Wie ich von daheim höre, haben die Leichtathleten dieser Welt, die Zuschauer, die Journalisten der WM, ja alle Briten diesen verdammten Regen erfolgreich nach Deutschland getrieben. Gut so! Vor allem für meinen so grünen Rasen in meinem so schönen, sorry, unserem so schönen Gärtchen.

Echt frohgemut machte ich mich auf den Weg in Richtung Liverpool Station. Über die Tower Bridge (ein Umweg, ich weiß), Butler’s Wharf und das verglaste Rathaus, wo ich auf dem Weg dorthin, in Höhe der „Belfast“ auf der Themse, Ricarda Lobe traf. Dienstagabend kam sie an, wurde gleich ins Doubletree Hilton nahe des Towers um- beziehungsweise einquartiert und holte sich Mittwoch gleich mal den Regenfrust ab. „Wir haben trotzdem im Trockenen trainiert“, sagte sie und machte sich bei einem Spaziergang mit ihrem Freund Dominik den Kopf für ihre heutige WM-Premiere frei. Jetzt muss ich doch noch schnell mal daran erinnern, dass Ricarda den „Stiletto-Lauf“ 2012 an der Rhein-Galerie in Ludwigshafen gewann. Damals sehr zum Frust ihres Trainers Lothar Grimmeißen. Jetzt aber ist sie wieder auf Spikes sicher unterwegs.

Über das edle Tee-, Kaffee-, Bisquits- und Wasweißichnichtalles-Haus Fortnum & Mason, so ein bisschen vergleichbar mit Dallmayer in München, nur teurer, und Piccadilly Circus lief ich dann im „Atletica Italiana“ ein, dem italienischen Haus, eingeladen vom Weltverband für meine zwölfmaligen WM-Teilnahmen, zusammen mit Iris Hensel, der Fotografin, die in diesen Tagen so manches Bild für uns macht, und Ulli John von der Deutschen Presseagentur. Einer übrigens, Olaf Brockmann aus Wien, hat 16 Teilnahmen dokumentiert, war also schon 1983 in Helsinki bei der WM-Premiere dabei. Brockmann wiederum ist ein Freund von Bernhard Kunz seit den Tagen, als sie 2011 die Olympiastätten der nächsten Winterspiele in Pyeongchang für die Kronen-Zeitung besuchten.

Es hätte eine schöne Feierstunde werden können, wenn mir nicht mein Kollege Oliver Wehner hätte mitteilen müssen, dass Peter Weibel gestorben ist. Das verschlug mir die Sprache, das verdarb mir den Appetit. Die versprochene Pasta-Party nach der Ehrung ließ ich platzen. Traurig, sehr traurig bin ich. Peter war ein Freund, ein Kumpel. Vor drei Jahren rief er mich mal an und telefonierte mit mir zwei Stunden lang. Schüttete sein Herz aus. Was litt er unter dieser Dopingdebatte um ihn. Sie kränkte seine Seele.

Ich mag den Peter im Herzen behalten, wie er war. Ein Mensch, der einem mit seinem Geschichten und Witzen die Tränen in den Augen trieb.

1992 hatte ich ihn in Kirchzarten besucht, da sind wir mit den Nationalfahrern zum Eishockey nach Freiburg gefahren. Bei mir auf dem Beifahrersitz: Erik Zabel. „Das wird mal ein ganz Großer“, sagte Peter damals zu mir. Zabel war gerade 22. Und auch unvergessen das Interview, das mir Peter mit Jan Ullrich im Leinsweiler Hof ermöglichte, sechs Wochen vor dem Gewinn seines WM-Titels in Oslo. Klar ist aber auch: Zabel und Ullrich haben eine Dopingvergangenheit als Profis.

RIP – Ruhe in Frieden, Peter.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
04.–13.08.2017 Weltmeisterschaften 2017 London (England)