Der Jubel über die olympische Bronzemedaille im Stabhochsprung für den LAZ-Athleten Raphael Holzdeppe endete nicht im Londoner Stadion, auch in den Wohnzimmern von Teamkollege Alex Vieweg und dem LAZ-Vorsitzenden Josef Scheer wurde am Freitagabend mitgefiebert und gefeiert.

London/Zweibrücken. „Was kann man dazu sagen, unglaublich.“ Raphael Holzdeppes Teamkollege vom LAZ Zweibrücken, Alexander Vieweg, findet kaum Worte für die Leistung des Bronzemedaillengewinners. Bereits mit seinem Sprung über 5,85 Meter hatte der 22-jährige Zweibrücker den dritten Platz sicher, reißt die Arme in der Luft, hat auch noch genug Kraft, auf der Matte in die Höhe zu springen. Auf der Tribüne schreit sein Trainer Andrei Tivontchik, der letzte deutsche Medaillengewinner im Stabhochsprung von Atlanta 1996 (ebenfalls Bronze), seine Freude heraus. „Dass er danach noch einen über 5,91 Meter raushaut, das hätte ich definitiv nicht gedacht, ich dachte ich bin im falschen Film“, beschreibt Vieweg, 2008 in Peking im Speerwurf selbst bei den Olympischen Spielen dabei, wie er den Wettkampf vorm Fernseher verfolgt hat. Um zehn Zentimeter hat Holzdeppe mit seinem Sprung über die 5,91 Meter seine persönliche Bestleistung verbessert, die noch im Wettkampf mitkämpfenden Björn Otto und Renaud Lavillenie unter Druck gesetzt. Dass diese am Ende noch einmal an ihm vorbeigezogen, egal. Von Enttäuschung ist bei dem Zweibrücker keine Spur zu sehen. Strahlend, mit Deutschlandfahne um die Schultern, begibt er sich auf die Ehrenrunde durch das Olympiastadion.

„Er ist eine eiskalte Sau.“

LAZ-Teamkollege
Alexander Vieweg

Das Lachen vom LAZ-Vorsitzenden Josef Scheer ist auch durch das Telefon wahrzunehmen. „Es ist unglaublich“, sagt er, „aber wenn ich ehrlich bin, ich habe Raphael alles zugetraut.“ Er habe optimal trainiert, sei ein Vollprofi, „der besondere Eigenschaften hat – er ist selbstbewusst und ihn zeichnet eine besondere Kaltschnäuzigkeit aus“. Das habe man am Freitagabend im olympischen Finale von Beginn an gemerkt, als er die Starthöhe von 5,50 Metern, anders als seine deutschen Teamkollegen, ausließ, erst bei 5,65 Metern einstieg. „Er hat von Beginn an gepokert“, sagt Scheer. „Er ist eine eiskalte Sau – und alles, was er macht hat, Hand und Fuß“, beschreibt Vieweg den 22-Jährigen. Dennoch sei er überrascht, wie sich der Zweibrücker nach dem eher bescheidenen Saisonstart bis am Freitagabend stets gesteigert hat. „Wenn man bedenkt, dass er mit 5,50 Metern zu den Deutschen Meisterschaften kam, dort mit 5,77 Metern zu Silber sprang, dann über Bronze bei der Europameisterschaft erst nach London kam, unglaublich, was er hier in diesem einzigartigen Wettkampf geleistet hat.“

Während des Wettkampfes am Freitagabend vor 80 000 Zuschauern hat man verfolgen können, wie eng die Beziehung zwischen Raphael Holzdeppe und Trainer Andrei Tivontchik ist. Nach jedem Sprung führt der erste Weg des 22-Jährigen, der nach Peking (Platz acht) bereits seine zweiten Olympischen Spiele erleben durfte, zur Tribüne, tauscht sich aus mit dem Olympiadritten von 1996. Er holt sich letzte Anweisungen für den nächsten Sprung. Auch die losgelöste Freude, die Schreie, geballten Fäuste waren ihnen gemein. „Diese Medaille von Raphael ist eine Leistung, die nur durch die Teamarbeit mit Andrei Tivontchik möglich war – Raphael ist ein Profi, der von einem Profi trainiert wird.“ Für ihn selbst sei der Wettkampf „ohne Frage der größte und bedeutenste seiner Karierre“, schrieb Holzdeppe vor dem Finale auf seiner Facebook-Seite. Ein Wettkampf, „für den ich mich aber sehr gut vorbereitet fühle“. Das deutlichste Zeichen, dass er Recht behalten sollte: Die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2012 in London.

Zur olympischen Bronzemedaille hat sich LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe am Freitagabend mit einer neuen Bestleistung von 5,91 Metern katapultiert.
Zur olympischen Bronzemedaille hat sich LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe am Freitagabend mit einer neuen Bestleistung von 5,91 Metern katapultiert. Foto: dpa/Thissen

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
25.07.–12.08.2012 Olympische Sommerspiele 2012 London (England)