Wenn Björn Otto 2011 einen Ausbildungsplatz zum Piloten bekommen hätte, wäre seine Leistungssport-Karriere wohl beendet gewesen. So springt der 34-Jährige weiter – und erreicht derzeit traumhafte Höhen.

Karlsruhe. Es liegt wohl an den Genen, dass er vom Gefühl der Schwerelosigkeit nicht genug kriegen kann. Der Vater ist Sportlehrer, die Mutter eine engagierte Übungsleiterin – und der Opa war Pilot. Ergibt in der Summe einen himmelsstürmenden Stabhochspringer. „Fliegen ist meine Leidenschaft“, sagt Björn Otto. Wahrscheinlich habe er sie von seinem Großvater geerbt, meint der Diplom-Biologe, der sich mit seinen 34 Jahren gleich zwei Kindheitsträume erfüllen will: Olympiaticket für London und Pilotenschein.

Es wäre das Happy-End für den Modellathleten der LAV Bayer Uerdingen/Dormagen, der acht Tage vor den deutschen Hallenmeisterschaften in Karlsruhe an diesem Wochenende seine Bestleistung um zwei Zentimeter auf 5,92 Meter schraubte. Aus Deutschland sprangen nur Tim Lobinger mit 5,95 Metern (2000) und Danny Ecker mit 6,00 Metern (2001) jemals höher unterm Dach.

Im vergangenen Jahr hatte Björn Otto, WM-Fünfter und deutscher Hallenmeister 2007, gleich zwei Nackenschläge verkraften müssen: Wegen einer nicht regelkonformen Anlage wurde sein Sprung über 5,80 Meter für die WM-Qualifikation nicht anerkannt und Otto durfte nicht mit nach Daegu. Zudem erhielt er eine Absage für die Ausbildung zum Flugzeugführer. Dass Otto sein Pilotprojekt nun erst ab kommendem Herbst starten kann, hat sich aber als glückliche Fügung erwiesen. „Bei einer Zusage hätte er wohl mit dem Sport aufgehört“, sagt Jörn Elberding. Der Bundestrainer ist ganz froh darüber, dass es anders gekommen ist, und freut sich gerade wegen der für Otto „tragischen“ Nichtnominierung 2011 über dessen neuen Höhenflug.

Zusammen mit dem Franzosen Renaud Lavillenie, der am Samstag 5,93 Meter sprang, beherrscht der gebürtige Frechener derzeit den Luftraum. Elberding stellt im Hinblick auf die Hallen-Weltmeisterschaft vom 9. bis 11. März in Istanbul fest: „Bei seinem aktuellen Leistungsbild komme ich an ihm gar nicht vorbei. Ich sehe keinen, der derzeit 5,90 Meter springen kann.“ Mit je 5,72 Metern liegen die Daegu-Teilnehmer Karsten Dilla, der Zweibrücker Raphael Holzdeppe und Titelverteidiger Malte Mohr 20 Zentimeter zurück. „Wenn er sich so präsentiert wie zuletzt, wird es schwer, ihn zu schlagen“, sagt Mohr, der nach einer Oberschenkelverletzung noch nicht völlig fit ist. „Man sollte mit mir rechnen, aber es wird ein bisschen schwieriger als in den letzten beiden Jahren.“

Stabhochspringer Björn Otto hat seinen Platz für die Hallen-WM in Istanbul schon so gut wie sicher
Stabhochspringer Björn Otto hat seinen Platz für die Hallen-WM in Istanbul schon so gut wie sicher. Foto: Bernd Thissen/dpa