Ich glaub’, es war mein erster Triathlon. Ich bin zum Freizeit- und Frühstücksbereich gejoggt, immerhin geschätzte 825 Meter, ich strampelte in der Mucki-Bude 20 Minuten, bis der Schweiß floss, hüpfte in den Pool und zog eine Viertelstunde meine Bahnen. Das ist zu wenig, um Olympiasieger zu werden, aber mehr als nichts.

Sofort kam mir Ilija Trojanows vor drei Monaten erschienener Bestseller „Meine Olympiade. Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen“ in den Sinn. Der 50 Jahre alte Schriftsteller hatte sich nach seinem Dasein vor der Glotze während der Spiele 2012 in London vorgenommen, in allen Disziplinen halb so gut zu sein wie ein Olympiasieger und trainierte und trainierte und schrieb alles nieder. Pfiffige Idee, genial umgesetzt, sein Schreibmarathon auf 336 Seiten. Im Bahnradfahren, Bogenschießen oder Schießen gelang ihm das ganz gut, sagte er. Und natürlich scheiterte er im Turnen, Turmspringen und Trampolinturnen. Lesenswert.

Ich hoffe, dass das Exemplar, das ich meinem Chef Horst Konzok zum Geburtstag schenkte, nicht noch eingeschweißt ist. Andererseits: Ich hätte Verständnis dafür. Er hat, wie ich, in diesen Tagen eigentlich keine Zeit, ist gefühlt nur für mich da. Für ihn und meine Kolleginnen und Kollegen muss der nächtliche Kampf mit dem Redaktionsschluss noch gravierender, anstrengender sein.

Inzwischen haben wir auch den besten Weg der Kommunikation gefunden. Whatsapp. Da kommen dann am Ende seines Tages so um 0.13 Uhr so nette Nachrichten wie„Gute Nacht, ich geh heim“. Ja danke, schloof gut. Zur Not habe ich zwei Email-Adressen, eine brasilianische Handynummer, und inzwischen nutze ich auch das WLAN im Bus sehr rege. Das ist übrigens genial. Und das schreibt einer, der sich zuweilen diesen ganzen digitalen Kram wieder wegwünschen würde. Wie schön war das alles auf Papier (also ich rede jetzt nur von Olympischen Spielen), die Infos, die Nachrichten, die Termine. Aber da ist halt ein alter Mann beim Eingewöhnen in die neue mediale digitale Welt irgendwo ganz kläglich an seine Grenzen im Kopf gestoßen, ich geb’s ja zu.

Dann doch lieber Triathlon in der verkürzten Form. An einem Pool von Rio. Triathlon ist ein gutes Stichwort. Einer der Ironmänner von Hawaii, der auch zwölfmal die Tour de France bestritt, feiert heute seinen 50. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch Udo! Und quäl dich, du Sau! By the way, einem anderen, der heute 40 wird, kann ich morgen garantiert selbst gratulieren: Jan van Eijden, der Kaiserslauterer, der Bahnrad-Nationaltrainer bei den Briten ist. Während Udo Bölts 1988 vergeblich versuchte, das Straßenrennen bei den Olympischen Spielen in Seoul zu bestreiten, war Jan immerhin in Sydney dabei und wurde Vierter im Keirin und Fünfter im Sprint. Ein Schlückchen Forster Kirchenstück auf Euch. Prost!

Nach Frühsport und Frühstück habe ich gestern einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Alle meine Texte schrieb ich, bis das Kunstturnen der Frauen begann, in unserem Apartment. Kulle allein zu Haus. Himmlische Ruhe, mal raus auf den Balkon, mal einen Tee gekocht. Sonne pur, keine Klimaanlage. Mensch, habe ich es gut!

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)