Zweibrücken. Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und Speerwerferin Christin Hussong haben bei der Leichtathletik-WM in Peking Ende August für Furore gesorgt. Im Gespräch mit Merkur-Redaktionsmitglied Martin Wittenmeier erklärt der sportliche Leiter des LAZ Zweibrücken, Alexander Vieweg, warum er trotz einer schwierigen Hallensaison nie an seinen Athleten gezweifelt hat und blickt bereits auf Olympia in Rio 2016.

Herr Vieweg, die Freiluftsaison ist fast vorüber. Wahrscheinlich sind auch Ihre Athleten froh, dass jetzt erst einmal ein paar freie Tage anstehen?

Alexander Vieweg: Am Wochenende ist jetzt noch Diamond League in Brüssel, aber dann sind wir eigentlich durch. Es ist auch genug. Bei Christin (Christin Hussong, Anm. d. Red.) hat man das schon beim Istaf gemerkt, sie ist da wie auf Eiern gegangen, die Beine waren platt. Es war für sie in dieser Saison eine komplett neue Erfahrung, dass sie kontinuierlich die ganzen großen Wettkämpfe mitmacht. Und auch bei Raphi (Raphael Holzdeppe, Anm. d. Red.), der ja grad aus Peking zurück ist und sich hier erst wieder akklimatisieren musste, hat man das gespürt. Jetzt fliegen beide erst einmal in den Urlaub.

Raphael Holzdeppe ist in Peking Vizeweltmeister geworden. Hat Sie seine Leistungssteigerung nach der eher durchwachsenen Hallensaison überrascht?

Vieweg: In der Halle war das eigentlich ganz okay, er hat halt ein bisschen gebraucht. Und wenn Renaud Lavillenie ständig sechs Meter springt, erwartet jeder, dass Raphi dann mindestens 5,80 Meter oder 5,90 Meter nachlegt. Die Halle hat er als Grundlage für den Sommer genommen. Das war mit seinem Trainer Andrei Tivontchik auch so eingeplant.

Die Erfolge im Sommer waren dann ja phänomenal.

Vieweg: Es war das erste Mal, dass wir als LAZ zwei Leute zu einer WM geschickt haben. Und am Ende kommt Raphi mit Silber nach Hause, Christin mit Platz sechs. Das ist einfach unglaublich stark. Bei Christin hat man in der Quali mit den 65,92 Metern ja schon gesehen, was für ein Leistungsniveau sie mittlerweile erreicht hat. Da darf man sich gar nicht ausdenken, was mit so einem Wurf im Finale drin gewesen wäre. Mit den beiden haben wir zwei echte Kugeln für Rio 2016 im Lauf.

Vor vier, fünf Monaten sah es bei Raphael Holzdeppe nicht nach einer solchen Leistungsexplosion aus. Was ist seitdem passiert?

Vieweg: Ich war immer jemand, der gesagt hat: „Lass den mal machen, der kriegt das schon hin.“ Trotz der vielen Turbulenzen. Und seit dem Wettkampf in Rehlingen hab ich mir überhaupt keine Sorgen mehr gemacht. Als er da eingestiegen ist, hat man gesehen, dass er seinen Rhythmus hat, und von da an ging’s ja auch steil bergauf. Und bei Christin läuft es ja schon seit letztem Jahr in Zürich und da ist auch noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Auch mit den knapp 66 Metern nicht. Die hat noch so ein Pfund drauf, wenn sie gesund bleibt. Das macht auch ihr Vater und Trainer Udo richtig gut, der sie zwischendurch auch mal in Watte packt und langsam immer eins draufsetzt.

Wie sieht es mit den anderen LAZ-Athleten aus?

Vieweg: Anna Felzmann ist dieses Jahr phänomenal gut gesprungen, auch mit der Nominierung für die Universiade. Und als Bestätigung wird sie jetzt auch wieder in den Bundeskader für Rio aufgenommen. Bei Daniel Clemens sah es zu Saisonbeginn eigentlich auch gut aus. Ich glaube, so eine richtige Erklärung, warum es dann nicht höher ging, gibt es da nicht. Das war wie bei Raphi im letzten Jahr. Da kommen einfach verschiedene Faktoren zusammen. Aber wenn Daniel wieder das springt, was er kann, und das sind definitiv mehr als die 5,60 Meter, die er bislang gezeigt hat, ist er für mich auch ein Kandidat für Rio. Auch die anderen deutschen Stabhochspringer Carlo Paech und Tobias Scherbarth haben im Laufe der Saison hier und da ihre Problemchen. Aber es gibt immer die Möglichkeit, da vorne reinzurutschen. Dass es keine gute Saison war, hat Daniel gewurmt. Aber da muss er durch.

Auch Kristina Gadschiew hatte immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen und die Saison vorzeitig beendet. Trauen Sie ihr ein Comeback zu? Möchte sie überhaupt?

Vieweg: Sie will. Wir haben lange, intensive Gespräche geführt, und Kristina hat sich ganz klar positioniert, dass sie sich Rio im nächsten Jahr als Ziel nimmt und noch einmal voll angreifen wird. Die Saison war natürlich nicht einfach: Du kommst nach einem Achillessehnenriss zurück, bist im Winter eigentlich gut in Form und dann gibt es zwei, drei kleine Rückschläge – der Stab bricht oder der Anlauf passt einfach nicht –, das hat sich dann summiert. Aber ich glaube, wenn sie jetzt ein bisschen Abstand kriegt, kann alles noch mal werden. Vielleicht sind wir nächstes Jahr mit einem bei Olympia vertreten, vielleicht mit vier. Da muss man einfach abwarten, was passiert, keine Ahnung. Wenn ich das alles immer vorher wüsste, würde ich auch ruhiger schlafen. (Lacht.)

Wie sieht es mit den LAZ-Nachwuchsspringern aus? Nicolas Dietz hat in diesem Jahr die deutschen Meisterschaften der U20 gewonnen, sein großes Ziel, die EM, aber knapp verpasst.

Vieweg: Aber er hat sich dieser Herausforderung gestellt. Es war jetzt das erste Mal, dass er in diesem Kreis war und um eine Qualifikation mitspringen konnte. Es ist halt etwas schiefgelaufen. Was ich gut fand, war, dass er dann mal für ein paar Wochen raus ist – er hat ja parallel auch noch sein Abitur gemacht –, sich im Training neu strukturiert hat und bei den Deutschen auch einfach das Glück hatte, dass er seine Form abrufen konnte. Das war unheimlich stark.

Das Aushängeschild des LAZ: Stabhochsprung-Vizeweltmeister Raphael Holzdeppe.
Das Aushängeschild des LAZ: Stabhochsprung-Vizeweltmeister Raphael Holzdeppe. (Foto: dpa)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)