Nürnberg. Nach seinem ersten deutschen Meistertitel im Stabhochsprung zeigte Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken gestern Herz und Geduld. Minutenlang schrieb er seinen Fans an der Anlage im Nürnberger Grundig-Stadion Autogramme. Und dann nahm er sich ewig Zeit, um mit den Journalisten locker und gelöst zu plaudern. Man merkte ihm die Zufriedenheit, ja die Genugtuung einfach an.

„Ich bin sehr glücklich, ich habe lange auf diesen Titel hingearbeitet. Heute hat es endlich geklappt“, meinte der Modellathlet mit einer Wahnsinnsausstrahlung. Trainer Andrei Tivontchik strahlte so entspannt wie selten, Freundin und Weitsprung-Silber-Gewinnerin Sosthene Moguenara nahm auf der Tribüne von allen Seiten Glückwünsche entgegen, auch von Raphaels Eltern Rita und Dieter. „Er ist wieder da, und was mir besonders gut gefallen hat, war seine Körpersprache“, sagte Dieter Holzdeppe. Und die Mama schwärmte: „Wie in alten Zeiten“.

Holzdeppe hat jetzt nur noch einen Wettkampf, am 5. August in Jockgrim, dann geht er optimistisch in die Titelverteidigung im Pekinger „Vogelnest“, wo er vor sieben Jahren bei den Olympischen Spielen den hervorragenden achten Platz belegt hatte. „Das heute hat mir einen großen Schub nach vorne gegeben, ich freue mich richtig auf die WM“, sagte Holzdeppe.

Vereinskollege Daniel Clemens, der gestern mit 5,40 Meter Sechster wurde, meinte: „Unfassbar. Er springt in diesem Jahr noch deutschen Rekord, da lege ich mich fest“. Mit seiner eigenen Leistung war er nicht so zufrieden: „Nicht wirklich, nein. Ich habe im Training schon deutlich bessere Sprünge gezeigt“, sagte der 23-Jährige, der gleiches von seiner Freundin Anna Felzmann berichtete: „Auch bei ihr lief es nicht ganz so gut, am Samstag herrschten ja auch widerliche Bedingungen mit Sturm und so.“ Felzmann wurde mit 4,25 Meter Siebte.

Ganz realistisch hat gestern Speerwerferin Christin Hussong aus Herschberg ihren vierten DM-Platz beurteilt. „Die anderen Drei waren eben besser. Ich denke, ich habe sie mit meinem ersten Versuch auf 61 Meter ein bisschen geärgert, aber auch herausgefordert.“ Sie war wirklich zufrieden, und durfte es auch sein, auch wenn die Serie „nicht der Brüller war“. „Ich hatte gerade meinen Höhepunkt in Tallinn mit dem U23-EM-Titel und bin schon wieder in der Vorbereitung auf Peking. Die Beine machten gestern nicht so richtig mit, die anderen sind da schon ein bisschen weiter“, analysierte die 21Jährige vom LAZ Zweibrücken den Wettbewerb. Sie warf 61,19 Meter und verfehlte eine Medaille um eineinhalb Meter.

Heftig palaverten die Athletinnen des dritten 100-Meter-Vorlaufs um Sina Mayer. „Wir dachten alle, wir hätten richtig schön Rückenwind und hofften auf bessere Zeiten“, sagte die 20-Jährige aus Schönenberg-Kübelberg, die nach Platz sechs ausschied. In 11,83 Sekunden hatte sie am Samstag ihr Tagwerk vollbracht. Weil nur 24 Frauen gemeldet hatten, ging es direkt aus der ersten Runde ins Finale. Für Mayer war das schade. „Ich muss sagen, ich hatte mich beim Aufwärmen besser gefühlt. Ich wäre gerne zweimal und schneller gelaufen“, sagte die LAZ-Athletin, die jetzt noch nach ein, zwei Startmöglichkeiten sucht.

Momentan stehen ihre 11,67 Sekunden von der U23-DM in Wetzlar und die Ersatzrolle bei der U23-EM in Tallinn zu Buche. „Das habe ich abgehakt“, hat sie ihre Enttäuschung verdrängt, sie kann dennoch eine gute Saison bilanzieren. Gestern dann war sie ein zweites Mal dran: über 200 Meter. Aber sie meinte, ohne die Zeit (24,94 sec) zu kennen: „Die erste Hälfte war gut, aber hintenraus ging nichts mehr.“

Der Riesen-Sprung: Stabhochspringer Raphael Holzdeppe war auf den Punkt topfit. Mit übersprungenen 5,94 Metern wurde er Deutscher Meister und versuchte sich danach an der deutschen Rekordhöhe von 6,02 Meter.
Der Riesen-Sprung: Stabhochspringer Raphael Holzdeppe war auf den Punkt topfit. Mit übersprungenen 5,94 Metern wurde er Deutscher Meister und versuchte sich danach an der deutschen Rekordhöhe von 6,02 Meter. Foto: Kunz
Das Ergebnis: das lang ersehnte erste DM-Gold.
Das Ergebnis: das lang ersehnte erste DM-Gold. Foto: Hensel

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
25.–26.07.2015 Deutsche Meisterschaften 2015 Nürnberg (Deutschland)