Merkur-Interview mit dem Sportlichen Leiter des LAZ, Karl-Heinz Werle – Konzept ist aufgegangen

Zweibrücken. Das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken gehört zu den führenden Vereinen in Deutschland. Sportlicher Leiter des LAZ ist Karl-Heinz Werle. Merkur-Redakteur Werner Kipper unterhielt sich mit dem stellvertretenden Vorsitzenden, der auch Sprint- und Hürdentrainer ist.

Sie sind Sportlicher Leiter des LAZ. Was ist unter dieser Funktion zu verstehen?

<blockquote><strong>Karl-Heinz Werle:</strong> Wir unterscheiden im geschäftsführenden Vorstand des LAZ Zweibrücken zwischen den operativen und den rein sportlichen Angelegenheiten. Im Sportbereich vertrete ich die Trainer und Athleten im Vorstand, um das sportlich Machbare auszuloten und zu ermöglichen.</blockquote>

Sie gehören zu den Gründungsvätern des LAZ vor über 20 Jahren. Hat das heutige Bundesleistungszentrum Ihre Bestrebungen in vollem Maße umgesetzt?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Als wir 1989 das LAZ gründeten, war es unser Anliegen, Spitzensport in der Leichtathletik zu ermöglichen. In den Jahren unseres Bestehens ist es uns gelungen, Deutsche Meister, Europameister, Weltmeister und Olympiateilnehmer hervorzubringen. Wir konnten das LAZ im Kreis der Spitzensport treibende Vereine etablieren und Zweibrücken als Sportstadt weltweit bekannt machen. Damit haben unsere Bemühungen sicherlich ein wichtiges Etappenziel erreicht. Um weitere Ziele zu erreichen, setzen wir auf die Verbesserung flankierender Maßnahmen.</blockquote>

Sie haben mit Ihren Mitstreitern das LAZ zu einem der führenden leistungssportlichen Vereine in Deutschland entwickelt. Worin liegt Ihr Erfolgsrezept?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Die Erfolge des LAZ basieren auf einem von Anfang an schlüssigen Konzept der Talentsichtung und Talentförderung. Wir konnten dazu sachund fachkompetente Trainerinnen und Trainer gewinnen, die das Konzept mitgetragen haben.</blockquote>

Wie sieht Ihre Bilanz der bisherigen Saison aus? Sind Sie zufrieden?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Unsere Athletinnen und Athleten konnten auch in dieser Saison glänzende Siege und hervorragende Platzierungen bei internationalen und nationalen Sportfesten erzielen. Rund um den Globus vertraten sie unser Land bei Welt- und Europameisterschaften und großen internationalen Meetings. Bei den nationalen Titelkämpfen belegten sie vordere Plätze. Ich muss mit der abgelaufenen Saison zufrieden sein, auch wenn wir uns hie und da bessere Platzierungen gewünscht hätten. In einer Sportart, in der die objektiv messbaren Leistungen das Geschehen bestimmen und Sekundenbruchteile oder Zentimeter über eine Platzierung entscheiden, ist für mich jede Endkampfteilnahme ein Erfolg. Deshalb meine Zufriedenheit in der vergangenen Saison.</blockquote>

Till Wöschler, U 20-Weltmeister im Speerwerfen, war in diesem Jahr der absolute Aufsteiger. Wie wichtig sind solche Erfolge für das LAZ?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Till Wöschler war in diesem Jahr mit seinem Weltmeistertitel im Speerwerfen bei der U 20 WM der „absolute Knaller“. Er stellte damit nicht nur sein großes Talent unter Beweis, sondern zeigte auch mit dem Wurf über 82,52 Meter die Richtung an, in die seine Entwicklung gehen kann. Für das LAZ ist das einmal mehr ein Beleg dafür, dass konsequente Talentsichtung und -förderung zur Entdeckung und Entwicklung von Ausnahmetalenten aus den eigenen Reihen führen.</blockquote>

