Leipzig. Nun nennt sich der Weltmeister von 2013 und Olympiadritte von 2012, Raphael Holzdeppe, auch deutscher Hallenmeister. Der Zweibrücker Stabhochspringer siegte gestern in Leipzig unangefochten mit 5,68 Metern. „Ich war mit dem Ziel angereist, endlich meinen ersten Hallentitel zu gewinnen, das habe ich geschafft und bin sehr zufrieden“, sagte der 27-Jährige.

Die gestrigen Höhepunkte auf der Rundbahn: zwei 200-Meter-Läufe, die es bei Hallen-Europameisterschaften nicht mehr gibt. Robin Erewa (26) rannte in 20,52 Sekunden die zweitschnellste deutsche Zeit, die jemals gelaufen wurde (hinter Sebastian Ernst, 20,42 sec), und Rebekka Haase lief über 200 Meter in 22,77 Sekunden so schnell wie seit 18 Jahren keine Deutsche mehr und kletterte auf Platz sechs der (durchaus fragwürdigen, weil dopingverdächtigen) ewigen deutschen Bestenliste. Es war der vierte Titel der 23 Jahre alten Vize-Meisterin über 60 Meter: „Im letzten Jahr waren die jungen Häschen auf den 200 Metern schon gut unterwegs, jetzt kommt der alte Hase wieder“, sagte „die Haase“, die in Belgrad bei der EM ins 60-Meter-Finale will.

Raphael Holzdeppe nahm alle Höhen im ersten Anlauf: 5,48, 5,58 und 5,68 Meter. Und wie souverän! Beim zweiten Versuch über 5,78 Meter blieb er knapp mit dem Arm hängen, weil er, sagte sein Trainer Andrei Tivontchik, „leicht unterlaufen hat. Aber sein Rhythmus stimmt, wir bleiben da ganz cool“. Holzdeppe meinte: „Ich hoffe, für die EM nominiert zu werden, da ist dann eindeutig noch mehr drin.“ Das wird ja wohl keine Frage sein.

An Max Heß, dem Vize-Weltmeister in der Halle, musste schon seit Tagen jeder vorbeilaufen. Überall in der Stadt war der 20-Jährige als Coverboy dieser Hallenmeisterschaften in Leipzig plakatiert. Gestern aber kam erwartungsgemäß keiner seiner Konkurrenten im Dreisprung an ihm vorbei. Mit 16,71 Meter im fünften Versuch lag er am Ende 1,28 Meter vor dem Chemnitzer Vincent Vogel. „Als Gesicht der Meisterschaften zu werben, war für mich eine Motivation. Ich habe auch meine Erfolge vom Vorjahr richtig gefeiert“, sagte der Europameister, „aber jetzt stehen neue Aufgaben an, zum Beispiel in Belgrad.“ Bis dahin will er wieder richtig gesund sein, denn gestern machte ihm eine Erkältung zu schaffen.

Während sich Marie-Laurence Jungfleisch mit 1,92 Meter in die Saison reinkämpfte, verlief der Männer-Hochsprung enttäuschend. Bei nur fünf (!) Teilnehmern ging der Titel mit nur 2,20 Metern weg. So richtig freuen konnte sich Mateusz Przybylko über seinen dritten Hallentitel in Folge nicht, hat der bald 25-Jährige doch schon 2,28 Meter in dieser Saison stehen: „Ich bin überhaupt nicht zufrieden. Aber es ging nicht, weil ich sehr starke Kopfschmerzen hatte“.

Man sah ihm seine Blässe an, von einem Freund brauchte er eine Aspirin-Tablette. „Für die EM in Belgrad mach ich jetzt mal eine Ansage, da spring ich an die 2,30 Meter heran“, sagte der ältere Bruder des FCK-Profis Kacper Przybylko, der auch mal als Hochspringer angefangen hatte, der RHEINPFALZ. Am 17. März wird Mateusz auf der Bielefelder „Alm“ dabei sein, wenn der 1. FC Kaiserslautern in der Stadt gastiert, wo die Eltern der drei sportlichen Brüder leben.

Auf der Rundbahn ganz stark die 52,90 Sekunden und Hallen-EM-Norm von Titelverteidigerin Lara Hoffmann (Köln) sowie die 46,40 Sekunden, die ebenso für das BelgradTicket reichen, des Berliners Marc Koch über 400 Meter, der im ersten Moment baff war über die EM-Norm und gar nichts dazu sagen konnte. Einfach schön, solche Überraschungen. Konstanze Klosterhalfen verzichtete am Ende der an zwei Tagen ausverkauften Meisterschaften auf einen Doppelstart. Verständlich, nachdem sie ihre Körner in einem beeindruckenden Alleingang über 1500 Meter verschossen hatte. 4:04,91 Minuten – eine Wahnsinnszeit des am Samstag 20 Jahre alt gewordenen Laufbiests. Nur eine Deutsche war in der Halle jemals schneller: die Kölnerin Brigitte Kraus, die 1985 4:03,64 Minuten gelaufen war. „Ein unbeschreibliches Gefühl, eine tolle Stimmung in der Halle, die mich getragen hat. Ich konnte einfach laufen, ohne nachzudenken“, sagte Klosterhalfen.

An ihrer Stelle hatte kurzfristig Gesa-Felicitas Krause am Tag davor gemeldet. „Ich wollte mein negatives Erlebnis vom Halbmarathon in Dubai, wo ich aufgeben musste, eliminieren“, sagte die 24-Jährige. Aber die Olympiasechste fand in Alina Reh in persönlicher Bestzeit von 8:53,56 Minuten ihren „Meister“, auf Platz drei lief Hanna Klein (8:57,86) aus Edenkoben im Trikot der SG Schorndorf.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
18.–19.02.2017 Deutsche Hallenmeisterschaften 2017 Leipzig (Deutschland)