Dass Zweibrücken sehr begabte und international erfolgreiche Stabhochspringer vorzuweisen hat, ist nicht zuletzt durch den Weltrekord Raphael Holzdeppes mittlerweile ziemlich bekannt. Doch irgendwie müssen diese Sportler ja auch mal klein angefangen haben. Damit weiterhin erfolgreiche Athleten aus Zweibrücken kommen, kümmert sich im Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken Trainer Helmut Kruber um die Nachwuchsarbeit.

Früh übt sich, wer ein Meister werden will: Evelyn Scheck, 10 Jahre alt, absolviert ihren ersten Stabhochsprungwettkampf. Mit dem Stab in den hoch gestreckten Händen steht sie vor der Sprunganlage, atmet einmal tief durch und läuft los. Vier, fünf schnelle Schritte, der Stab sticht ein und Evelyn schwingt sich über die Latte: 2,50 Meter, persönliche Bestleistung.

Trainer Helmut Kruber freut sich mit seiner jungen Sportlerin, die erst vier Trainingseinheiten im Stabhochsprung absolviert hat. Ohne Hilfsmittel kann man allerdings nach so kurzer Zeit nicht diese Höhen überwinden. Um die Technik des Stabhochsprungs zu erlernen steht deshalb in der Dieter-Kruber-Halle des LAZ Zweibrücken vor einer der insgesamt drei Sprunganlagen ein 1,20 Meter hohes Anlaufpodest. Hier haben fast alle Stabhochspringer des LAZ ihre ersten Schritte in diese spektakuläre Sportart erlernt. »Das Podest erlaubt ein techniknahes Stabhochspringen von Anfang an«, erklärt Kruber die Vorteile. Der Stab kann bereits hoch gegriffen werden, da die Absprunghöhe größer ist als vom Boden. Absprung und Flugerlebnis ähneln so eher dem Sprung eines bereits etwas länger trainierenden Sportlers vom Boden aus. Aber auch für »fertige« Stabhochspringer ist das Springen vom Podest attraktiv. Sie können so beispielsweise an der Lattenüberquerung arbeiten, ohne jedes Mal einen Kraft raubenden Anlauf nehmen zu müssen.
Ebenfalls erste Wettkampferfahrungen vom Podest aus sammeln bei den von Kruber regelmäßig veranstalteten Stabhochsprungtagen noch Christina Bernhard, 12 Jahre, die 2,70 Meter hoch springt, Julius Färber (2,60 Meter) und Eike Kruber (2,50 Meter), beide Jahrgang 1998. »Die beiden Jungs sind eigentlich noch zu jung für eine Spezialisierung auf eine bestimmte leichtathletische Disziplin«, sagt Kruber, auf das Einstiegsalter für Stabhochsprung angesprochen. Sie gehen daher regelmäßig noch in eine der zahlreichen Kindergruppen des LAZ, um eine sportliche Grundausbildung zu erhalten oder betreiben noch andere Sportarten außerhalb der Leichtathletik. Das ideale Einstiegsalter für Stabhochsprung beziffert der Trainer mit zwölf Jahren, »wobei die Kinder schon gewisse sportliche Grundfertigkeiten mitbringen sollten«.
Irgendwann heißt es allerdings für die jungen Nachwuchsspringer, das Podest zu verlassen und vom Boden aus zu springen. Dann braucht man ungefähr ein Jahr, um wieder die Anfangshöhen vom Podest zu erreichen. Diese Erfahrung machen gerade die zwölfjährigen Anne Pfeiffer, Elita Scheifel (beide 2,20 Meter) und Leoni Auneau (2,10 Meter).
Ohne intensives Training sind solche Leistungen nicht möglich. »Stabhochsprung ist eine sehr komplexe Sportart, die vielseitig trainiert werden muss«, führt Kruber aus. Daher kann im Training nicht ausschließlich das eigentliche Springen geübt werden. In seiner fortgeschritteneren Nachwuchsgruppe steht einmal pro Woche Turnen auf dem Trainingsplan, um Körperspannung und Geschicklichkeit zu verbessern. Ebenfalls wichtig sei eine gute Lauftechnik, daher werde regelmäßig ein Lauf-ABC in die Übungseinheiten eingebaut. »Meistens«, so Kruber, »sind gute Stabhochspringer auch schnelle Sprinter und gute Weitspringer«. Mit fortgeschrittenem Leistungsniveau spielt dann auch die Kraft eine zunehmende Rolle im Trainingsplan. Zunächst muss man schlicht in der Lage sein, den Stab während des Anlaufs senkrecht vor dem Körper zu halten. »Während des Sprungs schließlich muss der Sportler quasi am Stab hängend seinen Körper erst zu einer Kerze und dann zu einem Handstand aufrichten, um über die Latte zu kommen«, versucht der Trainer den Bewegungsablauf des Stabhochsprungs zu schildern. Auch die Bewegungsenergie, die freigesetzt wird, wenn der Stab eingestochen wird, muss der Stabhochspringer über Arme und Körpermitte von einer Vorwärtsbewegung in eine Aufwärtsbewegung übertragen. Wenn die Muskulatur dann nicht genügend ausgebildet ist, kommt es fast zwangsläufig zu Rückenbeschwerden.
Obwohl Stabhochsprung spektakulär aussieht, sind schwere Verletzungen beim eigentlichen Sprung selten zu beobachten. »In Zweibrücken habe ich noch keinen schweren Sprungunfall erlebt«, erzählt Kruber. Eher würden sich Sportler verletzen, wenn sie einen Sprung abbrechen. Beim Durchlaufen auf die Matte kann schon mal ein Band im Knöchel reißen. Ab und zu würde auch mal ein Stab brechen, doch dann wird der Springer »zu 99%« vom Schwung auf die Matte getragen. Eher sind daneben stehende Kampfrichter durch umher fliegende Teile gefährdet.
Aber, so weiß auch Kruber, Stabhochsprung erfordert ab einem bestimmten Leistungsniveau und Alter auch sehr viel Mut. »Dann entscheidet oft der Kopf mit über Erfolg und Misserfolg«. Bei seinen jüngsten Schützlingen spiele Angst aber keine Rolle. Das sieht man den jungen Stabartisten an. Ohne Zögern klettern sie unverdrossen und eilig auf das Podest, packen den Stab und schwingen sich hinüber auf die weiche Matte.