. Aber die Zielsetzung war eine andere. Deshalb war 2012 wichtiger für mich. Ich hatte von vornherein gesagt, dass ich nach London fahren und dort eine gute Leistung abliefern will. Das Ziel war damals unter die Top 5 zu kommen. Dass es dann mit Bronze nach Hause ging, war wieder eine Riesenüberraschung für mich. Es geschafft zu haben, ich trainiere darauf hin und erfülle mir das wirklich – deshalb waren die Olympischen Spiele in London doch das größere Erlebnis für mich.

Woran erinnern Sie sich im Rückblick besonders gerne? Olympische Spiele sind ja ein Erlebnis, von dem viele Sportler nur träumen?

Holzdeppe: In London erinnere ich vor allem immer wieder an die unglaubliche Stimmung im Stadion. Ich konnte mein eigenes Wort kaum verstehen, manchmal konnte ich nicht verstehen, was Andrei (Trainer Andrei Tivontchik, Anm. d. Red.) mir zugerufen hat zwischen den Sprüngen, obwohl ich an der Bande nah bei ihm stand, weil es einfach so laut war. In Peking war der prägendste Eindruck, wie ich zum ersten Mal das Olympiastadion betreten habe, bevor die Wettkämpfe stattgefunden haben. Als ich reingeschaut und gemerkt habe: Ja, ich bin wirklich bei den Olympischen Spielen gerade. Da wurde es mir zum ersten Mal bewusst 2008.

Waren Sie eigentlich schon mal in Rio?

Holzdeppe: Nein, ich war noch nie in Südamerika.

Da wäre es aber an der Zeit, ansonsten haben Sie ja bereits viele Orte und Wettkampfstätten gesehen.

Holzdeppe: Das stimmt. Südamerika und Australien, die fehlen mir noch. Dann habe ich die Kontinente alle durch.

LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe will wieder fliegen – und das am besten gleich bei der DM am Wochenende über die Olympia-Normhöhe von 5,70 Metern.
LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe will wieder fliegen – und das am besten gleich bei der DM am Wochenende über die Olympia-Normhöhe von 5,70 Metern. (Foto: Daniel Karmann/dpa)
Der Erfolg bei den Olympischen Spielen 2012 in London mit der Bronzemedaille ist einer der bedeutendsten Momente für den Zweibrücker Stabhochspringer Raphael Holzdeppe.
Der Erfolg bei den Olympischen Spielen 2012 in London mit der Bronzemedaille ist einer der bedeutendsten Momente für den Zweibrücker Stabhochspringer Raphael Holzdeppe. (Foto: dpa)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
18.–19.06.2016 Deutsche Meisterschaften 2016 Kassel (Deutschland)
11.–12.06.2016 Himmelsstürmer-Cup 2016 Zweibrücken (Deutschland)