Als Europameisterin wachsen die Begehrlichkeiten, die eigenen und die der anderen. So geht es auch Christin Hussong, die bei ihren dritten Weltmeisterschaften gerne um die Medaillen mitwerfen möchte. Dass die klimatischen Verhältnisse die Wettkämpfe beeinflussen, glaubt die Herschbergerin nicht.

Zweibrücken. Die Trägerin des alternativen Nobelspreises, Greta Thunberg, hätte mit dem diesjährigen Austragungsort der Leichtathletik-Weltmeisterschaften, die gestern begannen, ganz sicher arge Probleme. Mitten im Wüstenstaat Katar, wo tagsüber bis zu 40 Grad Hitze herrschen, steigen die Wettkämpfe in der Hauptstadt Doha erst abends in einem auf 26 Grad aufwendig heruntergekühlten Stadion. Das kann der 16-jährigen, schwedischen Klima-Aktivistin („Fridays for Future“) nicht gefallen. Für die weltbesten Sportler ist das die Realität, der sie sich bei dieser WM stellen müssen.

Speerwerferin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken hat sich gestern von der Türkei aus auf den Weg nach Doha gemacht. Eine knappe Woche Abschlusstrainingslager mit dem deutschen Team samt Trainer und Papa Udo liegt in Belek hinter hier. „Da galt aber Qualität vor Quantität, und alles nicht mehr so intensiv“, erklärt die Herschbergerin, warum dort nur noch eine Wurfeinheit auf dem Programm stand. Daneben sollte der Körper einfach die nötige Ruhe bekommen, die es braucht, um jetzt in Doha Top-Leistungen abrufen zu können. Auch mit Tanja Damaske, der deutschen Ex-Speerwerferin und jetzigen Psychologin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, wollte sie sich noch mal zusammensetzen und in Ruhe über das anstehende Top-Ereignis sprechen.

Ziel: eigene Bestmarke knacken

Natürlich sei sie ein bisschen aufgeregt, gibt Christin Hussong zu. „Wäre es anders, wäre es aber auch falsch“, findet die 25-Jährige, die bereits ihre dritten Weltmeisterschaften im Seniorenbereich erlebt. Und ja, sie geht natürlich inzwischen mit anderen Erwartungen in eine Weltmeisterschaft. „Ich möchte gerne um die Medaillen mitwerfen“, sagt die amtierende Europameisterin selbstbewusst. Dass sie dabei ihre Saisonbestleistung (66,59 Meter am 5. Juli in Lausanne) und sogar ihre persönliche Bestmarke (67,90 Meter 2018 in Berlin) wird angreifen müssen, weiß sie. „Um den Dreh wird man schon werfen müssen, wenn man vorne mitmischen will. Mal sehen, zu was es dann reicht.“ Nur vier Athletinnen haben dieses Jahr weltweit weiter geworfen als sie: die Chinesin Huihui Lyu (67,98 Meter), die Australierin Kelsey-Lee Barber (67,70), die Tschechin Nikola Ogrodnikova (67,40) und die Weißrussin Tatsiana Khaladovich (67,22).

Für die Auseinandersetzung mit dieser Konkurrenz sieht sie sich allerdings gut gewappnet. „Mir geht’s gut, ich bin fit.“ Nach dem Deutschen-Meister-Titel Anfang August in Berlin gab’s noch mal eine Woche Urlaub in Österreich zum Abschalten, dann wieder einen dreiwöchigen Trainingsblock. „Trainingsmäßig haben wir nichts verpasst“, sieht sich die derzeitige Weltjahresfünfte in der extrem langen Saison gut für die Weltmeisterschaft gerüstet.

Qualifikation am Montag

Hussong glaubt, dass die klimatischen Bedingungen in Doha sie sportlich nicht negativ beeinflussen werden. „Wir haben mit ein paar Trainern gesprochen, die das Stadion schon kennen. Das sollte nicht groß stören“, sagt die Studentin des Fachs Gesundheitsmanagement mit Blick auf die Klimaanlage und mögliche Ventilatoren, die Wind verursachen könnten. „Bei den Asien-Games ist da im Finale auch schon weit geworfen worden.“ Entscheidend könnte eher der Bahnbelag werden, auf dem die Speerwerferinnen am Montag in der Qualifikation (ab 16.30 Uhr Ortszeit, 15.30 Uhr hier) und im Finale gleich am Tag darauf (21.20 Ortszeit) anlaufen müssen, glaubt sie.

So einen Empfang zu Hause mit „Speer-Spalier“ wie nach dem EM-Triumph hätte Christin Hussong sicher auch nach dieser WM gerne wieder.
So einen Empfang zu Hause mit „Speer-Spalier“ wie nach dem EM-Triumph hätte Christin Hussong sicher auch nach dieser WM gerne wieder. (Foto: mml)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
27.09.–06.10.2019 Weltmeisterschaften 2019 Doha (Katar)