Talentsichtungen ist das A und O bei den Vereinen, die sich dem Leistungssport verschrieben haben. In der vergangenen Woche habe ich den Talent-Cup des Leichtathletikzentrums (LAZ) unter die Lupe genommen und dabei aufgezeigt, welche Anforderungen gestellt werden, um diesen Talentstatus zu durchbrechen, um in die nationale, geschweige internationale Spitze vorzudringen.

Ein ähnliches Ausleseverfahren wird auch bei den Wassersportfreunden (Wsf) Zweibrücken betrieben. Dabei ist von dem früheren Vorsitzenden Paul Roller ein ausgeklügeltes Leistungsraster aufgebaut worden, das die Schwimmtalente durchlaufen müssen, ehe sie im Olympiastützpunkt in Saarbrücken in die Hände von Landestrainer Peter Fischer und dessen Team gelangen. Dass hier schon im Vorfeld in Zweibrücken ein langer Atem notwendig ist, ist verständlich. Werden in den einzelnen Leistungsklassen die Anforderungen kontinuierlich gesteigert, werden die Zeitfenster der Probanten zunehmend größer. Das heißt, die Trainingsumfänge werden kontinuierlich gesteigert, fast tägliche Übungseinheiten sind notwendig. Das Zusammenspiel von Schule und Sport gerät in diesem Bereich schon in eine erste Testphase. Da ist auch kein Raum für irgendwelche Sentimentalitäten, denn ein untrügerisches Zeichen sind die Zeiten, ist die Uhr. Sie zeigt genau an, welche Stunde geschlagen hat, ob man aus dem Schatten eines Talents herausgeschwommen ist, sich für einen der Kader im Saarländischen Schwimmverband qualifizieren kann.

Dass das Auswahlverfahren in Zweibrücken funktioniert, belegen die Namen, die in den vergangenen Jahren den Sprung in die saarländischen Kader geschafft haben oder Punktlieferanten in den Bundesliga-Mannschaften der Startschwimmgemeinschaft Max Ritter bei den Männern und Frauen waren. Selbst die Qualifikation für den Welt-Cup in Berlin oder die Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Essen haben jüngst Neil Pallmann, Florian Schmidt, der deutsche Jahrgangsmeister über 200 Meter Schmetterling, und Sebastian Lotze geschafft. Der Lemberger darf sich noch Chancen auf den Freistilstrecken ausrechnen, sich für das Jugend-Europameisterschaft in Slowenien zu qualifizieren.

Doch haben die Deutschen Meisterschaften schon gezeigt, wie dünn die Luft in der nationalen Spitze ist, oftmals auch die Tagesform entscheidet. So hat der 19-jährige Rückenspezialist Pallmann demonstriert, dass er den ganzen Abi-Stress zu Beginn des Jahres einen deutlichen Aufwärtstrend zeigt. Indiz dafür sind ein neuer Saarlandrekord über 50 Meter Rücken und der fünfte Platz im A-Finale über 200 Meter Rücken.

Wie schwer Beruf und Leistungssport unter einen Hut zu bringen sind, zeigen Florian und Frank Schmidt, einst deutscher Jahrgangsmeister über 200 Meter Brust. Während Florian derzeit die Belastungen einer Lehre bei den Stadtwerken seit August Tribut zollen muss, fehlen Frank bei seiner Ausbildung zum Polizisten oftmals auch die notwendigen Trainingszeiten. Das ist nun einmal das Los vieler Leistungssportler beim Spagat auf zwischen Sport und Beruf. Bisher war es nur wenigen deutschen Schwimmern vergönnt gewesen, aus ihrem sportlichen Ruhm auch Kapital, zu schlagen. Deshalb bleiben viele Talente auf der Strecke, und die Klagen sind groß, dass die internationale Konkurrenz, von wenigen Ausnahmen abgesehen, den deutschen Athleten davonschwimmt. Die Olympischen Spiele in Peking lieferten ein beredtes Zeugnis.

Gleichzeitig soll damit noch einmal aufzeigt werden, welche Rädchen nahtlos ineinander greifen müssen, bis aus dem Talent ein Spitzensportler geworden ist.