„Jeder ist seines Glückes Schmied“, verheißt ein Sprichwort. Was so viel bedeutet, dass jeder für sich verantwortlich ist, jeder Einzelne für sich herausfinden muss, was für ihn das Beste in seinem ganzen Lebensumfeld ist. Die Vielfalt der Möglichkeiten, aktiv zu werden, ist groß. Das hat beim jüngsten Merkur-Sportstammtisch der Leiter der Inneren Abteilung des Evangelischen Krankenhauses, Dr. Matthias Stopp, mit allem Nachdruck herausgestellt.

Dabei sind es oftmals Nuancen, die zum körperlichen Wohlbefinden beitragen können. Es werden bei Leibe keine Höchstleistungen verlangt. Oftmals sind es schon Kleinigkeiten, die bisher gar nicht in diese Kategorie eingeordnet waren. Wichtig ist einfach, dass sich überhaupt bewegt wird.

In dieser Phase des Jahres, dem Frühling, der am Montag kalendarisch begonnen hat, werden die Menschen geradezu angetrieben. Sei es, dass der obligatorische Frühjahrsputz im Haus ansteht, dass Fahrräder startklar gemacht werden oder dass Pläne geschmiedet werden, wie der Winterspeck reduziert werden kann. Mangelnde Bewegung in den vergangenen Monaten hat die Leibesfülle etwas anwachsen lassen.

Weniger als der Body-Mass-Index ist der Bauchumfang ein wichtiger Indikator für die Fitness. Bei Frau und Mann. Das Maßband liefert untrügliche Zeichen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Hier gilt es, den Hebel anzusetzen. Mit einfacher Bewegung, die am Anfang vielleicht etwas schwer fällt. Doch ihre Kontinuität sorgt für augenscheinlichen Erfolg. Die Pfunde schmelzen.

Doch hier macht der 45-jährige Mediziner allen Mut, denen die ersten Schritte schwerfallen. Für den Kardiologen ist wichtig, dass sich überhaupt bewegt wird. Wobei er das Dicksein keineswegs verdammt, sondern gar für ein bisschen Übergewicht im zunehmenden Alter plädiert. Da dieses kleine Übergewicht manches Mal schon als ein kleiner Puffer, als ein Äquivalent, gegen sich anbahnende Krankheiten wirkt. Die Masse muss nur in Bewegung gehalten werden. Über das Wie kann der Einzelne entscheiden.

„Dicke Fitte mit Übergewicht haben eine genauso hohe Lebenserwartung, wie unfitte ,Hungerhaken‘“, warf er ketzerisch in die Runde. Das belegte Dr. Matthias Stopp anhand einer Studie, bei der deutlich aufgezeigt wurde, welche positiven Auswirkungen Bewegung haben kann. Mit ihr kann eine Fülle von Erkrankungen, vor allem dem Bluthochdruck, vorgebeugt werden. Jede körperliche Aktivität zählt. Da gibt es nur wenige Ausnahmen, die als Alibi gegen Bewegung herhalten. Bei einem Schlaganfall, bei einem Herzinfarkt, bei Grippe und Fieber ist Bewegung untersagt, beziehungsweise sollte der Arzt wegen Verhaltungsmaßnahmen konsultiert werden.

Doch schlägt sich der Kardiologe selbst an die Brust und weiß, dass die Ärzte nach den jüngsten Erkenntnissen umdenken müssen. So zählen mittlerweile Hausarbeiten, ganz gleich welcher Art, aber auch schlichte Gartenarbeit oder einfach nur ein längerer Spaziergang zu den Bewegungsmustern, die bisher kaum Beachtung gefunden haben. Aber auch schon, wenn statt des Aufzuges die Treppe benutzt wird, können bereits weitere Pluspunkte gesammelt werden.

Wer aber gezielt etwas für seine Fitness tun will, der ist weiterhin gefordert. Wer zwei Mal in der Woche bis zu 45 Minuten oder darüber hinaus sich bewege oder Sport treibe, der sei auf der sicheren Seite, erklärt der Mediziner. Nicht vernachlässigt werden soll aber auch das Krafttraining in zunehmendem Alter, da über die Kräftigung der Muskulatur die umliegenden Gelenke unterstützt werden, die Stabilität der Knochen erhöht wird.

Also jeder kann etwas für seine Gesundheit tun. Doch bekanntlich ist der erste Schritt immer der schwerste. Dabei zeichnet sich das Ergebnis nicht postwendend ab, sondern baut auf Kontinuität. Was aber wesentlich erscheint, ist die Tatsache, dass das Pensum selbst ausgewählt werden kann, und auch die Überprüfung der Bewegungen selbst erfolgt. Jeder ist sein eigener Trainer, sofern er nicht professionelle Hilfe in Anspruch nimmt. Bewegung ist sowohl für die Prävention als auch die Therapie chronischer Erkrankungen ein Allheilmittel. Die daraus sich ergebende Fitness wirkt wie ein Schutzmantel.

Die vorbeugende Wirkung von Bewegung, die sich in einer allgemeinen Fitness niederschlägt, behält ihren Schutzfaktor aber nur, wenn die Regelmäßigkeit gewährleistet wird. Doch da sie individuell gewählt werden kann, kann das eigene Bewegungsmuster entwickelt werden. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Aber all diejenigen, die bisher Bewegung gescheut haben und die zu der zunehmenden Zahl der Übergewichtigen zählen, werden allein schon dadurch ermuntert, ihr Herz in beide Hände zu nehmen, um über die Bewegung dem drohenden Herzinfarkt entgegenzusteuern. Deshalb sollten sich alle Angesprochenen die schon vielfach von Dr. Matthias Stopp veröffentliche These zu Herzen nehmen: „Bewegung gibt es nicht auf Rezept.“ Vorbeugen ist besser als heilen.

Weitere Infos beim Fitnesstag „Muskel- und Krafttraining“ am Samstag, 9. April, ab zehn Uhr im Evangelischen Krankenhaus.