Zweibrücken. Die Sportjugend Pfalz vergibt seit Beginn des Jahres das Gütesiegel „kinderund jugendfreundlicher Sportverein“. Sport-Redakteur Werner Kipper unterhielt sich mit dem Sportkreisjugendleiter der Stadt Zweibrücken, Hubert Wolf (Foto: pma), über die Hintergründe dieser neuen Auszeichnung.

Wie definiert sich Ihre Aufgabe als Sportkreisjugendleiter?

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    <dt><a href="/images/pressespiegel/736/originals/portrait-hubert-wolf-dp8bnqeu.jpg" title="Hubert Wolf"><img src="/images/pressespiegel/736/portrait-hubert-wolf-dp8bnqeu.jpg" alt="Hubert Wolf" /></a></dt>
    <dd><strong>Hubert Wolf</strong></dd>
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<blockquote><strong>Hubert Wolf:</strong> Ich verstehe mich als Bindeglied und Ansprechpartner zwischen dem Sportbund Pfalz und den Zweibrücker Vereinen. Die Hauptaufgaben bestehen in der Organisation und Durchführung von Informationsveranstaltungen, Teilnahme sowie das Organisieren jährlicher Treffen mit der Jugendpflege der Stadt, Vertretung der Sportjugend im Stadtjugendring und der Unterstützung des Ehrenamtes (Jugendleitercard-Inhaber)</blockquote>

Was waren für Sie die Gründe, das Ehrenamt zu übernehmen, und wer war Ihr Vorgänger?

<blockquote><strong>Wolf:</strong> Ich wurde von Jugendsekretär Peter Conrad vom Sportbund Pfalz gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das Amt zu übernehmen. Ich habe nach kurzer Überlegung zugesagt, da ich schon immer ein besonderes Verhältnis zu den Jugendlichen, sei es als Trainer oder als Freizeitleiter, hatte. Mein Vorgänger war Horst Andresen.</blockquote>

Soll durch dieses Gütesiegel die Arbeit in den Mitgliedsvereinen des Sportbundes Pfalz noch forciert werden?

<blockquote><strong>Wolf:</strong> Ja und nein. Es geht uns in erster Linie um die oder eine Auszeichnung des Vereins. Mit dem Gütesiegel „kinder- und jugendfreundlicher Sportverein“ soll die qualifizierte Jugendarbeit der Vereine mit einem klaren Konzept ausgezeichnet werden. Im Vordergrund steht die Unterstützung in der individuellen, sozialen und kulturellen Entwicklung, sodass das Zertifikat für Eltern, Kinder und Jugendliche eine zusätzliche Entscheidung bei der Auswahl des richtigen Sportvereins sein kann.</blockquote>

Welche Veränderungen stellen Sie fest, wenn Sie die Jugendarbeit der vergangenen Jahre in Ihrer Zuständigkeit beobachten?

<blockquote><strong>Wolf:</strong> Mir fällt insbesondere auf, dass immer mehr altgediente Trainer, Betreuer und Jugendleiter in Rente gehen. Die Folge ist, dass diese Aufgaben nicht mehr oder zumindest immer weniger fachlich gut besetzt werden können. Es sind nicht mehr so viele bereit, sich der Jugendarbeit zu stellen und entsprechende Lehrgänge zu absolvieren. Außerdem erhärtet sich mein Eindruck, dass vielen Jugendlichen eine gewisse Kontinuität, teilweise der letzte Wille und bei einigen ganz einfach die motorischen Fähigkeiten fehlen. Sobald es Schwierigkeiten gibt, wird schneller ein Vereinswechsel vollzogen. Dies hängt oftmals mit dem Elternhaus zusammen. Glücklicherweise gibt es aber auch Vereine, bei denen dies nicht der Fall ist. Als Beispiele seien hier nur die VT Zweibrücken, die Wassersportfreunde oder der SV 64 genannt.</blockquote>

Welche Aufgabe übernimmt der Sportbund Pfalz mit seinen Qualifizierungsmaßnahmen?

<blockquote><strong>Wolf:</strong> In erster Linie versuchen wir, die vielen ehrenamtlich in den Sportvereinen tätigen Mitarbeiter für ihre unterschiedlichen Aufgaben zu qualifizieren und weiterzubilden. Als Sportjugend legen wir besonderen Wert auf die im Kinder- und Jugendbereich tätigen Übungsund Jugendleiter. Dabei ist zu beachten, dass die Anforderungen im Nachwuchsbereich in den letzten Jahren gestiegen sind. Darüber hinaus ist der moderne Jugend- und Übungsleiter auch als Pädagoge gefragt. Die Führung des jungen Menschen liegt im Vordergrund seiner Arbeit. Deshalb versuchen wir entsprechende Seminare zu entwickeln, die den Anforderungen gerecht werden. Dabei findet man bei uns auch die Weiterbildungsthemen zu den Bereichen Alkohol-und Gewaltprävention, sexueller Missbrauch, Konfliktmanagement.</blockquote>

Verstehen Sie sich als Bindeglied zwischen den Sportvereinen des Kreises Zweibrücken und der Sportjugend in Kaiserslautern?

