Weinheim. Neben den 7,16 Metern im Weitsprung von Sosthene Moguena (RHEINPFALZ am SONNTAG berichtete) gab es bei der Kurpfalz-Gala in Weinheim am Samstag weitere Knaller-Leistungen. Etwa die 11,13 Sekunden von Sprintjuwel Gina Lückenkemperüber 100 Meter.

„Das ist einfach nur übertrieben genial“, sagte die 19-Jährige von der LG Olympia Dortmund nach der neuen persönlichen Bestzeit. Die U20-Europameisterin hatte die Hallensaison zugunsten des Abiturs ausgelassen, war auch erst vor zehn Tagen in die Freiluftsaison eingestiegen – in 11,25 Sekunden. Nun steigerte sie sich noch einmal um über eine Zehntelsekunde und ließ Tatjana Pinto, für viele eigentlich die logische Nachfolgerin von Verena Sailer (Mannheim), der abgetretenen 100-Meter-Königin der vergangenen Jahre, deutlich hinter sich (11,25).

Sailer (11,02) ist übrigens die einzige Sprinterin, die seit der Jahrtausendwende schneller lief als am Samstag Lückenkemper. Über die Elf-Sekunden-Barriere macht sich die Frohnatur, eigentlich eine 200-Meter-Spezialistin, (noch) keine Gedanken. Allerdings muss sie sich demnächst wohl darüber Gedanken machen, ob sie bei den Olympischen Spielen die 100 oder die 200 Meter läuft. Einen Dreifachstart (inklusive Staffel) schloss sie aus. Sina Mayer vom LAZ Zweibrücken lief über die 100 Meter in 11,57 Sekunden nicht ganz an ihre Bestzeit(11,51)heran.

Über 100 Meter Hürden hat die lange verletzte Nadine Hildebrand (VfL Sindelfingen) in 12,79 Sekunden ein Ausrufezeichen gesetzt - und sich auf Platz eins der deutschen Bestenliste katapultiert. Von dort verdrängt hat sie Ricarda Lobe (MTG Mannheim). Die Landauerin lief in Weinheim im Vorlauf 13,23 Sekunden und verzichtete auf den Endlauf. „Sie hat Magen-Darm-Probleme“, sagte ihr Heimund Bundestrainer Rüdiger Harksen. Der 61-Jährige ist immer noch ganz euphorisiert über die 12,89 Sekunden,die Lobe in der Vorwoche im hessischen Flieden gelaufen ist. „Dass sie unter 13 Sekunden laufen kann, wusste ich. Aber so eine schnelle Zeit habe ich nicht erwartet“, sagte Harksen:„Sie hätte auch in Weinheim, ohne die Magen-Darm-Probleme, eine 12er-Zeit laufen können. “Er traut seiner Athletin, die Ende 2014 vom TV Nußdorf nach Mannheim gewechselt war, den Sprung in das Olympia-Aufgebot zu. Um die drei Plätze kämpfen aber mindestens fünf Damen.

In Rio ziemlich sicher dabei sein, sollte er verletzungs- und krankheitsfrei bleiben, wird 110-Meter-Hürdenläufer Gregor Traber (VfB Stuttgart). Der 23-Jährige ließ am Samstag in 13,39 Sekunden die gesamte deutsche Hürdenprominenz hinter sich, siegte vor Alexander John (Leipzig/13,41). Nach acht Monaten voller Verletzungen hatte der Schützling des ehemaligen Zweibrückers Marlon Odom Olympia eigentlich schon abgeschrieben. Nun will er in Rio in den Endlauf: „Man trainiert nicht für die kleinen Rennen, sondern für die großen Wettkämpfe.