In der vergangenen Woche haben Athleten des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken, Till Wöschler und Kristina Gadschiew, für Schlagzeilen auf internationaler und nationaler Ebene gesorgt. Der 19-jährige Speerwerfer wurde in Monte Carlo vom Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) zum international größten Leichtathletiktalent in einer Gala gekürt. Die 26-jährige Stabhochspringerin aus Hornbach wurde als Sportlerin des Jahres 2010 vom Vorstand des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (adh) ausgezeichnet.

Die Auszeichnungen für die beiden kommen nicht von ungefähr. Till Wöschler hatte die Konkurrenz am 24. Juli bei der U 20-Weltmeisterschaft in Moncton mit seinem Siegeswurf auf 82,52 Meter geschockt und einen neuen Deutschen Rekord für Junioren aufgestellt. Mit dieser Weite hat sich der Schützling von Trainer Matthias Brockelt um rund acht Meter (!) gesteigert. Das war für die IAAF-Jury maßgeblich für die Auszeichnung des Zweibrückers, der nun der Sportfördergruppe Mainz angehört.

Kristina Gadschiew ist für den adh die Vorzeigeathletin dieses Jahres, da sie durch starke Leistungen in Sport und Studium überzeugt hat, wie es in der Laudatio hieß. Doch hat die Lehramtsstudentin in den vergangenen Jahren mit ihrer Silber- und Bronzemedaille bei den Universiaden in Bangkok und Zagreb, verschiedenen Deutschen Hochschulmeisterschaften sowie durch ihre Starts an der Freiluft-WM in Berlin 2009 und der Hallen-WM in Doha 2010 bewiesen, dass sie Sport und Studium durchaus unter einen Hut bringen kann.

Was beide LAZ-Athleten auszeichnet ist, dass sie mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben sind. Das mag angesichts der Ehrungen bei Till Wöschler nicht immer so einfach gewesen sein, da er neben dem Maritta-Koch-Preis auf Usedom auch noch bei der Junior-Wahl der Deutschen Sporthilfe auf dem dritten Platz gelandet war. Auch bei der Wahl des Juniorsportlers des Jahres 2010 des Deutschen Leichtathletik-Verbandes hat er gute Chancen.

Während Till Wöschler erst in den vergangenen beiden Jahren der nationale und internationale Durchbruch gelungen ist, steht Kristina Gadschiew schon länger im Fokus des DLV. Doch neigt sie nicht dazu, mit ihren Leistungen zu kokettieren. Sie kommt lieber auf leisen Sohlen daher, lässt ihre Erfolge für sich selbst sprechen.

Bei der Außendarstellung haben es die beiden Leichtathleten weitaus schwerer als etwa die Oberliga-Fußballer des SVN 1929 Zweibrücken, die sich im Westpfalzstadion vor eigenem Publikum beweisen können. Ihre Leistungen können sie im Schnitt rund 200 Zuschauern vorzeigen. Diese Gelegenheit bietet sich den beiden Einzelsportlern nicht. Ihre Leistungen werden zumeist bei nationalen oder internationalen Meetings erbracht, wo die Zweibrücker Zuschauer bildlich gesprochen in die Röhre schauen müssen.

Was hinter den Leistungen auf diesem hohen Niveau steckt, bleibt den meisten verborgen. Voraussetzung ist aber eine Infrastruktur, die mit dem Westpfalzstadion im Freien und der Dieter-Kruber-Halle beim Bundesleistungszentrum beim LAZ gegeben ist.

Doch die Darstellung bei einem Wettkampf vor eigenem Publikum blieb bisher auf der Strecke. Wenngleich im kommenden Jahr, einhergehend mit der Sanierung des Westpfalzstadions, Abhilfe geschaffen werden soll. Der LAZ-Vorsitzende Josef Scheer hat angekündigt, seine hochkarätigen Athleten bei einer Veranstaltung vorstellen.

Was aber vielen nicht bewusst ist, dass das Bundesleistungszentrum, analog dem SVN, wie ein mittelständisches Unternehmen geführt wird, dessen Existenz durch seine Kaderathleten gewährleistet wird. Und hier taucht eine Parallele zu den Fußballern auf. Allerdings haben die Leichtathleten einen anderen Zyklus. Hier endet die Wechselperiode am 30. November und bis dahin muss der LAZ-Vorsitzende seine Schäfchen, sprich die Kaderathleten, verpflichtet haben. Das geschieht in der Regel geräuschloser als im Fußball.

Doch auch der Spitzenathlet ist sich seines (Kapital)-Wertes bewusst, wie nun die gescheiterten Verhandlungen mit Hürdenläufer Jens Werrmann bewiesen haben, der zum LAZ Leipzig wechselt.

Doch ob SVN oder LAZ, beide Vereine müssen sich nach ihrer finanziellen Decke strecken, können nicht über ihre Verhältnisse leben. Das ist oftmals nach außen nur schwer zu vermitteln. Wenn der Etat nicht ausreicht, muss ein Schlussstrich gezogen werden. Bewusst müssen sich die Athleten oder Fußballer sein, dass sie das Aushängeschild der Vereine sind, mit ihren Leistungen die Zugpferde für Zuschüsse oder Sponsoren sind. Da sind die Fußballer im Vorteil, da ihre Leistungen wöchentlich in der Tabelle dokumentiert werden. Die Leichtathleten haben hierzu ihre Bestenlisten, doch die sind weitestgehend nur den Insidern bekannt.

Aber die Leichtathleten lassen sich davon nicht entmutigen. Sie sind im Gegensatz zu den Fußballern Einzelkämpfer. Das macht ihre Leistung transparenter, wie nun Kristina Gadschiew und Till Wöschler mit ihren Auszeichnungen nachträglich bewiesen haben.