Es vergeht keine internationale Meisterschaft, wie etwa die Hallen-WM, die U-20-WM, die Europameisterschaft oder die Jugend-Olympiade, an der nicht Athleten des LAZ am Start sind. Zeigt dies, wie breit mittlerweile das LAZ aufgestellt ist?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Es zeigt zumindest, dass das Fünf-Säulen-Konzept, Stabhochsprung, Sprint/Hürden, Mehrkampf, Wurf und Lauf greift und wir dort, wo wir kompetent sind, auch zu Erfolgen kommen.</blockquote>

Wie schlagen sich diese Erfolge beim LAZ nieder? Wechseln vermehrt Jugendliche in die Leichtathletik, oder ist es nur eine Bestätigung Ihrer jahrelangen Aufbauarbeit?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Erfolge sind in der Leichtathletik immer die Bestätigung mehrjähriger Aufbauarbeit. Über den Zulauf von Kindern und Jugendlichen können wir uns nicht beklagen. Er ist in den Jahren in etwa konstant.</blockquote>

Wächst bereits eine neue Generation hinter den Spitzenathleten nach?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Ja! Es sind in den einzelnen Gruppen Jugendliche zu finden, die, wenn sie durchhalten, in die Fußstapfen der aktuellen Spitzenathletinnen und Athleten treten können.</blockquote>

Viele andere Sportarten haben Ihr Sichtungssystem kopiert. Ist dadurch die Konkurrenz für die Leichtathletik größer geworden?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Trendsportarten oder Mannschaftssportarten, bei denen man im Kollektiv leichter zu Erfolgserlebnissen kommt, sind schon eine mächtige Konkurrenz. Hier müssen wir dagegen halten. Wie weit Kopien unseres Sichtungssystems existieren, kann ich nicht beurteilen.</blockquote>

Im Oktober werden die Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes neu aufgestellt. Wie ist das LAZ aufgestellt?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Die genaue Anzahl der Kaderathleten wird im Oktober veröffentlicht. Bei den Aktiven haben sechs Athletinnen und Athleten die Chance, in den Kreis der Nationalmannschaft (B-Kader) aufgenommen zu werden. Etwa ebenso viele Jugendliche werden den Nachwuchskadern des DLV angehören.</blockquote>

Die Athleten des LAZ legen jedes Jahr die Messlatte höher. Hat die Infrastruktur in Zweibrücken mit diesen Erfolgen Schritt gehalten?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Es ist schwer, die Messlatte höher zu legen, wenn es uns nicht gelingt, unsere Philosophie hinauszutragen und um mehr Akzeptanz zu werben. Der Verein als Träger einer leistungssportfreundlichen Infrastruktur kann dies, auch wenn die Verbände tatkräftig helfen, allein schwer schultern. Es müssen Netzwerke entstehen, mittels denen leistungswilligen Kindern und Jugendlichen der Leistungssport ermöglicht wird. Dazu gehört die Bereitstellung qualifizierter Trainer, eine optimale Athletenbetreuung, eine verstärkte Kooperation mit Schulen und Hochschulen genau so, wie die Instandhaltung und Weiterentwicklung leistungssportgerechter Anlagen. Das LAZ ist um die Gestaltung diese Umfeldes bemüht. Es ist aber auch für eine Unterstützung durch sportverständige Gönner offen.</blockquote>

Im Stabhochsprung, Hürdensprint, Speerwerfen und der Mittelstrecke sind die LAZ-Sportler internationale und nationale Spitze. Ist damit Ihre Philosophie aufgegangen, sich auf das in Zweibrücken Machbare zu konzentrieren?

<blockquote><strong>Werle:</strong> Wenn das Fünf-Säulen-Konzept nicht greifen würde, hätten wir nicht die oben genannten Erfolge.</blockquote>
Jens Werrmann und Trainer Karl-Heinz Werle: ein eingespieltes Team
Hand in Hand arbeiten schon seit sechs Jahren LAZ-Trainer Karl-Heinz Werle und einer der besten deutschen Hürdenläufer, der EM-Sechste von Göteborg 2006, Jens Werrmann, zusammen. Foto: voj