Die Trümpfe David Storl und Christina Schwanitz stachen, Raphael Holzdeppe meldete sich in der Weltklasse zurück – doch die zweite Reihe war zu schwach: Die deutschen Leichtathleten haben bei der Team-EM die erfolgreiche Titelverteidigung verpasst und einen WM-Test mit Licht und Schatten abgeliefert.

Tscheboksary. Nach sechs Siegen in 40 Entscheidungen landete das deutsche Team mit 346,5 Punkten auf Platz zwei hinter Gastgeber Russland (368,5) und verpasste seinen dritten Titel nach 2009 und 2014. Dritter wurde Frankreich (319,5). Immerhin hielt eine Serie: Bei allen sechs bisherigen EM-Ausgaben landete Deutschland unter den besten Drei. DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska war mit der Teamleistung zufrieden. „Ich denke einfach, dass man ein russisches Team nur schlagen kann, wenn alles zu 100 Prozent und mit vielen Überraschungen funktioniert wie im letzten Jahr in Braunschweig“, sagte der Leipziger.

Kugel-Europameisterin Schwanitz (Thum) mit soliden 19,82 m und Richard Ringer mit 8:34,35 Minuten in einem langsamen 3000-m-Lauf sorgten für die zwei deutschen Erfolgen am Schlusstag – zuwenig, um die führenden Russen zu gefährden. „Ich habe versucht, alles zu zeigen“, sagte Schwanitz, die in einem von vielen einseitigen Wettkämpfen siegte.

Ganz stark präsentierte sich der Zweibrücker Holzdeppe, der mit 5,85 m so hoch sprang wie seit seinem WM-Triumph von Moskau nicht mehr und Zweiter hinter dem höhengleichen Weltrekordler Renaud Lavillenie (Frankreich) wurde. „Das war ein super Wettkampf, bis zur WM kann ich noch ein paar Zentimeter rauskitzeln“, fand Holzdeppe.

Schwanitz' Kugel-Kollege Storl hatte bereits am Samstag einen mühelosen Sieg eingefahren. „Alles andere als zwölf Punkte wäre eine Niederlage gewesen“, sagte der Leipziger, der sich mit 21,20 m vor Polens Olympiasieger Tomasz Majewski (20,23) durchsetzte. Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll (Offenburg) reichten in einer schwachen Speerkonkurrenz 61,69 m zum Erfolg. „Mit der Weite hadere ich“, gestand die 33-Jährige. Für weitere Erfolge sorgten Stabhochsprung-Rekordlerin Silke Spiegelburg (Leverkusen) mit starken 4,75 mund 3000-m-Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause (Frankfurt/9:46,49). Zweite wurden Speerwerfer Johannes Vetter (Saarbrücken/78,89), Diskuswerfer Martin Wierig (Magdeburg/60,32), Drei-springerin Kristin Gierisch (Chemnitz/14,46) und 3000-m-Läuferin Maren Kock (Regensburg/9:20,82).

Daneben wurde deutlich, dass im DLV in manchen Disziplinen eklatante Lücken klaffen: 5000-m-Läufer Marcel Fehr (Platz 10/14:33,67 Minuten) oder Hammerwerfer Paul Hützen (12./64,65) haben kein internationales Niveau. Aufgrund des Zwanges für jedes Land, alle Disziplinen zu besetzen, waren manche Wettkämpfe von niedrigster Qualität. Auch deshalb stieß die Veranstaltung auf wenig Gegenliebe: Ein kräftezehrender Trip mitten in der Saison, maue Stimmung im fast ausschließlich mit Russen besetzten Stadion, kaum spannende Wettkämpfe die Team-EM benötigt dringend eine Reform. „Langweiliger darf's nicht werden“, sagte Storl: „Ich bin froh, dass es jetzt vorbei ist und es nach Hause geht.“

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
20.–21.06.2015 Team-Europameisterschaften 2015 Cheboksary (Russland)