<blockquote><strong>Wolf:</strong> Eindeutig ja, wobei man aber auch kritisch anmerken muss, dass die Zusammenarbeit nicht so funktioniert, wie es eigentlich sein müsste. Es kommen sehr selten Vorschläge, um Fortbildungsveranstaltungen in Zweibrücken durchzuführen.</blockquote>

Hatten Sie schon Kontakt mit dem neuen Vorsitzenden der Sportjugend, Stefan Leim, und wie eng arbeiten Sie mit dem Jugendsekretär Peter Conrad aus Hornbach zusammen?

<blockquote><strong>Wolf:</strong> In den letzten vier Jahren hatte ich wenig Kontakt zum damaligen Vorsitzenden der Sportjugend Pfalz, Bernd Schicker. Bei unserer diesjährigen Hauptversammlung in Klingenmünster habe ich den neuen Vorsitzenden Stefan Leim kennengelernt. Mit unserem Jugendsekretär Peter Conrad aber auch mit Tina Donauer telefoniere ich wöchentlich.</blockquote>

Es gibt sehr gute Angebote in den Sportvereinen mit qualifizierten Trainern. Sind die Vereine für die Zukunft gewappnet oder wo muss nachgebessert werden?

<blockquote><strong>Wolf:</strong> Das müsste man eigentlich die Sportvereine fragen. Aber meines Wissens, und da kann ich nur für einige sprechen, wird schon versucht, mit dem sportlichen Entwicklungen und den neuesten Trends Schritt zu halten, um damit die Jugendlichen zu begeistern. Natürlich ist klar, dass die Sportvereine schon untereinander konkurrieren. Das bedeutet, dass die Übungsleiter gut ausgebildet sein müssen.</blockquote>

In den letzten Monaten ist eine rege Diskussion hinsichtlich der Ganztagsschulen entbrannt. Teilen Sie die Befürchtungen der Vereine, dass Ihre Arbeit darunter leidet?

<blockquote><strong>Wolf:</strong> Nur bedingt. In Zweibrücken haben wir drei Ganztagsschulen (zwei Grund- und eine Hauptschule). Meines Erachtens stellt sich die Frage nur in den ersten beiden Grundschulklassen, da bei diesen Schülern die Aufnahmefähigkeit noch beschränkt ist und somit ein späteres Training im Verein relativ schwierig ist. Die Hauptschule stellt für mich wegen des Alters der Schüler kein Problem dar. Im Gegenteil, es bietet für den Verein bei entsprechendem Trainingsangebot die Möglichkeit, diese an ihn zu binden.</blockquote>

Wie viele Vereine aus Ihrem Bereich, der Stadt Zweibrücken, haben sich um das Gütesiegel beworben?

<blockquote><strong>Wolf:</strong> Bis zum heutigen Zeitpunkt noch niemand. Wobei man allerdings auch anmerken muss, dass das Gütesiegel des Sportbundes erst seit Januar dieses Jahres aufgelegt ist.</blockquote>

Welche Sorgen und Nöte, aber auch Wünsche werden von den Zweibrücker Vereinen an Sie herangetragen?

<blockquote><strong>Wolf:</strong> Das Interesse ist mit Sicherheit steigerungsfähig. Abgesehen von wenigen Vereinen, die regelmäßig bei mir nachfragen, ist die Kontaktaufnahme eher mittelmäßig.</blockquote>

Jugendarbeit verläuft meist im Stillen. Müssten die Sportvereine offensiver um den Nachwuchs werben, sprich ihn vielleicht schon in der Schule abholen?

<blockquote><strong>Wolf:</strong> Bei dem einen oder anderen Verein, wie etwa den Wsf, dem SV 64, LAZ und im Karatesport werden ausreichende Angebote offeriert. Oftmals fehlt aber auch die Zeit, ausreichend Trainer und Übungsleiter für den Schulsport zu gewinnen.</blockquote>

Sie waren in vielfältigen Sportarten als Trainer tätig und Leiter der Inzell-Fahrt der Sportjugend Zweibrücken über 25 Jahre. Wie sieht Ihr persönliches Fazit aus?

<blockquote><strong>Wolf:</strong> Für mich standen und stehen die jungen Sportler und Ferienteilnehmer immer an erster Stelle. Dies ist vor 25 Jahren genauso gewesen, wie auch heute. Die Jugendlichen merken das sehr schnell, und geben Vieles wieder zurück. Das steigert das persönliche Engagement. Persönlich bin ich sehr dankbar, dass ich in all den Jahren dazu einen kleinen Beitrag leisten durfte.</blockquote>
Hubert Wolf (im Vordergrund links) leitet die Freizeit der Sportjugend Zweibrücken in Inzell seit über 25 Jahren
Hubert Wolf (im Vordergrund links) hat über 25 Jahre die Freizeit der Sportjugend Zweibrücken in Inzell geleitet. Foto: pma