Zweibrücken. Die eine ist hingefahren, der andere bleibt daheim: Wenn heute im niederländischen Amsterdam die Europameisterschaften der Leichtathleten beginnen, ist vom LAZ Zweibrücken Speerwerferin Christin Hussong mit von der Partie, Stabhochspringer Raphael Holzdeppe sagte seinen Start dagegen wegen muskulärer Probleme ab. Hussong, mit 66,41 Metern derzeit Zweite der Weltjahresbestenliste, geht gelassen in ihren EM-Wettkampf.

„Ich freue mich auf Amsterdam“, meinte sie zu Beginn der Woche. Am gestrigen Dienstag ging’s per Auto mit Papa und Trainer Udo nach Holland. Hinzufliegen lohne sich nicht, verdeutlichte die 22-Jährige, „bis man da allein am Flughafen ist und eingecheckt hat, ist man mit dem Auto ja fast schon da“. Die Sportstudentin ist entspannt vor der EM. Kann sie auch sein, mit dem Titel der Deutschen Meisterin in der Tasche und mit der besten Weite einer Deutschen in diesem Jahr. Am Donnerstag gilt es zum ersten Mal für die Herschbergerin, dann ist die Qualifikation angesetzt. Ob sie in der ersten Gruppe um 12 Uhr oder erst in Gruppe zwei um 13.25 Uhr ran muss, erfährt sie erst am Abend zuvor. Auch, wieweit sie für eine Finalteilnahme werfen muss.

Dass diese das Ziel ist, gibt sie unumwunden zu. „Ins Finale unter die besten Acht will ich auf jeden Fall. Und mich dann einfach verbessern gegenüber meiner ersten EM bei den Aktiven.“ Damals wurde sie im Jahr 2014 in Zürich Siebte. Klappt das mit dem EM-Finale (Samstag, 18.45 Uhr), würde sie gerne noch mal an die 66 Meter herankommen, die sie bei den deutschen Meisterschaften in Kassel geworfen hat. Druck verspürt Hussong, die zusammen mit den beiden Leverkusenerinnen Linda Stahl und Weltmeisterin Katharina Molitor das deutsche Damen-Trio im Speerwurf bildet, nicht – und sie macht sich auch selbst keinen. Es gebe nach dem Wurf bei der DM zwar sicher einige, die mehr von ihr erwarten würden, „aber die sollen erwarten, was sie wollen“. Und sie legt selbstbewusst nach: „Ich weiß, was mich zufrieden stellt und setze mich nicht unter Druck“.

Zuletzt habe sie nur noch trainiert, „das lief alles gut“, sagt sie. Groß zu akklimatisieren braucht sie sich in Amsterdam wohl auch nicht, die vorhergesagten Temperaturen zwischen 18 und 20 Grad und das Wetter weichen nicht von dem ab, wie es zuletzt auch zu Hause in Zweibrücken war.

Stabhochspringer Raphael Holzdeppe kann dagegen in Amsterdam nicht starten. Muskuläre Probleme zwangen ihn zu einer Absage, wie der Deutsche Leichtathletik-Verband gestern mitteilte. Für den 26-Jährigen wird damit auch das Zeitfenster immer enger, noch die geforderte Norm von 5,70 Meter für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro (5. bis 21.August) zu springen.

Der Vizeweltmeister hatte sich im Februar bei den deutschen HallenMeisterschaften einen Anriss des Außen- und Innenbandes im Sprunggelenk sowie des Syndesmosebandes im Absprungbein zugezogen und war danach operiert worden. Den Start in die Sommersaison musste der Olympia-Dritte von 2012 danach – trotz guter Trainingswochen zuvor – immer wieder verschieben. Beim vereinseigenen Himmelsstürmer-Cup lief er sich bereits warm, passte wegen einer Verhärtung im Oberschenkel aber vorsichtshalber. Auch eine Woche danach, bei der deutschen Meisterschaft, konnte er nicht antreten. Bei einem Meeting in Leverkusen produzierte er dann einen „Salto nullo“, und beim Springen am Landauer Obertorplatz Ende Juni, als Karsten Dilla die Olympia-Norm knackte, kam er über 5,40 Meter – die einzige Höhe, die in diesem Sommer für ihn zu Buche steht. Bisher haben sich mit dem Deutschen Meister Tobias Scherbarth und Dilla (beide Leverkusen) nur zwei Deutsche für Olympia qualifiziert. Holzdeppe war gestern für eine Stellungnahme zur EM-Absage nicht erreichbar.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
06.–10.07.2016 Europameisterschaften 2016 Amsterdam (Niederlande)