Karlsruhe. Die Freude ist aus Raphael Holzdeppe herausgebrochen wie heiße Asche aus einem Vulkan. Aus sechs Metern gut gelandet, stürmte er jubelnd von der Matte, klatschte seinen Trainer Andrei Tivontchik ab. Die 4500 Zuschauer in Halle 3 der Karlsruher Messe schrien sich die Seele aus dem Leib. 5,88 Meter im dritten Versuch, Wahnsinn! „Wär’s bei den 5,83 Metern geblieben, wäre ich auch schon zufrieden gewesen. Aber Hallenbestleistung, umso besser“, sagte der Freiluft-Weltmeister von 2013, nachdem er den Olympiasieger von 2012 und Weltrekordhalter (6,16 Meter) Renaud Lavillenie geschlagen und seine Bestleistung mit den Glasfiberstäben, die er seit einem Jahr springt, gesteigert hatte.

Tivontchik sagte: „Das war hervorragend. Er hat umgesetzt, was er im Training drauf hat. Er lief aus vollem Anlauf mit 18 Schritten an, und er ist ja schon immer so schnell, das weiß man ja. Geplant war, alle Höhen anzugehen, um Stabilität zu gewinnen, bei den 5,95 Meter war er dann müde.“

Gemeinsam saßen die beiden „Stabis“ am Ende auf der Matte und ließen den irren Wettkampf Revue passieren. Lavillenie war zwei Mal hoch drüber über den 5,88 Metern – und riss sehr knapp. Das war der Sieg für Holzdeppe. „Das ist halt beim Stabhochsprung so“, sagte Holzdeppe, „da waren wir uns einig. In London bin ich auf die 5,78 m draufgefallen, er heute auf die 5,88 Meter“, sagte Holzdeppe. Sie sehen sich wieder beim Meeting in Clermont-Ferrand und dann bei der Hallen-Weltmeisterschaft in Birmingham. „Bis dahin wird es noch höher rausgehen, hoffentlich auch bei mir. Ich war ja immer noch nicht bei einer Hallen-WM“, sagte der Zweibrücker, der seinen Siegerblumenstrauß beim Interview noch immer in der Hand hielt. „Der ist entweder für meine Mutter, die auch in der Halle war, oder für meine Freundin, da habe ich mich noch nicht entschieden.“

Seine Freundin Sosthene Moguenara sprang parallel zu Holzdeppe, aber in die entgegengesetzte Richtung und in die Weitsprunggrube. Als er die 5,88 Meter überflog, war sie gerade mit 6,54 Meter im dritten Versuch in Führung gegangen, am Ende lag sie auf Platz zwei mit 6,70, zwei Zentimeter hinter Geburtstagskind Malaika Mihambo, die 24 wurde. Ihr liebstes Geschenk gestern: „Natürlich die neue Hallenbestleistung“, sagte sie.

„Der Zweikampf mit Malaika hat so viel Spaß gemacht. Raphael und ich, das war megakrass. Ich musste mich auf meinen Wettkampf konzentrieren, aber gleichzeitig bei ihm gucken. Ich bin so froh, dass es heute bei ihm geklappt hat mit der Norm“, sagte Moguenara, die mit Holzdeppe zusammen in Saarbrücken wohnt.

Den Hürdensprint gewann die Amerikanerin Sharika Nelvis in der Weltjahresbestzeit von 7,80 Sekunden, Cindy Roleder wurde in 7,84 Sekunden Dritte, Pamela Dutkewicz in 7,95 Sekunden Fünfte. Enttäuscht war die Landauerin Ricarda Lobe (MTG Mannheim), die Hallen-EM-Sechste des Vorjahres: „Ich bin in die erste Hürde getreten, das hat mich ausgebremst.“ In 8,12 Sekunden verpasste sie das Finale knapp als Neunte.

Beim Sieg von Genzebe Dibaba aus Äthiopien in 3:57,45 Minuten über 1500 Meter belegte Hanna Klein aus Edenkoben in Bestzeit von 4:10,12 Minuten Platz sechs. Die WM-Finalistin von London sagte: „Ich hatte am Donnerstag meine letzte Prüfung an der Uni, hatte keine Ahnung, was ich kann. Insofern ist die Zeit richtig gut.“

Einen deutschen Doppelsieg feierten Tatjana Pinto (7,10) und Lisa Mayer (7,12) über die 60 Meter. Bei den Männern gewann mit Asienrekord von 6,47 Sekunden der Chinese Su Bingtian.

Aus dem Häuschen: Nach dem Siegessprung klatscht Raphael Holzdeppe seinen Trainer Andrei Tivontchik ab (links) – das Publikum in der Halle tobte vor Begeisterung.
Aus dem Häuschen: Nach dem Siegessprung klatscht Raphael Holzdeppe seinen Trainer Andrei Tivontchik ab (links) – das Publikum in der Halle tobte vor Begeisterung. (Foto: Kunz)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
01.–04.03.2018 Hallen-Weltmeisterschaften 2018 Birmingham (Vereinigtes Königreich)
03.02.2018 Indoor Meeting Karlsruhe 2018 Karlsruhe (Deutschland)